Porträt L.I.T. Hamburg

Bereit für Reparaturen aller Art

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Die L.I.T.-Gruppe hat mittlerweile sechs eigene Werkstätten. Vor Ort sind auch jederzeit andere Kunden willkommen, die das breit aufgestellte Angebot gern annehmen.

Es herrscht geschäftiges Treiben in der L.I.T.-Werkstatt im Hamburger Hafen. Drei Containerchassis warten darauf, wieder auf die Straße zu kommen. Damit sind alle Reparaturstraßen besetzt. „Wir sind hier gut ausgelastet“, sagt René ­Thiede, Werkstattmeister bei der L.I.T.-Gruppe in Hamburg. Zurzeit kommen die Aufträge zu 80 Prozent von externen Kunden, die restlichen 20 Prozent werden intern vergeben. Die fünf ausgebildeten Kfz-Mechatroniker mit Schwerpunkt Nutzfahrzeug reparieren und warten ziehende und gezogene Einheiten aller Art.

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Trotz aller technischen Mittel setzt Werkstattleiter René Thiede vor allem auf das Know-how seiner Mitarbeiter.

Containerchassis im Fokus

Zur Fehleranalyse setzen die Mitarbeiter bei den Nutzfahrzeugen ein universales Diagnosegerät ein. „Wir haben an Kundenfahrzeugen fast alle relevanten Marken der europäischen Lkw-Hersteller. Nur Renault fehlt“, beschreibt Thiede das Aufgabenspektrum. Da ist es wichtig, möglichst breit aufgestellt zu sein und alle Lkw auslesen zu können. Auch gezogene Einheiten werden in vielen Formen repariert. „Wir sind hier im Hamburger Hafen. Daher gehören Reparaturen und Wartungen von Containerchassis zu unseren Hauptaufgaben, egal, ob es sich dabei um defekte Fahrwerke, Bremsen oder allgemeine Unfallschäden handelt“, sagt Thiede. Aber auch Planen- und Kofferauflieger gehen hier ein und aus. Für kleinere Reparaturen wird täglich ein Mitarbeiter abgestellt. Dieser Service sorgt dafür, dass die Lkw-Fahrer nicht erst lange warten müssen, bis sie drankommen. So ist eine Lampe schnell gewechselt, und der Fahrer kann gleich wieder los. Größere Reparaturen haben zumeist einen etwas längeren Vorlauf. „Für solche Fälle stellen wir bei Bedarf auch Ersatzfahrzeuge aller Art zur Verfügung. Das Transportunternehmen muss so keine Ausfälle befürchten“, sagt Thiede. Um die eigenen Kapazitäten weiter zu erhöhen, plant die L.I.T.-Gruppe, neben den zwei Gruben und einer ­Standspur demnächst eine weitere Straße zu bauen.

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Die Mitarbeiter der L.I.T.-Werkstatt arbeiten mit universellen Diagnosegeräten.

Im Zeitalter der Digitalisierung angekommen

Seit zwei Jahren gehört die Werkstatt an prominenter Stelle im Hamburger Hafen zur L.I.T.-Gruppe und ergänzt damit die eigene Kette mit Standorten in Brake, Bremen, Baunatal, Polch und Oebisfelde bei Wolfsburg. In Baunatal, Brake und Bremen ergänzen bereits Fahrerhotels das ­Angebot. So sind dort Truck-Service-Center entstanden. Hamburg hätte auch den notwendigen Platz, doch noch ist nach ­Angaben von L.I.T. keine Entscheidung ­gefallen. Die Gruppe nutzt den Standort schon heute gern für Pilotprojekte. Das wohl umfangreichste war die Einführung einer Werkstattsoftware. Mit Werbas hat das Unternehmen jetzt eine Software, die viele Vorgänge standardisiert. „Vom Auftragseingang bis hin zur Fakturierung können wir alles mit dem Programm abwickeln. Wir sind im Zeitalter der Digitalisierung angekommen“, sagt Andreas Binz, Leiter Prozesse und Projekte bei L.I.T. So besitzt das Programm Schnittstellen zu allen Zulieferern. Bereits beim Erfassen des Auftrags können die benötigten Ersatzteile bestellt werden. „Wir sind jetzt schneller in der Abwicklung der einzelnen Aufträge. Die Expressdienste fahren uns mehrmals täglich an und versorgen uns mit den bestellten Ersatzteilen“, bestätigt auch Thiede.

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Die Mitarbeiter der Hamburger L.I.T.-Werkstatt warten und reparieren fast täglich Containerchassis.

Reparaturen werden mit Fotos dokumentiert

Da muss auch das Lager nicht besonders groß sein. Mit gut 30 Quadratmetern sind jedoch alle wichtigen Schnelldreher vorhanden. Zurzeit sind die Werkstatt­mitarbeiter dabei, das Lager neu zu gestalten und auszustatten. Auch hier hält die Digitalisierung mit dem neuen System Einzug. Wird jetzt ein Teil entnommen, scannt der Mechaniker das Ersatzteil und entfernt es somit digital aus der Bestandsliste. Sobald der Mindest­bestand erreicht ist, geht dann automatisch eine Bestellung raus. Zusätzlich halten sich die Meister der unterschiedlichen Werkstätten mit dem Programm auf dem Laufenden. So haben beispielsweise alle einen Überblick über die Aufträge und die Lagerbestände an den einzelnen Standorten. „Das hilft uns sehr, falls wir mal schnell ein Ersatzteil brauchen, das nicht sofort verfügbar wäre. Dann genügt ein Anruf bei unseren Partnern“, sagt Thiede. Intern sorgt das Programm für eine effizientere Arbeitseinteilung, denn mit der Software werden sämtliche Vorgänge detailliert dokumentiert. So machen die Mitarbeiter von jedem Fahrzeug vor und nach der Wartung oder Reparatur Fotos. Zudem werden alle Arbeitsgänge einzeln beschrieben.

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Digitaler Wandel: Andreas Binz, Leiter Prozesse und Projekte bei L.I.T., ist dabei, die sechs eigenen Werkstätten zu digitalisieren.

L.I.T. setzt auf Fleetboard

Auch die Muttergesellschaft profitiert von der Einführung der Software. So sorgt sie für eine direkte Übertragung der Rechnungen an das bestehende System. „Es gibt jetzt keine Medienbrüche mehr. Die Aufträge können schneller abgearbeitet werden“, sagt Binz. Gleichzeitig hat die L.I.T.-Gruppe eine technische ­Abteilung, die sich um alle Fahrzeuge kümmert. „Wir haben unsere Lkw mit Fleetboard ausgestattet. Vom Telematiksystem erhalten wir die wesentlichen ­Telemetriedaten aller Lkw und können so die Wartungs- und Reparaturtermine rechtzeitig bestimmen“, erläutert Binz. Die technische Abteilung besteht bei L.I.T. aus insgesamt acht Mitarbeitern, die für unterschiedliche Fahrzeugtypen zuständig sind. Das beginnt bei Ultralight-Kombinationen und geht über ­Volumenfahrzeuge und Wechselbrücken bis zu Planenaufliegern. Sollte ein Fahrer ein Problem haben, so ist rund um die Uhr ein Ansprechpartner erreichbar, der ihn zur nächsten verfügbaren Werkstatt leitet. Das muss nicht eine der eigenen sein. Das mag einfach klingen – bei einem Fuhrpark von 1.100 Lkw, 2.000 Wechselbrücken und 700 Aufliegern verlangt das jedoch eine gute Organisation.

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Die Digitalisierung hält im Lager Einzug: Sobald ein Teil entnommen wird, scannt es der Mitarbeiter.

Doch nicht alles lässt sich durch die ­Digitalisierung verbessern. So sind sich die Mitarbeiter sicher, dass sie die Fahrzeuge, die regelmäßig hier zur Wartung kommen, besser kennen als jede sogenannte Predictive Maintenance. „Wir können genau abschätzen, was demnächst ­repariert werden muss. Wir kennen die Fahrzeuge in- und auswendig, wissen, welche Verkehre sie fahren. Unser Wissen kann keine Software ersetzen“, betont Thiede. Für die Kunden bedeutet das wiederum geringe Standzeiten.

Unternehmen:

Name: L.I.T.-Gruppe, Werkstatt Hamburg

Anschrift: Finkenwerder Weg 4, 21129 Hamburg

Standorte: 64 Standorte in 12 Ländern

Mitarbeiter: über 3.000 Mitarbeiter

Leistungen: 1.100 Lkw 2.000 Wechselbrücken 700 Trailer 6 Werkstätten 450.000 m2 Lagerfläche

Werkstätten: Brake, Bremen, Baunatal, Hamburg, Polch, Oebisfelde bei Wolfsburg

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