Schwerverkehr Schweiz Dämpfer für Verlagerungstaktik

Güterzug im Alpentransit durch die Schweiz. Foto: GIAN VAITL ZURICH SWITZERLAND

Ärger in der Schweiz: Die Verlagerung des Güterverkehrs durch die Alpen stagniert. Der Grund dafür liegt in Deutschland.

Dämpfer für die Verlagerungstaktik der Schweiz im Güterverkehr: Im vergangenen Jahr blieb der Marktanteil der Bahn gleich - wenn auch mit einem Marktanteil von 73,9 Prozent auf hohem Niveau. Gleichzeitig wurden "praktisch gleich viele Lastwagen" auf der Fahrt durch die Schweizer Alpen wie im Jahr zuvor gezählt, so ein aktueller Bericht des Bundesamts für Verkehr (BAV) - es gab lediglich ein Minus von 15.000 Lkw und insgesamt 880.000 Lkw-Fahrten

Probleme im Nord-Süd-Verkehr

"Die Stagnation bei der Verlagerung dürfte in erster Linie auf die akzentuierten Probleme der Bahn im internationalen Nord-Süd-Verkehr zurückzuführen sein", so der Bericht. Demnach war insbesondere die Hauptstrecke durch Deutschland immer wieder unterbrochen oder überlastet. Zudem hätten viele Bahnen wegen der Verteuerung des Bahnstroms und der Trassen die Preise für ihre Angebote erhöhen müssen.

Der Bundesrat werde im Rahmen des nächsten Verlagerungsberichts im Herbst 2023 aufzeigen, mit welchen Maßnahmen er die Verlagerung wieder ankurbeln will. Laut BAV hatten die Fertigstellung der Neuen Eisenbahn-Alpentransversalen (NEAT) und des Korridors für Transporte auf der Gotthard-Achse im Jahr 2020 zu einem Schub für die Verlagerung des alpenquerenden Güterverkehrs gesorgt; heute sei die Situation weitgehend stabil.

130.000 Fahrzeuge kontrolliert

Auch für die Kontrollsituation 2022 hat die Schweiz Zahlen veröffentlicht. Bund und Kantone haben demnach insgesamt 129.067 Lastwagen, Sattelschlepper, Lieferwagen und Busse kontrolliert. Dabei kam es zu 23.790 Beanstandungen - hauptsächlich wegen Verstößen gegen Gewichte und Abmessungen, aufgrund technischer Mängel sowie wegen Missachtung der Arbeits- und Ruhezeiten.

Laut einem gemeinsamen Bericht des Bundesamts für Straßen (ASTRA) und das Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) wurden in 4.700 Fällen die kontrollierten Fahrzeuge stillgelegt oder den Fahrern die Weiterfahrt verwehrt. Rund 2.900 davon waren im Ausland zugelassene Fahrzeuge.

Laut der Meldung haben die Kantone 2022 ergänzend zur normalen polizeilichen Arbeit insgesamt 94.988 Stunden mobile Schwerverkehrskontrollen abgehalten. Weitere 114.125 Kontrollstunden wurden in den Schwerverkehrszentren durchgeführt. Zusätzlich zu den Polizeien überprüfe auch das BAZG im Rahmen von Zollkontrollen Fahrzeuge und Chauffeure, die in die Schweiz einfahren oder die Schweiz verlassen.

Schwerverkehrskontrollen durch die Polizei

In den sieben Schwerverkehrskontrollzentren des Bundes wurden demnach 32.153 Fahrzeuge geprüft, unter den beanstandeten Fahrzeuge waren 1.887 schweizerische (+2.9 Prozent) und 9.580 ausländische Fahrzeuge und/oder Fahrzeuge (+4.4 Prozent). Davon mussten 319 schweizerische (-1.2 Prozent) und 2.063 ausländische Fahrzeuge stillgelegt und/oder den Fahrern die Weiterfahrt verwehrt werden (-2.2 Prozent).

Bei den mobilen Kontrollen der Polizei wurden insgesamt 58.947 Nutzfahrzeuge kontrolliert, davon wurden 5.708 schweizerische (-1.2 Prozent) und 3.739 ausländische Fahrzeuge (-9.6 Fahrzeuge) beanstandet; von denen wurden anschließend 1.490 schweizerische (+11 Prozent) und 828 ausländische Fahrzeuge stillgelegt beziehungsweise den Fahrern die Weiterfahrt verwehrt werden (-5.5 Prozent).

Laut dem Bericht überwiegten auch hier bei den Beanstandungen und Stilllegungen die Missstände bei den Gewichten und Abmessungen (10 592 Fälle) sowie technische Mängel (6858 Fälle), mit jeweils nur geringfügigen Abweichungen gegenüber dem Vorjahr (Mehrfachnennungen sind möglich). Manipulationen am Abgassystem (unter anderem Adblue-Manipulationen) wurden 77-mal festgestellt (+87.8 Prozent).

Künftig werden die Kontrollen noch gesteigert - im Dezember 2022 ist ein neues Schwerverkehrskontrollzentrum (SVKZ) in Giornico im Tessin in Betrieb gegangen, so dass auch auf der Südseite der in Richtung Gotthard fahrende Schwerverkehr kontrolliert wird. Zudem haben die Bauarbeiten für ein neues SVKZ in Oensingen (Solothurn) begonnen, das voraussichtlich nach dem Sommer 2024 in Betrieb geht.

Schwerverkehrskontrollen durch den Zoll

Dem Bericht zufolge hat das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) 2022 an den Grenzübergängen 37.967 Nutzfahrzeuge und dabei 252 schweizerische und 2624 ausländische Fahrzeuge beanstandet. Die meisten Fälle betrafen auch hier Missstände bei den Gewichten und Abmessungen (2.340 Fälle), technische Mängel (335 Fälle) sowie die Missachtung der Arbeits- und Ruhezeiten (265 Fälle). Mehrfachnennungen sind auch hier möglich.

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