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Wiedervereinigung auf Hamburgisch: Der Freihafen ist Geschichte

Mehr als 120 Jahre lang gehörte der Freihafen zu Hamburg wie Michel und Reeperbahn. Doch die ehrwürdige Institution passt nicht mehr in die Zeit offener EU-Grenzen und elektronischer Datenverarbeitung.

Am 1. Januar verliert Hamburg seinen Freihafen - und ist darüber erleichtert. «Ein veraltetes Zollregime, das wie der Freihafen auf Schlagbäume angewiesen ist, kann die wachsenden Warenbewegungen nicht abwickeln», sagt Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos). «Für den Verkehrsfluss im Hafen verspreche ich mir einen großen Gewinn.» Der Hafen soll schneller und effektiver werden.

Mehr als 1600 Hektar, fast ein Viertel des riesigen Hamburger Hafengebietes, waren bislang zollrechtlich Ausland. Die Unternehmen im Freihafen mussten auf eingeführte Güter keine Steuern und Zölle bezahlen. Sie konnten die Waren lagern, bearbeiten und wieder ausführen. Das war im 19. Jahrhundert ein kostbares Privileg, das sich die Hamburger hart erkämpften, als Ausgleich für die Eingliederung ins deutsche Zollgebiet.

Ab den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts entstand die Speicherstadt als damals modernster Lagerhauskomplex der Welt. Ein ganzer Stadtteil wurde dafür geopfert, mehr als 18 000 Menschen mussten umziehen. In den Speichern lagerten Gewürze, Tee, Kaffee, Teppiche und anderen Kolonialwaren. Heute ist die Speicherstadt Anziehungspunkt für Touristen. Ein Teil der Speicher wird immer noch zur Lagerung von Waren genutzt, andere beherbergen Museen, Büros oder Ateliers. Schon seit zehn Jahren gibt es keine Zollkontrollen mehr an den Brücken zur Innenstadt; die Speicherstadt wurde für den Bau der Hafen-City aus dem Freihafen herausgenommen. Mit dem Wegfall des Freihafens wird Hamburg endgültig zollrechtlich wiedervereinigt. Der Zollzaun ist schon weitgehend abgebaut.

Bislang mussten immer noch 500 Zollbeamte an neun Zollstationen bei jeder Ladung und jedem Container überprüfen, ob die Ware ordnungsgemäß deklariert ist. Das verursachte einen enormen Aufwand an zusätzlichen Lkw-Fahrten, Staus und Verzögerungen. Künftig geht das alles viel moderner. Die Zollkontrolle wird nun verlagert auf die Containerterminals und automatisiert. Die Containerbrücken sind direkt mit dem Zoll verbunden. Vereinfacht gesagt: Wenn ein Container von einem Schiff gehoben wird, geht eine Meldung an den Zoll. Innerhalb einer Minute bekommt der Importeur einen Steuerbescheid und kann die Ware in die EU einführen. Die HHLA, der größte Hamburger Hafenkonzern, hat mehrere Millionen Euro investiert, um sich auf die neue Zollabfertigung vorzubereiten.

Auch nach dem Ende des Freihafens wird es in Hamburg Zolllager geben, in denen Waren lagern, die nicht in die EU eingeführt werden. Sie müssen aber nicht mehr getrennt sein von Importgütern. Rund 120 Firmen im bisherigen Freihafen lagern Güter, führen sie ein und aus oder verarbeiten sie. Die Firmen hatten zwei Jahre Zeit sich auf die neuen Anforderungen einzustellen.

Um Schmuggler machen sich Zoll und Wirtschaft keine zusätzlichen Sorgen. «Es ist eine Illusion, anzunehmen, dass ein Zollzaun mit kontrollierten Grenzübergängen eine erhöhte Sicherheit zur Vermeidung betrügerischer Aktivitäten darstellt», heißt es bei der Wirtschaftsbehörde. «Heute gelangt kein Container mehr unregistriert in einen europäischen Hafen.» Die Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen würden jedoch künftig die redlichen Teilnehmer am Wirtschaftsverkehr viel weniger stören.

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HHM/Lindner

Datum

3. Januar 2013
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