Cleaner Scania-Supertruck

Mr. Hot Rod

Foto: Otto Miedl 10 Bilder

Ein kleiner Vogel, der Zigarre raucht, lieferte die Idee für den polnischen Supertruck. Der Lkw ist der Star von Repinski Transport.

Es gibt auch in Polen oder anderen osteuropäischen Ländern einige Verrückte, die vom Truckvirus befallen sind. Das sollte bei allen Misstönen in der Transportbranche nicht in Vergessenheit geraten. Besonders die Jungs von Repinski Transport aus Koscierzyna im Norden Polens haben in der Vergangenheit bereits einige schöne Fahrzeuge auf die Beine gestellt. Keines kann es aber auch nur annähernd mit dem aktuellen Aushängeschild des Transportunternehmens aufnehmen.

Umbauten ziehen sich von Januar bis Juli

Zuerst hatten Jarek Repinski und seine Mannschaft geplant, die neue Scania-Sattelzugmaschine 2011 auf dem großen polnischen Truckfestival in Opole zu präsentieren. Dieses Vorhaben musste aber mangels Zeit bald ad acta gelegt werden. So konnte die damals noch schneeweiße Zugmaschine zwar schon mit einigen Feinheiten wie beispielsweise der hochgezogenen Auspuffanlage aufwarten, ansonsten wies aber noch nicht viel auf das spätere Endresultat hin. Nur eine knappe Ankündigung hinter der Windschutzscheibe ließ für das nächste Jahr auf mehr hoffen. Letztendlich sollten sich die folgenden Umbauten dann sogar von Januar bis Juli 2012 hinziehen.

Speditionschef Jarek Repinski wollte bei der Gestaltung keinesfalls den Weg der meisten Lkw-Tuner und -Besitzer einschlagen und sich irgendein Filmthema zum Inhalt nehmen. Der Scania sollte ein völlig eigenständiges Fahrzeug werden.

Mit Flammenlackierung und gecleanten Elementen

Es fiel schließlich der Entschluss, den Scania in eine Art Hot Rod nach amerikanischem Vorbild zu verwandeln, selbstverständlich samt Flammenlackierung, extravaganten Karosserieabwandlungen und "gecleanten" Elementen. So blieben beispielsweise zwar die Typen- und Motorbezeichnungen an der Front erhalten, der große Scania-Schriftzug unter der Windschutzscheibe musste allerdings weichen.

Schuld war Mr. Horsepower

"Mr. Horsepower" war schuld an dem Projekt: Der grimmig dreinblickende und meist Zigarren rauchende Vogel mit den roten Haaren ist das berühmte Cartoon-Maskottchen und gleichzeitig auch die Karikatur des legendären Hot-Rod-Gurus Clay Smith. Mr. Horsepower (bitte nicht mit dem viel smarteren, aber auch uncooleren Specht „Woody Woodpecker“ verwechseln, der ganz und gar nicht im Motorsport zu Hause ist) hat sich auf den Kopfstützen des Scania ­niedergelassen.

Seine bekannte Darstellungsform mit den schwarz-weiß-karierten Zielflaggen im Hintergrund hat sich vom Innenraum über die gesamte Sattelzugmaschine ausgebreitet. Das Dach des Scania überzieht dieses Karomuster. Und hinter dem Fahrerhaus läuft es über die Rückwand, die Chassisabdeckung bis zur eigens angefertigten Heckstoßstange. Noch eine Sache hat der Scania mit seinen amerikanischen Idolen gemeinsam: Wie die meisten Hot Rods entstand auch der Lkw hauptsächlich in der eigenen Schrauberwerkstatt am Firmensitz in Koscierzyna.

Startnummer 78 ist Chefsache

Was von der Außenhaut übrig blieb, versah Lackierkünstler Lukasz Polak mit einer aufwendigen Wisch- und Tupftechnik. Nur die Front erinnert noch ganz in Weiß an die ehemalige Farbgebung. Das Transportunternehmen Repinski feierte 2014 bereits das 25-jährige Bestehen. Derzeit sind mehr als 50 Fahrzeuge im Einsatz. Die Startnummer "78" ist Chefsache. Sie steht stellvertretend für das Geburtsjahr von Speditionschef Jarek Repinski.

Nach der Fertigstellung ging die Mannschaft mit dem Scania die nächsten eineinhalb Jahre auf große Tour. Vor allem Grzegorz Stalke, der ständige Fahrer der 560 PS starken Sattelzugmaschine, war 2012 und 2013 so gut wie auf jedem großen europäischen Truckfestival anzutreffen.

Der Hot Rod transportiert Äpfel, Zwiebeln und Getreide

Und was macht der Hot Rod im Alltag?  Überhaupt nichts Spektakuläres: Grzegorz Stalke ist mit seinem Scania international unterwegs. Mit einem dreiachsigen Kipp­auflieger transportiert er in erster Linie Äpfel, Zwiebeln und Getreide.

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