Daimler Truck wird selbstständig

Depot-Schätze ziehen um

Foto: Daimler Truck AG 19 Bilder

Im Zuge der Aufspaltung von Daimler in zwei eigenständige Unternehmen zum 1. Dezember 2021 haben Mitarbeiter der Lkw-Sparte damit begonnen, das Archiv sowie das Materialdepot ins Werk Wörth zu verlagern. Zwei historische Mercedes-Benz-Lastwagen legten den Weg symbolträchtig auf eigener Achse zurück.

Ab Dezember kann die Daimler Truck AG als jüngster Lkw-Hersteller mit der längsten Tradition gelten, und das auch noch parallel zu 125 Jahren Lkw, 75 Jahren Unimog und 25 Jahren Actros. Das technik- und firmengeschichtlich unermesslich wertvolle Erbe aus diesen 125 Jahren lagerte bisher in teils geheimen Depots im Großraum Stuttgart. Das Problem: Gemeinsame Archive und Depots verbieten sich mit der beschlossenen Aufspaltung in getrennte Pkw- und Lkw-Gesellschaften. Es galt also, einen neuen Standort im Bereich der neuen Daimler Truck AG zu finden, wo dieses Erbe sicher bewahrt sowie intern und bestenfalls auch extern zugänglich gemacht werden kann.

Eine Herausforderung, die Mitarbeiter mit historischem Interesse und Herzblut erfordert, denn unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten haben die Archiv- und Depot-Schätze eines Unternehmens immer schlechte Karten. So überraschte es nicht, dass sich an einem trüben, kalten Novembertag bekannte Gesichter von Unimog-Museum, Retro Classics etc. einfanden, um einen symbolträchtigen ersten historischen Konvoi aus dem Raum Stuttgart zum Branchen-Informationszentrum (BIC) des Mercedes-Benz Lkw-Werks in Wörth am Rhein durchzuführen.

Der erste Wörther Lkw kehrt zurück

Während die meisten automobilen Sammlungsobjekte auf Tiefladern vertäut auf die Reise gingen, legten zwei der Oldtimer die Strecke auf eigener Achse zurück: ein Mercedes-Benz LP 333 aus dem Jahr 1960 – wegen seiner zwei, den Seebohm’schen Gesetzen geschuldeten, lenkbaren Vorderachsen als „Tausendfüßler“ bekannt – sowie ein Mercedes-Benz LP 608, der erste im 1965 eröffneten Werk Wörth produzierte Lkw.

Auf den Tiefladern gelangten ein Mercedes-Benz O 321 H Panoramabus von 1962, ein Mercedes-Benz L 1500 mit Holzvergaser von 1937, ein Unimog 70200 von 1946 (das 2. Serienfahrzeug von Gebr. Boehringer) und ein Mercedes-Benz OE Dieselschlepper von 1926 an ihren Bestimmungsort. Der Transport wurde mit zwei Mercedes-Benz Actros und einem Unimog U530 aus dem aktuellen Produktportfolio durchgeführt. Begleitet, von einem Rallye-Unimog U400, der bei der Paris-Dakar Ralley 2006 als Servicefahrzeug im Einsatz war. Das Schlusslicht des Konvois, der sich an der Werkszufahrt für die anwesende Journalistenschar formierte, bildete ein imposanter Youngtimer, der sich noch im Einsatz für Mercedes-Benz befindet: ein schweres Bergefahrzeug vom Typ SK 4850.

Geschichte und Zukunft im Werk konzentriert

Sven Gräble, Leiter Operations Mercedes-Benz Trucks, verantwortlich für das weltweite Produktionsnetzwerk von Mercedes-Benz Lkw, nahm den Konvoi am Kundencenter Wörth in Empfang. „Auch wenn Daimler Truck künftig seine eigenen Wege gehen wird – wir teilen weiterhin eine gemeinsame Geschichte voller Pioniergeist, Ideenreichtum und Mut zu neuen Wegen mit den Pkw- und Van-Kollegen“, sagte Gräble. „Ich freue mich, dass wir den historischen Nutzfahrzeugen in unseren Truck- und Bus-Werken ein neues Zuhause geben können. Die Zeitzeugen auf Rädern stehen für die 125-jährige Geschichte von Daimler Truck und werden künftig in direkter Nachbarschaft zur Fertigung unserer Zukunftsprodukte untergebracht sein.“

Ein eigenes Lkw-Museum in Wörth wäre zwar ein charmanter Gedanke, ist aber laut Ulrich Kilian, Leiter Werkskundendienst Mercedes-Lkw und firmeninterner Oldtimer-Experte, nicht geplant. „Wir machen uns aber Gedanken, wie sich Depot, Archiv und die bestehende Oldtimer-Ausstellung im Kundencenter sinnvoll kombinieren lassen.“

Die Aufteilung des Firmenerbes

Insgesamt umfasst die Sammlung laut Daimler Truck AG rund 130 Fahrzeuge, von denen sich bislang rund 30 in Stuttgart und Umgebung befanden. Zur Kollektion gehören außerdem Aggregate, Teile und Zubehör. Das älteste Sammlungsstück ist ein original Daimler-Motorlastwagen aus dem Jahr 1898. Ein weiteres Highlight ist der Nachbau des ersten Daimler-Motorlastwagens aus dem Jahr 1896. Das schnellste Exponat ist ein Atego-Racetruck, Baujahr 2000, mit 1.500 PS und einer maximalen Geschwindigkeit von 200 Stundenkilometern. Über Exponate von den Anfängen des Nutzfahrzeugbaus hinaus befinden sich auch verschiedene Zukunftsstudien in der Sammlung.

Das Archivmaterial hat an seinen bisherigen Lagerstätten über 160 Quadratmeter Lagerfläche, verteilt auf mehr als 2.000 Regal-Meter über mehrere Ebenen, an Raum eingenommen. Dazu zählen 2.600 Filmrollen und 600 Magnetbänder mit über 1.000 Stunden an historischem Bewegtbild.

Bisher wurden die sogenannten Classic-Fahrzeuge sowie das Archiv der Daimler AG zentral in Stuttgart betreut. Nach der Unternehmensaufspaltung verbleiben dort das analoge Konzernarchiv zu übergeordneten, unternehmensweiten Themen, die bis zur Aufspaltung reichen, sowie das Pkw- und Van-Archiv. Das Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart-Untertürkheim bleibt weiterhin auch für Lkw und Busse der primäre für jeden zugängliche Ort der gemeinsamen Unternehmensgeschichte.

Die Lkw- und Bus-Exponate waren bislang an vier Hauptstandorten untergebracht: Im Mercedes-Benz-Museum, im Lkw-Werk Wörth sowie in zwei Lagerhallen bei Wörth und Stuttgart. Darüber hinaus befinden sich Lkw- und Busse an verschiedenen Standorten des Unternehmens sowie als Leihgaben zu Ausstellungszwecken in internationalen Museen.

Auch in Zukunft können Daimler-Mitarbeiter von Lkw und Bus sowie Pkw und Van, Interessierte, Historiker und Pressevertreter das Angebot des digitalen Archivs nutzen. Die digitalen Bestände zur Unternehmensgeschichte, die übergeordneter Natur sind oder nicht eindeutig der einen oder anderen Gesellschaft zugeordnet werden können, sollen über beide Gesellschaften verfügbar sein.

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