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70er Jahre

Ein Banker auf dem Bock

Ein Banker auf dem Bock, Spedition, Sattler, Mercedes, LP, 338 Foto: Dirk Theis 5 Bilder

Dirk Theis ist in den 70er-Jahren Lkw gefahren: glückliche Zeiten, kaum Kontrollen, viele Stunden und guter Verdienst.

10.07.2014 Dirk Theis

Mein alter Herr war mit Faun-Lastzügen und später auch mit Mercedes-Benz LP 338 unterwegs. Die Essenz aus seinem Berufsleben lässt sich mit drei Sätzen zusammenfassen: "Als Kraftfahrer bist du nur ein Hilfsarbeiter mit Führerschein und als solcher wirst du von deinen Mitmenschen gesehen. Du stehst immer mit einem Bein im Gefängnis und mit dem anderen im Grab. Sobald du in das Führerhaus einsteigst, hast du schon gegen ein Gesetz verstoßen."

Fernfahrer statt Banker

Das hat mich nicht abgeschreckt. Obwohl ich eigentlich Bankkaufmann gelernt habe, besaß ich dennoch den Lkw-Führerschein, dank Bundeswehr. Ich habe dann in der Freizeit Baustoffe gefahren, im Jahr 1975 meinen Beruf als Bankkaufmann sogar für gut vier Jahre an den Nagel gehängt und einen 38-Tonner im nationalen und internationalen Fernverkehr chauffiert.

Herrliche Zeiten, Polizei und BAG kontrollierten die Tachoscheiben und die "Lügenbücher" so gut wie gar nicht. Ich wurde in den vier Jahren nur einmal herausgewunken und dann interessierte auch nur die Tachoscheibe des laufenden Tages. Die Überwachung und Ahndung der Übertretungen haben sich in den letzten 20 bis 30 Jahren radikal geändert. Ich besitze noch ein paar Tachoscheiben, für die jeder inzwischen  Führerschein, Punkte und Geldstrafe riskieren würde. Heute müssen sich die Fahrer mit einem engen Zeitplan zurechtfinden, der auch die Parkplatzsuche zum reinen Stress werden lässt. Und die Politik glaubt, dass sie den Fahrern mit diesen Regelungen etwas Gutes tut. Meine Arbeitszeiten betrugen damals zwischen 300 und 350 Stunden im Monat. Wir Fahrer haben wirklich gut verdient.

Gründung eines Betriebsrats scheitert

Wer heute allerdings nur jammert, kommt nicht weit. Viel mehr Fahrer müssten sich in der Gewerkschaft organisieren, in legitimierten Fahrerorganisationen, aber auch in eigener Verantwortung ihre Rechte durchsetzen. Bei meinem damaligen Versuch, einen Betriebsrat zu gründen, bin ich kläglich gescheitert. Weil sich niemand beim Chef in ein schlechtes Licht rücken wollte. Auch mir hat er mal gesagt: "Es stehen genug andere vor dem Tor, die auf deine Stelle warten."  Aber wenn wir Fahrer unsere Arbeit ordentlich oder besser machen, passiert eigentlich nichts. Es sei denn, der Chef ist dumm.

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