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Arbeiten für Deutschland-Takt angelaufen

Leichter Umstieg auf die Schiene

Foto: Matthias Rathmann

Die Vorarbeiten für den Deutschland-Takt haben begonnen. Die Grünen und die Allianz pro Schiene sehen erhebliche Vorteile für den Güterverkehr.

Züge fahren planmäßig – im Personen- wie im Güterverkehr. Gäste wie Güter haben Anschluss und müssen nicht lange am Personen- oder Güterbahnhof warten. Und es gibt ausreichend Trassen und Kapazitäten, um deutlich mehr Passagiere und Sendungen auf der Schiene zu befördern. Ein Weihnachtswunsch? Zugegeben ein großer Wunsch, aber keiner, der unerfüllt bleiben soll. In einem gemeinsamen Kraftakt wollen Politik und der Bahn nahe stehende Organisationen das Ganze auf den Weg bringen. Der Deutschland-Takt, von dem die Rede ist, gilt als eine der wichtigsten Weichenstellungen zur Aufwertung und Stärkung des Schienenverkehrs überhaupt.

Flege: erste verkehrspolitische Vision seit der Bahnrefom

Entsprechend hohe Priorität genießt das Großprojekt bei Parteien aller Couleur und entsprechend hoch sind die Erwartungen. „Mit dem Entwurf des Deutschland-Taktes hat das Bundesverkehrsministerium erstmals seit der Bahnreform eine verkehrspolitische Vision vorgelegt“, sagt Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, gegenüber der Fachzeitschrift trans aktuell. Auch wenn noch viele Fragen – besonders mit Blick auf den Schienengüterverkehr – geklärt werden müssten, würden die Güterbahnen doch erheblich profitieren. „Ein planvoller, an der Kapazität des Schienennetzes ausgerichteter Ansatz bringt Vorteile für alle Verkehrsarten auf der Schiene“, sagt er. Denn genau das soll der Deutschland-Takt leisten: zuerst „fahrplanscharf den Bedarf analysieren“, wie Flege es nennt und auf dieser Basis die Schienen-Ausbauprojekte konzipieren und priorisieren mit dem Ziel, Engpässe zu beseitigen und schnelle Anschlüsse zu ermöglichen.

Gastel: Deutschland-Takt ist echter Paradigmenwechsel

Der Deutschland-Takt sei in vielfacher Hinsicht ein echter Paradigmenwechsel, heben auch die Grünen hervor. „Wir bauen nicht mehr zuerst Großprojekte und fragen uns hinterher, was wir damit anfangen können, sondern haben zuerst den Fahrplan und schauen als zweites, welche Infrastruktur wir dafür brauchen“, erläutert Matthias Gastel, Sprecher für Bahnpolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, im Gespräch mit trans aktuell.

Für die Grünen steht und fällt mit dem Deutschland-Takt die Zukunft des Schienengüterverkehrs in Deutschland. „Er dümpelt auf einem katastrophal niedrigen Niveau vor sich hin“, sagt Gastel. „Wenn die Politik nicht interveniert, verliert die Schiene weiter massiv an Boden“, warnt er. Die Malaise des Verkehrsträgers macht der Abgeordnete unter anderem an der hohen Unpünktlichkeit sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr fest. Hinzu komme: „Das Schienennetz in Deutschland ist sehr lückenhaft und in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt“, sagt der 47-Jährige, der den Wahlkreis Nürtingen/Filder in Baden-Württemberg vertritt, und führt als Beispiele Langsamfahrstellen und Gewichtsbeschränkungen beim Überfahren von Brücken an.

Zukunftsbündnis Schiene soll Weichen stellen

Noch aber stehen die Arbeiten für das Großprojekt ganz am Anfang. In der vorigen Legislaturperiode hatte eine Machbarkeitsstudie die positiven Effekte des Projekts aufgezeigt, nun soll es an die Umsetzung gehen. Ein wichtiger Schritt war dabei die Gründung des Zukunftsbündnisses Schiene Anfang Oktober. Das Bündnis, dem Unternehmen aus der Bahnwirtschaft und Verbände angehören, wird in den nächsten Jahren – Name ist Programm – Zukunftsthemen für die Schiene anpacken. An erster Stelle steht die Einführung des Deutschland-Takts.

Doch wie genau soll nun mit dem Deutschland-Takt das gelingen, woran viele andere Initiativen und Akteure in den vergangenen Jahren gescheitert sind – nämlich Personen- und Güterverkehre pünktlicher und zuverlässiger, mitunter sogar schneller und damit attraktiver zu machen? Das Erfolgsrezept sehen alle Beteiligten in einem abgestimmten, vertakteten Fahrplan, der Nah- und Fernverkehr zusammenführt und ideale Anschlüsse ermöglicht. Einen vergleichbaren Ansatz hat es bisher in Deutschland auf Bundesebene nicht gegeben.

Gastel: Keiner kann mehr anderen den Takt klauen

Für den Personenverkehr heißt das: Auf den Hauptachsen soll alle 30 Minuten ein Zug fahren. Außerdem soll sich – nicht zuletzt dank der vielen Bauprojekte – auf vielen Achsen die Reisezeit reduzieren. Stuttgart–Hamburg soll in 4:27 statt in 5:10 Stunden vonstattengehen, Berlin–Düsseldorf in 3:34 statt in 4:14 Stunden. Und was hat nun der Güterverkehr davon? „Er soll in Form von fest zugewiesenen Gütertrassen von einer höheren Verlässlichkeit profitieren“, sagt Grünen-Bahnexperte Gastel. „Es kann also keiner mehr kurzfristig eine Trasse anmelden und dem anderen den Takt klauen.“

Steht der Deutschland-Takt – 2030 ist geplant, eine Umsetzung 2035 bis 2040 realistischer –, dürfte sich die verladende Wirtschaft mit Güterverkehren auf der Schiene deutlich leichter tun. Ist der alternative Verkehrsträger erst attraktiv genug – weil er pünktlich ist und genügend Kapazitäten hat – muss er es aber auch noch preislich mit der Straße aufnehmen können. Doch auch das hat die Politik im Blick, indem sie die Trassenpreise bereits fürs laufende zweite Halbjahr 2018 um 175 Millionen Euro gesenkt hat. Das soll auch bei den Kunden zu positiven Preiseffekten führen.

Bei der einmaligen Senkung soll es aber nicht bleiben: In den kommenden Jahren soll die Schienenmaut jährlich um 350 Millionen Euro halbiert werden. 2023 soll das Ganze aber auslaufen – zum Leidwesen der Grünen. Sie fordern die Trassenpreise langfristig auf niedrigem Niveau zu halten. „Der Schienengüterverkehr ist hochkomplex“, argumentiert Matthias Gastel. „Wer sich darauf einstellt, muss seine gesamte Organisation und sein Logistikkonzept umstellen. Das geht nur, wenn man langfristig planen kann.“ Gerade angesichts der niedrigen Renditen in der Branche bräuchten Unternehmen Planungssicherheit, wenn sie entsprechende Investitionen – etwa in Anschlussgleise oder Terminals – tätigten.

Ziele des Deutschland-Takts

  • Infrastrukturplanung ergibt sich aus dem Zielfahrplan
  • Ausreichend Trassenkapazitäten für den Güterverkehr
  • Fahrpläne von Nah- und Fernverkehr sind aufeinander abgestimmt
  • Kürzere Reisezeiten durch abgestimmte Anschlüsse

Ziele des Zukunftsbündnisses Schiene

  • Deutschland-Takt einführen
  • Kapazitäten erhöhen
  • Wettbewerbsfähigkeit stärken
  • Lärmemissionen senken
  • Digitalisierung und Automatisierung vorantreiben

Das am 9. Oktober gegründete Zukunftsbündnis Schiene hat 28 Mitglieder (Industrie, Eisenbahnen, Verbände), die Leitung liegt beim Parlamentarischen Staatssekretär im BMVI, Enak Ferlemann. Auch die Arbeiten am Masterplan Schienengüterverkehr und die Abstimmungen zum Runden Tisch Schienengüterverkehr sind in das Zukunftsbündnis eingebunden.

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Jan Bergrath, Experte für Fahrerthemen Jan Bergrath Journalist
Harry Binhammer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Harry Binhammer Fachanwalt für Arbeitsrecht
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