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Transport-Management-Systeme: So finden Sie die richtige Lösung

Wie alle Produkte sind Transport-Management-Systeme einem Lebenszyklus unterworfen. trans aktuell zeigt, wo welche Lösung steht und für wen sich welche Software eignet.

Wer vor der Wahl eines Transport-Management-Systems (TMS) steht, hat buchstäblich die Qual der Wahl. Das hat die TMS-Übersicht gezeigt (siehe auch www.eurotransport.de/tms). Dabei dreht sich die Entscheidung nach wie vor darum, was welches System kann. Erschwerend hinzu kommt die Frage, wie zukunftsfähig die einzelnen Lösungen sind.

Um es gleich vorwegzunehmen: Allein die Einordnung eines TMS-Produkts in ­einen der Quadranten ist noch nicht kaufentscheidend. Auch ist nicht unbedingt gesagt, dass eine Lösung wirklich alle ­Phasen eines Produkt-Lebenszyklusses durchläuft. "Das auf SAP basierende Best4Log-X von Arvato und Weber Data Service hat etwa interne Konkurrenz bekommen. So ist SAP dabei, die eigene Lösung TM nun auch für Logistikdienstleister zu optimieren", berichtet Rainer Hoppe, Geschäftsführer des IT-Beratungsunternehmens Apari Consulting, das sich auf die Logistik spezialisiert hat.

Die SAP-Branchenlösung von Arvato habe "gleich den Sprung vom Fragezeichen zur Melkkuh gemacht", erklärt Hoppe. Schließlich setzen sie gleich mehrere bekannte Logistiker ein – unter anderem Greiwing aus Greven und die Spedition Schwarz aus Herbrechtingen. Wohl aufgrund der Nachfrage hat sich SAP dazu entschlossen, die ­eigene Lösung TM entsprechend aufzubohren. "Das wiederum bedeutet für Best4Log-X eine ernst zu nehmende Konkurrenz", ist der Apari-Chef überzeugt. "Da besteht durchaus die Gefahr, gleich wieder in der Bedeutungs­losigkeit zu verschwinden." Wobei Hoppe einräumt, dass derartige Prognosen natürlich immer schwierig seien.

Offensichtlich ist hingegen die Zweiteilung der TMS. Im Quadranten der Fragezeichen finden sich die eher jüngeren Programme wieder. Diese zeichnen sich zwar durch eine hohe Innovationskraft aus – haben im Gegenzug aber meist nur wenige Installationen und Referenzkunden vorzuweisen. "Diese Lösungen weisen meist eine moderne Systemarchitektur auf und bauen auf eine eher prozess­orientierte Unterstützung der Logistik", erklärt Hoppe.

Ein Beispiel hierfür ist die AX Cargosuite von Anaxco. Diese baut auf der ERP-Lösung von Microsoft auf und ist auf Sammelguttransporte in Logistik-Netzwerken, internationale Teil- und Komplettladungsverkehre sowie Warehouse-Management spezialisiert. Eine Software, die etwa bei Hartmann International oder bei Schmidt-Gevelsberg zum Einsatz kommt. Wer sich hierfür entscheidet, muss sich allerdings im Klaren darüber sein, dass man sich mehr als nur ein einfaches TMS ins Haus holt. "Um die Vorteile einer ERP-Lösung auszunutzen, muss der Logistiker seine Prozesse hinterfragen und auch neu aufsetzen", berichtet Hoppe. Schließlich bleibe es nicht nur bei einer Transportabwicklung. Vielmehr hole man sich damit auch ein CRM-Modul für die Kundenpflege, eine Finanzbuchhaltung und vieles mehr ins Haus.

Arbeitsabläufe spielen eine wichtige Rolle

Dabei spielen auch die Arbeitsabläufe eine wichtige Rolle. Als Beispiel nennt Hoppe die sogenannte E-Akte. Dort finden sich alle Informationen zu ­einem Auftrag elektronisch. "So lässt sich der Suchaufwand im Tagesgeschäft minimieren."

Doch wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. So sind endgültige Aussagen über die Stabilität einiger Lösungen nicht möglich. Außerdem ist die Funktionstiefe oft noch nicht so weit wie bei den etablierten Systemen. Für individuelle Kundenwünsche fehlen meist die personellen Ressourcen. "Und niemand weiß, ob es die eine oder andere Lösung in einigen Jahren noch gibt", sagt Hoppe.

Dass sie sich am Markt behaupten, das haben die Lösungen, die als Melkkühe deklariert sind, schon längst unter Beweis gestellt. "Diese Systeme verfügen in der Regel über eine sehr hohe Funktionstiefe und werden sukzessive weiter verbessert", erklärt Hoppe.

Innovationen sind Grenzen gesetzt

Aufgrund der bestehenden Systemarchitektur sind den möglichen Innovationen allerdings Grenzen gesetzt. Wenn es dann etwa an eine Unterstützung der Arbeitsabläufe gehen soll, muss ein Workaround geschaffen werden – also eine Behelfslösung. So arbeitet der TMS-Anbieter ­Active Logistics etwa mit einer Technologie namens DLE (Dynamic Logic Engine). Dabei handelt es sich um ein Werkzeug, das plattformunabhängig ist. Damit können Abläufe außerhalb der eigentlichen Software definiert und gepflegt werden. Denn eine direkte Integration ist aus vorgenannten Gründen nicht möglich.

Allein die Positionierung in einen dieser beiden Quadranten lässt jedoch noch keinen Rückschluss darauf zu, ob ein System empfehlenswert ist – oder auch nicht. "Sicher ist nur, dass ein Wechsel innerhalb eines Quadraten normalerweise nur wenig Sinn macht", erklärt Hoppe.

Die etablierten Systeme eignen sich nach Ansicht von Rainer Hoppe eher für Transportunternehmen, die nur die klassischen administrativen und operativen Prozesse unterstützt haben wollen (Auftragseingang, Disposition, Abwicklung, Service und Abrechnung).

Die Qual der Wahl bleibt

Wer auf einen hohen Automatisierungsgrad setzt und vor größeren Umstrukturierungen nicht zurückschreckt, der ist bei den Newcomern, den Fragezeichen, gut aufgehoben. "Ihre Daseinsberechtigung haben auf jeden Fall sowohl die Question Marks als auch die Cashcows", sagt Hoppe. So oder so – vor der Qual der Wahl steht der Logistiker in jedem Fall.
 

Die BCG-Matrix

Zum Einordnen greifen die Berater von ­Apari auf die sogenannte Portfolio-Analyse der ­Boston Consulting Group (BCG) zurück. Sie teilt die einzelnen Produkte den vier Quadranten der BCG-Matrix zu:

Question Marks (Fragezeichen) sind die Newcomer unter den Produkten. Sie weisen ein hohes Wachstumspotenzial auf, die Produkte haben jedoch nur einen geringen Marktanteil.
Stars haben bereits einen hohen Marktanteil in einem Wachstumsmarkt.
Cashcows (Melkkühe) haben einen hohen Marktanteil, aber in einem nur geringfügig wachsenden oder statischen Markt.

Poor Dogs (Arme Hunde, sprich: Auslaufmodelle) haben ein geringes Marktwachstum, manchmal sogar einen Marktschwund sowie einen geringen Marktanteil.

Portraits

Autor

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Fotolia; Montage: Mannchen

Datum

13. Mai 2014
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Prof. Dr.-Ing. Heinz-Leo Dudek, Experte für Telematik Heinz-Leo Dudek Telematik
Prof. Dr. Dudek ist Studiengangsleiter für das Wirtschaftsingenieurwesen an der DHBW Ravensburg… Profil anzeigen Frage stellen
David Keil, Berater und Projektmanager Logistiksoftware und Telematiksysteme David Keil Berater Logistiksoftware und Telematiksysteme
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