Großbrand bei der SSB

Strobl bestätigt Elektrobusbrand

Foto: Thorsten Wagner

Nach Hannover und Düsseldorf brennt hierzulande bereits zum dritten Mal in diesem Jahr ein Busdepot ab, in dem auch E-Busse geladen wurden. Die Stuttgarter SSB muss den Verlust von 25 Fahrzeugen verschmerzen - darunter mindestens ein Mercedes eCitaro und der Mercedes O322 aus 1961 im Bild. Statt der SSB verkündet jetzt Innenminister Thomas Strobl (CDU) erste Erkenntnisse.

Nach dem verheerenden Brand im SSB-Depot Gaisburg am letzten Freitag, dem 25 Busse, darunter zwei Elektrobusse und zwei seltene Oldtimer zum Opfer fielen, schweigt die SSB weiterhin beharrlich zu allen relevanten Fragestellungen, auch solchen, die nicht von finalen Brandgutachten oder ähnlichen Untersuchungen abhängen. So auch zu unseren Fragen nach der generellen Ladeinfrastruktur oder den akuten Überprüfungsmassnahmen der restlichen Elektrobusse im Fuhrpark. Derzeit befinden sich Mercedes-Benz eCitaro mit NMC-Batterien vom hessischen Hersteller Akasol sowie zwei Gelenkbusse mit neuen "Feststoffbatterien" auf Lithium-Metall-Polymer-Basis (LMP) im Bestand. Auch Volvo lieferte schon 2020 zwei Gelenkbusse, ebenfalls mit Akasol-Akkus an den Neckar. Die neuartigen, vom französischen Hersteller BlueSolutions zugelieferten LMP-Batterien des jetzt verbrannten Merceds-Benz eCitaro waren Anfang des Jahres Gegenstand eines Rückrufs wegen eines "Isolationsfehlers in der Batterie". Das Problem wurde laut Daimler Buses aber bei rund 30 Fahrzeugen, darunter eben die der SSB aber auch von ESWE in Wiesbaden, vollständig behoben. Generell gelten diese Batterien aufgrund ihres festen Elektrolyts, der Anode und Kathode trennt, als besonders robust und leistungsfähig, allerdings befinden sie sich in einem relativ frühen Anwendungsstadium im Busbereich. Derzeit ist inoffiziell aus unterrichteten Kreisen zu hören, dass es allerdings einer der beiden Volvo Gelenkkbusse sein soll, der den Brand ausgelöst haben könnte.

Innenminister Strobl informiert den Landtag

Erste Bestätigung der groben Vorgänge gab Innenminister Thomas Strobl am Mittwoch im Stuttgarter Landtag: "Zwei der zerstörten Busse waren mit einem Elektroantrieb ausgestattet. Nach jetzigem Erkenntnisstand begann der Brand in einem der beiden Fahrzeuge. Mmentan wird von einem technischen Defekt ausgegangen. Die Brandursachen Ermittlung läuft noch. Der Bus an dem der Brand entstanden ist, wird erst am Freitag durch einen Gutachter untersucht." Letzteres scheint jedoch nach SWR-Informationen eher unwahrscheinlich, da die Statik der Depothalle immer noch unzureichend geprüft ist. Strobl, der seine Informationen wohl der Landespolizei erhielt, fügte noch hinzu:
"Die Beteiligung von E-Fahrzeugen bedeutet freilich aber auch bei diesem Einsatz für die Feuerwehr grundsätzlich keine Abkehr von den Standardlöschmaßnahmen." Laut Feuerwehrsprecher Anand und der Stuttgarter Zeitung seien die ersten Feuerwehrleute bereits viereinhalb Minuten nach der ersten Meldung vor Ort gewesen und hätten bereits mehrere Busse in vollem Brand vorgefunden.

Sechs Personen leicht verletzt

Bei dem Brand sind nach Informationen der Polizei sechs Personen leicht verletzt worden – zwei davon mussten mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus. Es handelt sich dabei wohl um SSB-Mitarbeiter und Fahrer, die noch Busse aus dem Brandbereich herausgefahren haben – eine heldenhafter Einsatz unter den Bedingungen! Ein Mitarbeiter hatte zeitgleich mit der Brandmeldeanlage ein Feur auf dem Dach eines Busses entdeckt, was mit großer Wahrscheinlichkeit für die jetzt offiziell bestätigte Vermutung eines Elektrobusbrands als möglicher Auslöser des Infernos spricht.

Markus Wiedemann, Unternehmensbereichsleiter Kraftfahrzeuge der SSB, zählte schon auf der Pressekonferenz am Freitag zu den betroffnen Fahrzeugen "zwei defekte beziehungsweise abgebrannte Elektrobusse" sowie eine noch unbekannte Anzahl der 58 insgesamt bei der SSB betriebenen Hybridbusse, die ebenfalls Batterien auf dem Dach tragen. Auf Fotos, die die Stuttgarter Zeitung online veröffentlichte, ist tatsächlich ein ausgebrannter Mercedes eCitaro zu erkennen, der inmitten seiner älteren Dieselkollegen steht und grob in der Nähe der 150 kW CCS-Ladestationen zu verorten ist, die 2020 installiert wurden.

60 Busse in letzter Sekunde gerettet

Auf einer Pressekonferenz am Freitagnachmittag sagte Thomas Moser, Vorstandssprecher der SSB, man habe Glück gehabt, dass der Brand nicht noch später ausgebrochen sei, wenn noch mehr Busse ins Depot zurückgekommen wären: "Das ist eine Lage wie wir sie noch nie hatten. Wir sind alle sehr betroffen. Aber zum Glück wurde niemand ernsthaft verletzt." Die Mitarbeiter konnten 60 Busse retten und auf dem benachbarten Cannstatter Wasen-Gelände zwischenparken.

Die lange Dauer der Löscharbeiten ist laut Sprecher Anand darauf zurückzuführen, dass das Dach des Depots als einsturzgefährdet gilt. Ein Statiker prüfe zudem, wie weit sich die Einsatzkräfte sicher vorwagen können, um am Freitagmittag noch vereinzelte Glutnester zu bekämpfen. Die SSB musste am Freitagmorgen mit zwanzig Bussen weniger als sonst in den Tag starten. Zwangsläufig gab es Behinderungen im öffentlichen Nahverkehr, die sich aber wohl in Grenzen hielten.

Im Normalfall mehr als 260 Busse im Einsatz

Die SSB hat im Stuttgarter Stadtgebiet und darüber hinaus mehr als 260 Omnibusse im Einsatz, die auf mehrere Busdepots verteilt sind - unter anderem in der Zentrale in Möhringen, in Sielmingen und in dem nun betroffenen Stadtteil Wangen, wo alleine 140 Busse stehen. Der hiesige Bus-Betriebshof in Gaisburg mit seinen 42.500 Quadratmetern Gesamtfläche wurde 1997 nach den damaligen Anforderungen errichtet. Das große Areal mitten im Gewerbegebiet ist grundlegend zweigeteilt. Auf der stadtzugewandten Seite befinden sich Wartungshalle, Waschstraße und Instandhaltungshalle samt Büros und Sozialräumen, auf der anderen Seite befindet sich das mit einem Schleppdach überwölbte Depot, wo die gerade nicht im Einsatz befindlichen Busse abgestellt sind und auch Elektrobusse von Mercedes und Volvo mit Hochspannungsladegeräten per CCS-Stecker – sogenannte Depotladung – zumeist nachts geladen wurden.

In unmittelbarer Nähe zur Hofeinfahrt befindet sich eine hochmoderne Wasserstofftankstelle für die vier Mercedes-Brennstoffzellenbusse, die erst kürzlich in Betrieb gegangen ist. Sie und die Brennstoffzellenbusse sind unversehrt geblieben. Für den Wiederaufbau des Depots geht Markus Wiedemann davon aus, dass es sicherlich neue Anforderungen in Sachen baulichem Brandschutz geben werde, die dann natürlich umzusetzen seien.

Generell keine höhere Gefahr als mit Diesel-Bussen

Generell gelten Elektrofahrzeuge nicht als wesentlich brandgefährdeter als solche mit Verbrennungsmotor. Trotzdem sind die gerade in Europa verwendeten Hochenergie-Lithium-Ionen-Batterien mit NMC (Nickel-Mangan-Kobaltoxid) Chemie deutlich empfindlicher als die in China bevorzugten, preiswerteren Lithium-Eisenphosphat (LFP) Akkus, die dort bereits in rund 200.000 Elektrobussen zum Einsatz kommen. Auch wenn die NMC-Batterien, die teilweise mit bis zu 640 kWh (zum Beispiel im MAN Lion's City 18E) und mehrere Tonnen schwer im Stadtbus eingesetzt werden, ständig auf Zellebene elektronisch überwacht werden und im Störungsfall stromlos gestellt werden, besteht doch ein Restrisiko eines sogenannten „Thermal Runaways", also eines thermischen Durchbrennens einzelner Zellen, das auf die benachbarten Zellen überspringen kann. Das Löschen der riesigen Module, die hermetisch geschlossen sind und keinen externen Wasseranschluss besitzen wie zum Beispiel der E-Pkw Renault Zoe gestaltet sich daher sehr schwierig und kann mehrere zehntausend Liter Wasser verschlingen.

Derzeit sprechen die Verbände wie VDV und eine schon länger bestehende Arbeitsgruppe Brandschutz mit Hochdruck darüber, welche Bedingungen sogenannte "Havarieflächen" haben sollten, die es offensichtlich in Stuttgart bei der SSB noch nicht gibt. Laut Vorstand Moser gebe es derzeit für Elektrobusse "keine besonderen Brandschutzmaßnahmen". Integrierte Löschanlagen sind bisher für Batterien seltenst verbaut, diese werden nur für E-Motoren und Wechselrichter verwendet. Der erste Zulieferer, der spezielle Batterielöschanlagen unter der Marke "Li-Ion Fire" verkauft, ist der schwedische Spezialist DAFO, dessen System aber von deutschen Herstellern noch nicht breit angewendet wird. Sicher ein wichtiges Thema, das nun mit Hochdruck angegangen werden muss, zumal immer mehr Verkehrsbetriebe auf Elektrobusse umstellen. Bei den beiden anderen Depotbränden in Düsseldorf und Hannover konnte bis heute keine klare bzw. noch gar keine Brandursache festgestellt werden.

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