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Bei Maßnahmen und Unternehmensberichte

Nachholbedarf bei Nachhaltigkeit

Ecology logistics concept. Foto: malp/Adobe Stock

Transport- und Logistikunternehmen müssen mehr Nachhaltigkeit üben und ihre Aktivitäten transparenter und messbarer darstellen, so die Aussage der Wirtschafts- und Unternehmensberatung KPMG.

„Das Thema Nachhaltigkeit, etwa in Form der Sustainable Development Goals, ist unmittelbar relevant für die Unternehmen der Transport- und Logistikbranche“, sagt David Klein, Global Sector Executive for Transport & Leisure bei KPMG. Nach Angaben des Beraters treffen alle Bereiche der Sustainable Development Goals (siehe Kasten) – Klimaschutz, soziale sowie regulatorische Maßnahmen – auch auf die Branchenunternehmen zu.

Kein Rahmenwerk für Emissionssenkungen

Problematisch für die Erfassung und Darstellung sei aber, dass die Branche für sich noch kein einheitliches Rahmenwerk habe, sodass Unternehmen ihre Entwicklungen in puncto Emissionswerte oder Prozesse nicht messen und nicht berichten könnten. „Es ist eine sehr große Herausforderung, den kleinsten gemeinsamen Nenner für die Branche zu finden.“

Foto: KPMG
David Klein, Global Sector Executive for Transport & Leisure bei KPMG.

Dabei liegen diverse Maßnahmen auf der Hand. Im Rahmen des Klimaschutzes etwa die Emissionsreduzierung durch Tourenoptimierungen, alternative Antriebe oder andere Verkehrsträger auf der Hauptstrecke. Auch die letzte Meile ist für neue Maßnahmen geeignet, wobei das Thema auch die Souveränität von Städten und Kommunen betrifft, die beispielsweise durch Dieselfahrverbote und Zufahrtsbeschränkungen regulativ eingreifen.

CO2-Ziele für den Landverkehr

Das werde nicht der einzige Eingriff bleiben, sind sich die Experten sicher. „Die maritime Wirtschaft hat sich bereits verpflichtet, in den nächsten fünf Jahren die Schwefelemissionen um 80 Prozent zu reduzieren. Ein ähnliches regulatorisches Ökosystem ist auch im Landtransport denkbar“, sagt Dr. Steffen Wagner, KPMG-Partner, der die globalen Aktivitäten im Bereich Transport & Leisure leitet. So könnte die Branche etwa verpflichtet werden, die Antriebstechnologien zu wechseln oder bestehende Kapazitäten besser zu nutzen, beispielsweise durch Senkung des Leerfahrtenanteils. Auch die soziale Komponente sei bedeutend für die Branche, vor allem im Hinblick auf den Arbeitsmarkt. Der Fachkräftemangel, das Thema Sozialdumping und auch der demografische Wandel seien hier die wichtigsten Themen.

Keine Nachhaltigkeit ohne Investitionen

David Klein machte im Gespräch mit trans aktuell deutlich, warum das Thema grüne Logistik für Branchenunternehmen nicht länger nur ein Lippenbekenntnis sein darf: „Wer nachhaltig und zukunftsfähig bleiben und werden will, sollte investieren – in Prozesse, in Fahrzeuge und in Systeme. Dabei lässt sich nicht einfach ein Schalter umlegen. Eine Flottenerneuerung ist ein organischer Prozess, der teilweise über Jahre geht. Die Unternehmer sollten also vermeiden, erst dann Assets zu kaufen, wenn es bereits zu spät ist.“ Denn Investitionen brauchen laut dem Logistikexperten einen gewissen Reifegrad, damit sie überhaupt funktionieren.

Kooperationen und Fahrzeugpools schaffen

Foto: KPMG
Dr. Steffen Wagner, Head of Transport & Leisure bei KPMG.

Für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) geht es laut Steffen Wagner gegebenenfalls auch darum, wie solche Investitionen zu meistern sind. „Warum sich nicht in Kooperationen zusammentun und Pools schaffen, bei denen jeder auf gewisse Fahrzeuge zurückgreifen kann?“ Das wäre laut Wagner eine gute Möglichkeit, den Anfang zu machen.

Für Großkonzerne gibt es solche Probleme nicht. Für sie sei es hingegen wichtig, die Nachhaltigkeitsmaßnahmen in ihren Jahres- oder Nachhaltigkeitsberichten festzuhalten, damit neben Kunden und Mitarbeitern auch Investoren – sprich: der Kapitalmarkt – sich ein Bild von der Strategie und der Zukunftsfähigkeit machen könnten.

Druck von Verladerseite

„KMU bekommen ihr Geld meist von der Hausbank, da spielt das noch keine große Rolle. Aber viele KMU arbeiten als Subunternehmer für Großkonzerne, die wiederum weitaus mehr unter Druck stehen und diesen Druck auch weitergeben“, sagt Wagner. „Von daher werden die KMU die Anforderungen von der Verladerseite auch vermehrt bei Ausschreibungen zu spüren bekommen.“ Das veränderte Kundenbedürfnis bedeute, dass in der Logistik auch nachhaltige Transparenz wichtiger geworden sei. „Deshalb ist es wichtig, dass in der Unternehmenskommunikation auch bei KMU diese Ziele als Mehrwert für den Konsumenten und den Kunden hinterlegt sind“, ergänzt Klein.

Sinnvoll ist es nach Angaben der beiden Berater auch, im Unternehmen einen Ansprechpartner auszuwählen, der sich mit dem Thema Nachhaltigkeit befasst und den Überblick über die einzelnen Themen behält, sei es über die Emissionsreduzierungen oder auch den nachhaltigen Einkauf.

Solange allgemeine Standards noch nicht greifbar seien, könne diese Person auch in Anlehnung an die Vorgehensweise von relevanten Großkonzernen entsprechende Kennzahlen zusammentragen und so über Jahre eine Entwicklung aufzeigen.

Auslastung als Kennzahl

„Wichtig ist, dass bei den Kennzahlen eine Abkehr von den reinen CO2-Kennzahlen erfolgt, denn damit machen es sich die Unternehmen oftmals sehr einfach“, sagt Klein. Wichtig seien demnach auch die kapazitäre Auslastung und damit die Frage, wie oft die Flotte stillstehe und nichts verdiene. Es gebe etwa Dienstleister am Markt, die keine eigenen Fahrzeuge hätten, sondern freie Kapazitäten anderer Unternehmen nutzten.

Weitere Kennzahlen bei der Bewertung von Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen können laut Klein die Grey-Energy-Kosten, also zusätzliche Kosten und der CO2-Fußabdruck aus allen anderen Unternehmensprozessen, sein. „Natürlich können außerdem auch die üblichen Finanzkennzahlen eingesetzt werden. Aber Unternehmen agieren zunehmend nicht nur aufgrund der Kennzahlen, sondern auch aufgrund der Überzeugung.“ Vor allem bei größeren Unternehmen spiele dann auch das Thema Kompensation eine Rolle, weil sich letztlich nicht alle CO2-Emissionen im Unternehmen restlos eliminieren ließen. „Wichtige Kriterien sind dafür dann, wie zuverlässig, wie vertrauenswürdig und transparent die Maßnahmen sind.“

Sustainable Development Goals

  • Die UN-Mitgliedsstaaten haben 2015 auf einem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung 17 Ziele vereinbart, zu deren Umsetzung die Länder regelmäßig berichten sollen
  • Die Themenkomplexe sind Gesundheit, Armut und Ernährung, Energie, Klima, Wasser, Bildung, wirtschaftliches Wachstum, Ungleichheit und soziale Inklusion, Gleichstellung der Geschlechter, Gerechtigkeit, Regierungsführung, menschenwürdige Arbeit, Frieden, saubere Energie, Landökosysteme, Ozeane, Meere und Meeresressourcen
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