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Fahrer händeringend gesucht

Weißrussische Fahrer willkommen

Foto: Jan Bergrath

Der BGL will bei der Fahrerakquise alle Möglichkeiten ausschöpfen. Er warnt vor einem Zuspitzen des Fahrermangels und vor Verhältnissen wie in England.

Der Fahrermangel wird sich auch in Deutschland dramatisch zuspitzen – so die Prognose des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). In England stehen Regale leer, Bauern kippen ihre Milch weg, weil sie nicht rechtzeitig abgeholt werden kann. „Was in England passiert, ist nur ein Vorgeschmack darauf, was uns in Deutschland erwartet“, warnte BGL-Vorstandssprecher Prof. Dr. Dirk Engelhardt bei der Mitgliederversammlung seines Verbands. Diese fand am Donnerstag mit kleiner Teilnehmerzahl in Frankfurt statt, ergänzt um eine virtuelle Podiumsdiskussion mit den verkehrspolitischen Sprechern der Bundestagsfraktionen.

Fahrermangel: Fahrzeuge stehen bereits still

„Unsere Unternehmen müssen bereits Aufträge ablehnen, es stehen Lkw still, weil die Fahrer fehlen“, führte Engelhardt aus. In manchen Flotten stünden bereits bis zu 30 Fahrzeuge. Um den Engpass zu entschärfen, baut der BGL auch auf Unterstützung durch die Politik. Er regt ein neues Förderprogramm an, das über die Programme Aus- und Weiterbildung im Rahmen der Maut-Harmonisierung hinausgeht. „Es geht nicht nur darum, dass wir ein besseres Image brauchen, sondern auch darum, dass der Führerschein billiger wird“, erklärte Engelhardt. Keiner investiere 10.000 Euro, wenn der Azubi danach zum Wettbewerber wechsele.

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Der BGL macht sich ferner für mehr Komfort im Fahrerhaus stark, indem etwa zusätzliche Fahrzeuglängen nicht nur der Ladung, sondern auch der Kabine und damit dem Fahrer zugutekommen. Der Verband fasst ferner das heiße Eisen „Fahrer aus Drittstaaten“ an. Sah er den Einsatz von Fahrern aus Weißrussland und der Ukraine zum Beispiel bei litauischen Wettbewerbern kritisch, will er diese Möglichkeit nun auch für deutsche Unternehmen haben. „Wir brauchen hier eine Gleichberechtigung“, fordert der BGL-Aufsichtsratsvorsitzende Horst Kottmeyer, Chef der gleichnamigen Volumenspedition aus Bad Oeynhausen. „Ist das nur Betrieben aus Litauen möglich, ist das eine nicht zu unterschätzende Wettbewerbsverzerrung.“

Voraussetzungen für Einsatz von Fahrern aus Drittländern

Im Austausch mit den Verkehrsexperten der Parteien zeigte sich, dass es für den Einsatz von Fahrern aus Drittstaaten in Deutschland aber klare Voraussetzungen braucht. „Ich fände es nicht gut, wenn wir den Fahrer in der Ukraine ausbilden und hier fahren lassen“, warnte SPD-Verkehrsexpertin Kirsten Lühmann. In anderen Berufszweigen habe das auch nicht funktioniert. Ihre Empfehlung daher: die angehenden Fahrer aus den Nicht-EU-Staaten in Deutschland ausbilden.

Mit dem Fahrereinsatz einher geht die Frage der Entlohnung. Der BGL erneuerte seinen Appell an die Politik, entschlossen gegen Sozialdumping vorzugehen. Dieser Punkt steht bei seinem Forderungskatalog im Zusammenhang mit der Bundestagswahl an erster Stelle. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) äußerte in einer virtuellen Frage-Antwort-Runde die Erwartung, dass die Beschlüsse zum EU-Mobilitätspaket umgesetzt werden und der Kompromiss nicht aufgeweicht wird. „Osteuropa kann nicht frei und ohne Regeln durch Europa fahren“, sagte er. Scheuer sieht die Gefahr, dass die Lkw-Rückkehrpflicht wackelt.

BGL: Vor- und Nachläufe Kabotage unterwerfen

Einige osteuropäische Länder führen hier die dem Klimaschutz abträglichen Leerfahrten ins Feld, um die neuen Regeln zu verhindern. Einigkeit bei den Verkehrsexperten bestand darin, dass das Kontrollpersonal aufgestockt und geschult werden muss, sie begrüßten auch die nun mögliche Nutzung der Mautdaten zur Kabotagekontrolle. Der BGL wirbt ferner dafür, dass die Vor- und Nachläufe zum Kombinierten Verkehr der Kabotage unterliegen müssen – was in Europa uneinheitlich geregelt ist.

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Handlungsbedarf sieht der Verband auch beim Umgang mit LNG. Die hohen Energiepreise und die Unklarheit, wie es mit der Mautbefreiung nach 2023 weiter geht, machen den Einsatz der Fahrzeuge laut Unternehmer Kottmeyer unattraktiv. Er hat aktuell bei sich 16 Gasfahrzeuge im Einsatz. „Wenn ich heute einen LNG-Lkw kaufe, bekomme ich die Mehrkosten von 35.000 bis 40.000 Euro nicht mehr amortisiert.“ Es gebe auch keinen Drittmarkt, einen LNG-Lkw mit einer halben Million Kilometer könne er nicht in andere Länder verkaufen. Die Verkehrsexperten der Parteien machten dem BGL aber keine Hoffnungen darauf, dass Gasfahrzeuge weitere Förderungen erhalten.

BGL fordert Planungssicherheit bei LNG

Der BGL will jedoch nicht locker lassen – gerade mit Blick auf den Einsatz von Biogas. „Wir werden nach der Wahl weiter in die Kerbe schlagen“, kündigte Engelhardt an. Er erwarte ein klares Statement, wie es bei der Maut weitergeht. Minister Scheuer sagte, dass ein weiteres Wegekostengutachten in Auftrag gegeben worden sei. Es gibt dem Bund beim Festsetzen einer CO2-Maut ab 2023 die nötige Orientierung. „Ich habe noch keine finalen Ergebnisse“, sagte Scheuer. Der BGL fordert eine deutliche Differenz zum Diesel und einen Planungshorizont bis mindestens 2030. Der Verband sieht das Problem, dass es kaum Alternativen gibt. „80 Prozent Förderung ist viel“, sagte Jens Pawlowski, Leiter der BGL-Repräsentanz in Berlin, mit Blick auf das neue Förderprogramm für klimaneutrale Lkw. „Aber diese Technologien gibt es nicht zu kaufen, daher sollten wir auch die niedrig hängenden Früchte ernten“ und meinte hier den Einsatz von Gasfahrzeugen, aber auch von intelligenter Trailertechnologie. Vorstandssprecher Engelhardt schränkte ein, es gebe am Markt zwar Fahrzeugangebote. Aber das Gros seiner Unternehmen brauche keine Transporter mit 150 Kilometern elektrischer Reichweite. Hinzu komme: „Wir hätten gar nicht den Strom, um zum Beispiel drei Elektro-Lkw zu laden“, sagte Unternehmer Kottmeyer. Das Stromnetz breche dann zusammen – und treffe ihn auch privat, weil er auf dem Gelände nicht nur arbeitet, sondern auch wohnt.

Aufsichtsrat bestätigt

Die Delegierten der BGL-Mitgliederversammlung bestätigten die Mitglieder des Aufsichtsrats in ihrem Ämtern: Hans Ach, Thomas Heinbokel, Hubertus Kobernuß, Henriette Koppenhöfer und Horst Kottmeyer. Die Wahl des/der neuen Aufsichtsratsvorsitzenden steht noch an.

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