Lang-Lkw

Überlange Lastzüge auf dem Vormarsch

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Lang-Lkw sind in Europa nichts Neues. Die überlangen Gespanne rollen bereits seit Jahren auf den Straßen vieler Länder. Immer mehr Nationen starten Feldversuche und den Dauerbetrieb. Ein Überblick.

Was bedeutet Lang-Lkw? In Deutschland sind das Zugmaschinen plus Anhänger mit verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten ("Typen"), einer maximalen Gesamtlänge von 25,25 Metern und einem Gesamtgewicht von 40 Tonnen. Die einzige Ausnahme ist der Kombinierte Verkehr: Hier sind 44 Tonnen erlaubt. Beim verlängerten Sattelauflieger, dem Lang-Lkw Typ 1, gilt ein Gesamtgewicht von 40 Tonnen. Allerdings darf die Gesamtlänge hier 17,80 Meter nicht überschreiten. Beim herkömmlichen Anhängergespann dürfen es bis zu 18,75 Meter Länge sein. Die überlangen Züge sind bereits seit 2012 in Deutschland unterwegs. Damals startete der fünfjährige Feldversuch mit 21 Unternehmen. Letztlich beteiligten sich an dem Feldversuch 13 Bundesländer und 60 Unternehmen mit insgesamt 161 Lang-Lkw bis Ende 2016. Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) begleitete den Feldversuch von wissenschaftlicher Seite. Eine Erkenntnis lautet, dass zwei Lang-Lkw-Fahrten drei Fahrten mit einem herkömmlichen Lkw ersetzen. Außerdem wird so die Effizienz gesteigert, und zwischen 15 und 20 Prozent Kraftstoff werden eingespart. Es konnte zudem kein erhöhter Erhaltungsaufwand für die Infrastruktur festgestellt werden. Verlagerungseffekte von der Schiene auf die Straße gab es ebenfalls keine.

Seat Lang-Lkw Gigaliner Spanien 2018 Konzernlogistik Test Erprobung Feldversuch Foto: Seat
Seat testet in Spanien zwischen Saragossa und Martorell eine 31,70 Meter lange Fahrzeugkombination mit einem maximalen Gesamtgewicht von 70 Tonnen.

Seat testet zwischen Martorell und Saragoss

Seit dem 1. Januar 2017 dürfen alle Lang-Lkw im streckenbezogenen Dauerbetrieb in Deutschland fahren. Das erlaubte Streckennetz – das sogenannte Positivnetz – umfasst mittlerweile weit mehr als die Hälfte des gesamten deutschen BAB-Netzes. Im Moment lassen 15 Bundesländer den Einsatz der überlangen Züge zu. Bald sollen auch noch Baden-Württemberg und Bremen/Bremerhaven ihr komplettes Straßennetz für den Lang-Lkw Typ 1 freigeben. Während die Lang-Lkw in Deutschland noch relativ leichtfüßig unterwegs sind, geht es in anderen europäischen Ländern schon deutlich schwerer zur Sache. Sowohl in den Niederlanden als auch in Belgien sind die Züge bei einer Gesamtlänge von 25,25 Metern bereits mit 60 Tonnen beladen. Während die überlangen Gespanne seit 2013 im niederländischen Straßennetz gesetzlich zugelassen sind, wird in Belgien in der Wallonie (seit 2016), in Flandern (seit 2015) sowie in Brüssel mit den gleichen Gesamtmaßen und -gewichten getestet. Bei den Beneluxländern gibt es im Lang-Lkw-Verkehr eine Besonderheit. Im Jahr 2015 haben die Außenminister ein EU-Abkommen in Brüssel unterzeichnet, das den grenzüberschreitenden Verkehr von Lang-Lkw zwischen diesen Ländern erlaubt. Zwischen den Niederlanden und den verschiedenen Regionen Belgiens wird der grenzüberschreitende Verkehr seither regelmäßig praktiziert. Zwischen anderen Ländern in der EU ist die Grenzüberschreitung mit Lang-Lkw allerdings verboten. Auch in Spanien werden Lang-Lkw getestet. Dachser ist dort auf drei Routen unterwegs: Madrid–Barcelona, San Sebastián–Vitoria und Arteixo–Lleida.

Seat testet zwischen Martorell und Saragossa gar ein 70-Tonnen-Gespann mit 31,70 Meter Länge. Überlange Fahrzeugkombinationen sind in Skandinavien schon seit vielen Jahren im Einsatz. Bereits in den 1970er-Jahren waren dort bis zu 24 Meter lange Lkw unterwegs. Heute gelten in Norwegen die 25,25 Meter Länge und 60 Tonnen Gewicht als Maßstab für den Lang-Lkw. 22 Hauptrouten und dazugehörige Verbindungsstraßen bilden hier das Streckennetz. In Dänemark sind die Auflagen für die überlangen Lkw identisch. Das Positivnetz umfasst rund 1.700 Kilometer Straße. In Schweden spielen Lang-Lkw seit Langem eine wichtige Rolle. Bei einer Länge von maximal 25,25 Metern sind seit Juni 2016 im nationalen Straßentransport 64 Tonnen zugelassen. Auf ausgewiesenen Strecken sind seit Sommer 2018 auch Züge mit 74 Tonnen Gesamtgewicht erlaubt. Die sogenannte Schwedenkombi – 90-Tonner mit 30 Meter Gesamtlänge – war im Rahmen des ETT-Projekts (En Trave Till, zu Deutsch: ein Stapel mehr) im Jahr 2009 erstmals zum Holztransport eingesetzt worden. Die längsten Fahrzeugkombinationen in Europa sind momentan auf finnischen Straßen unterwegs. Am 21. Januar 2019 hat Finnland die zulässige Länge der überlangen Züge auf 34,50 Meter erhöht. Das Höchstgewicht beträgt – wie auch vor der Änderung – 76 Tonnen. Die längeren Einheiten sollen insbesondere beim Transport von Seecontainern und Stückgut Vorteile bringen.

34 Meter lange Scania R730-Kombination Ultra-lange Lkw in Finnland Mit bis zu 34,5 Meter unterwegs

Die langen Kombinationen sollen vor allem außerhalb der Hauptverkehrszeiten und nachts zwischen Terminals und auf dem Weg zu größeren Einkaufszentren oder Fabriken eingesetzt werden. Für die europäischen Maße und Gewichte haben die Kollegen in Übersee sicherlich nur ein kleines Lächeln übrig. Vor allem in Ländern wie den USA, Kanada und Südafrika sind nur die Abmessungen der Transportbehälter begrenzt. Die Long Combination Vehicles (LCV) in Kanada und den USA wiegen bis zu 62,5 Tonnen und sind 38 Meter lang. In Australien sind sogenannte Road-Trains mit sogar 125 Tonnen zulässiger Gesamtmasse und mit 53,50 Meter Länge unterwegs – aber natürlich nicht überall. Anhand spezieller Landkarten sehen die Fahrer, auf welchen Routen sie ungehindert ans Ziel kommen.

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