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The Tire Cologne

Kerngeschäft im Blick

Foto: Goodyear

Dr. André Weisz, Managing Director Goodyear ­Proactive Solutions, kennt die Anforderungen an Lkw-Flotten und die Vorteile eines professionellen Flottenservices.

04.05.2018 Knut Zimmer
Seit geraumer Zeit ist der Reifen nicht mehr bloß das einzige Medium, das den sicheren Kontakt zur Straße herstellt. Heute ist der Reifen auch ein entscheidender Kostenfaktor. Wie hoch schätzen Sie den Kostenanteil an den ­Total Costs of Ownership ein?

Weisz: Analysiert man die Gesamtbetriebskosten einer Flotte, sind die Kosten für die Anschaffung von Reifen verschwindend gering – sie liegen bei nur rund drei Prozent. Allerdings haben die richtigen Pneus entscheidenden Einfluss auf andere, wesentlich größere Kostenfaktoren, zum Beispiel Kraftstoffverbrauch. In dem kleinen Kostenblock Reifen liegt also enormes Potenzial, um die Gesamtbetriebskosten in einem Fuhrpark zu senken.

Mit Goodyear Proactive Solutions hat Goodyear einen Service im Programm, der am Kosten- und Sicherheitsfaktor im Transportwesen ansetzt. Wie genau funktioniert das?


Weisz: Goodyear Proactive Solutions ist ein Paket vernetzter, digitaler Lösungen, mit dem Fuhrparkmanager die reifenbedingten Ausfallzeiten ihrer Fahrzeuge minimieren und die wirtschaftlichen Kennzahlen der Flotte erheblich verbessern können. Das Angebot setzt sich aus zwei Modulen zusammen. Bei dem fahrzeugbasierten Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS) wird ein Sensor an jede Felge angebracht. Die Sensoren bestimmen den Luftdruck und die Temperatur in den Reifen in Echtzeit. Eine Telematikbox sammelt diese Daten und leitet sie an den Server von Good­year weiter, wo sie mithilfe verschiedener Algorithmen analysiert werden. Wenn die Werte auf einen Fehler hinweisen, versendet das System sofort eine Warnmeldung, selbst wenn die Unregelmäßigkeit erst in der Zukunft zu einer möglichen Reifenpanne führen könnte. Diese Warnmeldung wird je nach Kundenwunsch an das Fuhrparkteam gesendet – oder gleichfalls an weitere Personen, etwa den Disponenten oder den Fahrer. Der entscheidende Vorteil: Mit einem solchen System kann einer Reifenpanne proaktiv vorgebeugt werden. Das heißt, der Kunde kann die Unregelmäßigkeit beheben, bevor überhaupt ein Problem entsteht. Der Name „Proactive“ ist sozusagen unsere Mission. Das zweite Modul, „Drive-over-Reader“, ist eine in den Boden des Betriebshofes eingelassene Messplatte mit speziellen Sensoren. Wenn ein Fahrzeug über die Platte fährt, bestimmen die Sensoren sämtliche Informationen zu den Reifen, wie die Profiltiefe und den Luftdruck. Die Informationen zum Luftdruck werden an den Goodyear-Server übermittelt, und es setzt dieselbe Mechanik ein wie bei dem RDKS. Das System erkennt jede Abweichung von dem Soll-Wert und meldet sie unmittelbar – auch wenn sie erst später zu einem möglichen Problem führen könnte. Mit den Daten zu der Restprofiltiefe wiederum lässt sich das gesamte Rei­fen­manage­ment in einem Fuhrpark im Vorhinein planen, was die Effizienz in den Abläufen enorm verbessert und dem Kunden relevante Ein­spa­rungs­potenziale eröffnet.


Foto: Goodyear
Seit der Einführung ist eine geraume Zeit vergangen. Wie hat sich dieses Angebot im Markt etabliert? Wie hoch ist die Nachfrage?

Weisz: Wir können auf namhafte Flotten verweisen, die unser System nutzen. Das Interesse war von Anfang an sehr hoch, insbesondere da Goodyear als innovativer Hersteller bekannt und am Markt etabliert ist. Hinzu kommt, dass selbstverständlich jedes Transportunternehmen die wirtschaftlichen Kennzahlen seiner Flotte optimieren möchte und viele Flotten die Möglichkeiten, die ihnen die Digitalisierung bietet, mehr und mehr für sich nutzbar machen. Dabei ist jeder Anwendungsfall in der Praxis anders, und wir beraten jeden Kunden intensiv, bevor es zu einem Vertragsabschluss kommt.

Welche Vorteile haben die Kunden von Goodyear Proactive Solutions?

Weisz: Der größte Vorteil ist, dass unsere Lösungen proaktiv funktionieren. Wir wollen nicht nur Probleme im Nachgang beheben, sondern im Voraus vermeiden, dass sie überhaupt auftreten. Nur so können wir für unsere Kunden einen Mehrwert generieren, den sie von Tag eins an im Alltag spüren. Selbstverständlich ist die Sicherheit des Transports darüber hinaus ein weiterer ganz wichtiger Punkt. Unser System trägt dazu bei, die Gefahr, die ein Reifenplatzer für den Fahrer selbst, aber auch für andere Verkehrsteilnehmer bedeuten kann, zu minimieren. Mit jeder Reifenpanne, die verhindert wird, sind aber auch handfeste monetäre Vorteile verbunden. Die Kosten für einen Neureifen sind dabei nur ein Posten, den Transportunternehmen sparen. Hinzu kommen Aufwendungen für einen Reifennotdienst und die Straßenmeisterei, eventuelle Folgeschäden am Lkw sowie die Lieferverzögerung beim Kunden. Die Daten zur Restprofiltiefe, die „Drive-over-Reader“ verfügbar macht, zahlen wiederum auf das Trendthema „vorausschauende Wartung“ beziehungsweise „predictive Maintenance“ ein.

Für welche Flotten eignet sich das Angebot Goodyear Proactive Solutions?

Weisz: Das RDKS ist ideal für Flotten, die im Fernverkehr unterwegs sind. Darüber hinaus bietet es bei solchen Transporten einen enormen Mehrwert, für die Sicherheit und Zuverlässigkeit besonders wichtig sind – etwa Gefahrguttransporte oder Lieferungen just in time. Bei dem „Drive-over-Reader“ müssen die Fahrzeuge regelmäßig über die Messplatte fahren. Das Modul ist eher für Flotten geeignet, die regelmäßig auf den Betriebshof zurückkommen, etwa Busflotten im öffentlichen Nahverkehr. Da hier Personen an Bord sind, ist auch das Thema Sicherheit enorm wichtig.

Können Sie ein Kostenbeispiel aus Kundensicht geben?

Weisz: Unser System hat vergangenes Jahr die Reifenpannen bei unseren Kunden im Schnitt sogar um 92 Prozent reduziert.

Wie werden die digitalen Möglichkeiten eines Reifendruck-Kontrollsystems die Transportbranche verändern?

Weisz: Ein solches System generiert erst einmal lediglich Daten. Der tatsächliche Mehrwert für den Kunden ist davon abhängig, inwieweit diese Daten weiter verwendet werden. Hier wird sich aus unserer Sicht die Spreu vom Weizen trennen. Es gibt zahlreiche Telematikunternehmen und Hersteller von Sensoren – die aber die Probleme von Flotten dabei nicht lösen können. Sie haben zum Beispiel kein Werkstattnetz oder sind einfach zu weit von dem Tages­geschäft eines Fuhrparkmanagers entfernt. Wir bei Goodyear haben verstanden, wie wir neue Technologien mit unseren bestehenden Stärken wie unserem Händlernetz und unseren Premium-Produkten verbinden können. Das wird unseren Kunden die nötige Freiheit geben, um sich künftig mehr auf ihre Stärken in ihrem eigenen Serviceangebot konzentrieren zu können. Wir kümmern uns um den Rest.

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