Großraum-Offroader Ford Transit 8 Bilder Zoom

Ford Transit 4x4 2.2 TDCi: Großraum-Offroader mit Allradantrieb

Ford bietet den Transit auch mit vier angetriebenen Rädern an. Wir haben den Kraxler mit dem kleinen 125-PS-Motor unter die Lupe genommen.

Wer größere Lasten in entlegene Winkel der Erde bringen will, kommt an einem Allrad-Transporter nicht vorbei. Deshalb hat Ford auch dem aktuellen Transit vier angetriebene Räder, auf Wunsch auch permanent, an die Hand gegeben. Allzu entlegen sollte das Reiseziel zwar naturgemäß nicht sein, nicht zuletzt wegen der relativ langen Überhänge – Gift für ausladende Böschungswinkel – und des hohen Schwerpunkts.
Bei der von uns getesteten Transit-Variante mit 125 PS (92 kW) kommt noch ein weiterer Faktor hinzu. Schon unbeladen wirkt die Maschine des Transporters an größeren Steigungen im Gelände überfordert und verlangt entweder nach Drehzahl oder einem ständig regelnden Kupplungsfuß. Letzterer produziert recht schnell üble Gerüche. Etwas mehr Leistung, wie sie beispielsweise das Aggregat mit 155 PS böte, wäre wünschenswert.

Keine Blöße gibt sich der Antrieb hingegen auf einer feuchten Wiese mit moderatem Anstieg. Hier kommt der permanente Allrad ins Spiel. Ein Druck auf die Taste links neben dem Kombiinstrument aktiviert ihn und legt der Allrad-Automatik einen Maulkorb um. Normalerweise entscheidet die Elektronik, ob zusätzlich die Vorderräder angetrieben werden sollen oder nicht. Auf Gras bedeutet dies erst einmal etwas Schlupf und unansehnliche Furchen.

Bedienungsanleitung warnt mit "ungewöhnlichem Fahrverhalten"

Beim "echten", also nach Knopfdruck permanenten Allrad stampft der Transit sofort und ohne Murren voran. Allerdings schaltet sich im selben Schritt auch die Traktionskontrolle ab. Ford warnt in der Bedienungsanleitung deshalb vor einem "ungewöhnlichen Fahrverhalten" auf der Straße. Eine Warnmeldung erscheint beim Tastendruck auch im Fahrzeugdisplay. Zunächst informiert es den Lenker, dass der permanente Allrad aktiv ist, und dann, dass ASR (Schlupfregelung) inaktiv ist. Ford nennt seinen Permanent-4x4 etwas irreführend "AWD-Sperre". Eine hemdsärmelige mechanische Differenzialsperre hat der Transit indes nicht an Bord. Dennoch dürften sich besonders Energieunternehmen oder kommunale Dienstleister für den Transit als Allrad-Kastenwagen interessieren. Zudem kostet unser Testwagen netto rund 42.500 Euro und bietet sich so als günstige Alternative beispielsweise zum Mercedes Sprinter an.

Der günstige Preis schlägt sich allerdings auch auf die Ausstattung und den Gesamteindruck nieder. Zwar hat das getestete Fahrzeug Sitzheizung, Park-Piepser, Rückfahrkamera und viele weitere Extras an Bord. Doch hier und da mangelt es an der Ausführung und auch oftmals an der Ergonomie. Der Schalter für die Sitzheizung beispielsweise versteckt sich an der Stirnseite des Sitzes weit abseits des Blickfelds. Das ist allerdings nicht so tragisch. Hat man ihn einmal gefunden, bietet er Fahrer und Beifahrer – nicht dem Fahrgast auf dem Mittelsitz – ohnehin nur zwei Möglichkeiten. Entweder heizt die Sitzheizung maximal oder gar nicht. Eine Stufenregelung, wie sie beispielsweise die Konkurrenz verbaut, bietet Ford nicht an.

Reflektierende Scheinwerfer sorgen für Verwirrung

Die Park-Piepser haben die Unart, auch dann lautstark auf Hindernisse vor dem Transporter hinzuweisen, wenn der Rückwärtsgang eingelegt ist. Etwas irritierend ist auch der Effekt, den das Fenster zwischen Fahrerkabine und Laderaum bei Dunkelheit zeigt. Dort und wiederum im Innenspiegel reflektieren die Scheinwerfer entgegenkommender Fahrzeuge. Dies sorgt während der Fahrt immer wieder für Verwirrung. Eine Entspiegelung oder ein anderes Material könnten hier Abhilfe schaffen.

Weniger belastend für die Augen als für die Ohren ist das Triebwerk des Testwagens. Die einhellige Meinung von Fahrern und Mitfahrern: "Unheimlich laut." Autobahnetappen mit Geschwindigkeiten um die 100 km/h sind akustisch kein Zuckerschlecken. Dies liegt aber nicht am leeren Resonanzraum hinter der Kabine. Das schreiende Dröhnen kommt von vorn. Doch der Motor ist auch durstig. Die Werksangabe von 9,7 Litern verfehlt der Ford Transit 4x4. Stattdessen stehen beim gemittelten Testverbrauch gut elf Liter auf der Uhr. Die Verbrauchsrunde absolviert der Kandidat mit 10,77 Liter Diesel pro 100 Kilometer. Das mag auch an der Verbindung aus kleinem Dieselaggregat und kräftezehrendem Allradantrieb liegen, ist aber nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich hat sich der hochbockige Transporter auf einer Autobahnetappe zwischen Stuttgart und München dank seiner großen Stirnfläche mit fast zwölf Litern den größten Schluck genehmigt.

Lauter Basis-Motor, der viel Benzin schluckt

In der Ausstattungslinie Trend hat der Transit aber einige Extras serienmäßig an Bord, die man zu diesem Preis weniger vermutet, angefangen beim beinahe handschuhweichen Lederlenkrad über das Abbiegelicht bis zu Klimaanlage und Tempomat. Zwar nicht serienmäßig, dafür aber umso hilfreicher ist die Rückfahrkamera im Innenspiegel. Die Auflösung des Displays geht in Ordnung, wenn auch der Kontrast etwas schärfer sein dürfte. Die Routenführung folgt sklavisch dem Lenkeinschlag des Fahrzeugs und macht den sanften Riesen auch im Rückwärtsgang auf engen Höfen leicht beherrschbar. Direkt vor dem Kombiinstrument wartet Ford mit einer weiteren cleveren Lösung auf. Unter einer Klappe verbergen sich Anschlüsse für AUX-in, USB und eine zusätzliche Steckdose für 24 Volt. Zwischen den Sitzen bietet unser Testwagen gar eine 230-Volt-Dose. Fazit: Der Basis-Motor ist zu laut und etwas durstig. Wir empfehlen den stärkeren Motor. Damit tritt der Transit 4x4 dann aber als potenter Softroader mit großem Transportraum an.

Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 05/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
Ford Transit Custom

Autor

Foto

Markus Bauer

Datum

20. April 2015
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