European Truck Racing Championship 2021

Gemischtes Podium in Zolder

European Truck Racing Championship 2021 in Zolder Foto: Richard Kienberger 90 Bilder

Langsam aber sicher biegt die Truck Race Saison 2021 in die Zielgerade. Beim Lauf im belgischen Zolder geht es wieder rund, auch in den Büros der Rennleitung.

Wer nicht zum engeren Kreis der Truckracer und ihrer Crews gehört, dürfte eher selten Gelegenheit haben, die umfangreichen Dokumentationen zu studieren, die nach jeder Session auf der Rennstrecke verteilt werden. Ein wahres Wunderwerk und eine interessante Fundgrube sind diese Ergebnislisten. In denen einerseits zum Beispiel die Reihenfolge in jeder Runde nachzulesen ist. Andererseits werden in dem Kompendium auch die Sektorenzeiten gelistet sowie die „theoretischen Bestzeiten“, die aus den einzelnen Sektoren hochgerechnet werden. Ein Beispiel: Jochen Hahn war am Sonntag auf der zweiten Runde des Qualifyings in allen Sektoren am schnellsten. Damit deckt sich seine „theoretische Bestzeit“ von 1:57.272 Minuten mit der Bestzeit, die in der Ergebnisliste auftaucht. Steffen Faas wiederum stellte seine individuelle Bestzeit im ersten Sektor in Runde 2 auf, die Sektoren 2 und 3 meisterte er allerdings in Runde vier am besten – damit ergeben die addierten Top-Zeiten in den Sektoren ein besseres Ergebnis als seine tatsächliche Rundenzeit.

Die Piloten können mit dieser Liste nicht zuletzt feststellen, wie konstant sie unterwegs sind. Von den zehn Fahrern in der Superpole erreichte (wiederum am Sonntag) „nur“ das Quartett Jochen Hahn, Andrè Kursim, Sascha Lenz und René Reinert ihre Bestzeit in einer Runde, in der sie alle drei gemessenen Sektoren mit der jeweiligen persönlichen Bestmarke absolvierten. Bei den restlichen fünf Kollegen sowie Steffi Halm liegt damit die „theoretische Bestzeit“ um einige Hundertstel -oder Zehntelsekunden unter den in der Superpole erreichten Rundenzeiten. Bei der Analyse der Performance schauen die Motorsportler natürlich nicht nur auf ihre Rundenzeiten, sondern auch auf die Telemetriedaten, die einen exakten Aufschluss über die Performance auf jedem gefahrenen Meter erlauben. Aber: Noch so viel Theorie oder Analyse helfen wenig, wenn beim nächsten Einsatz in einer Top-Runde plötzlich an einer ungünstigen Stelle ein langsamerer Akteur den Vorwärtsdrang hemmt.

Heftige Tuchfühlung

Weg also von der Theorie in die Praxis: Da bestätigte sich in Zolder einmal mehr, dass sich Norbert Kiss immer wieder einmal selbst ein Bein stellt (wobei es diesmal wohl sein Team war) und zudem mit seinem Ehrgeiz gelegentlich über das Ziel hinausschießt. Diesmal wurde er unter anderem vom Briten Jamie Andersson zur Rede gestellt. Das war nach dem zweiten

Samstagsrennen. Da hatte unmittelbar vor dem Start starker Regen eingesetzt, die ersten Runden wurden deshalb unter gelber Flagge gefahren. Als der Kampf um die Plätze dann freigegeben war, wollte sich Kiss – der vom achten Startplatz aus ins Rennen gegangen war – schnell nach vorne pflügen. Schon bald drehte er seine Runden mit ramponierter Front, aber man muss nicht davon ausgehen, dass es hoher Luftwiderstand war, der den MAN so zugerichtet hatte. Was wie erwähnt unter anderem Jamie Anderson nach dem Ende der zwölf nassen Runden zu einer deutlichen Ansprache veranlasste.

Kiss muss für Parc-Fermé-Vergehen büßen

Am Sonntag half dem stürmischen Ungarn seine Fabelzeit aus der Superpole auch nicht weiter, er wurde beim Start in die letzte Reihe versetzt. Grund dafür: Eine Verletzung der Parc Fermé-Regularien. Derzeit gibt es keinen „Parkplatz“ für die Abklingphase nach den Rennen, in der nur Daten ausgelesen werden dürfen, aber keine weiteren Arbeiten an den Fahrzeugen erlaubt sind. Wegen der Corona-Regeln stehen die Fahrzeuge seit der vergangenen Saison in dieser Zeit bei den Teams im Paddock und die Regelhüter beobachten genau, ob sich auch niemand an den Boliden zu schaffen macht. Beim Team aus Ungarn war das offensichtlich nicht der Fall, was die Bestrafung zur Folge hatte.

Kiss‘ Missgeschick führte dazu, dass ein anderer Fahrer endlich wieder einmal die erfrischende Höhenluft auf dem höchsten Podestplatz schnuppern durfte, der dort in letzter Zeit eher selten zu Gast war. Jochen Hahn revanchierte sich mit dem Sieg in diesem Rennen für sein Pech vom Vortag – da wurde er aufgrund von Overspeed mit insgesamt 40 Sekunden Zeitzuschlag belegt, was ihn vom zweiten Platz ins letzte Drittel der Ergebnisliste beförderte. Damit kam es wie in alten Tagen zu einem sortenreinen MAN-Podium: Kiss, Lenz und Antonio Albacete gaben sich auf dem Siegerpodest die Ehre.

Lacko trumpft in Rennen 2 und 4 auf

In den beiden Championshiprennen mit gedrehtem Start setzte sich Adam Lacko erfolgreich in Szene: Einem Sieg am Samstag folgte am Sonntag der zweite Platz hinter Norbi Kiss. Mit auf dem Podium: Steffi Halm (am Samstag) und zweimal als Drittplatzierter Teo Calvet, der immer noch jung, aber zunehmend erfolgreich ist und in Zolder eine beeindruckende Leistung ablieferte. Die zeigt sich nicht zuletzt beim Blick auf die Gesamtwertung: Da liegt Calvet derzeit gerade einmal vier Punkte hinter Rekordmeister Hahn. Norbert Kiss führt das Klassement an, auf den Plätzen folgen Lacko, Lenz und Albacete. Am übernächsten Wochenende trifft man sich wieder zum gepflegten Austausch von Nettigkeiten und Lack, dann in Le Mans.

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