Scania Hell Cat 15 Bilder Zoom

Scania "Hell Cat": Eine richtige Höllenkatze

Auf den ersten Blick sieht der Scania von Rami Tynjälä nach chic lackiertem Lastzug mit Kofferaufbau aus. Der Truck hält aber einige Überraschungen parat.

Rami Tynjälä aus Alajärvi in Finnland ist zwischen Dieselöl und Schmierfett aufgewachsen. Große Laster sind seit jeher ein Bestandteil seines Lebens. Wenn ihm als Kind der elterliche Fuhrbetrieb zu langweilig wurde, musste er nur auf sein Fahrrad klettern und einmal quer über die Straße ins benachbarte Sägewerk „Myllyahon Saha Oy“ radeln.

Dort traf er dann zwar wiederum auf die Fahrzeuge seines Vaters und Großvaters – in dem holzverarbeitenden Betrieb fuhren aber auch noch Radlader und Gabelstapler rum und vor allem gab es dort jede Menge Baumstämme, Schnittholz und Berge von Sägespänen und Hackschnitzeln. Ein perfekter Abenteuerspielplatz für einen kleinen Jungen.

„Ich bin hier aufgewachsen. Das hier ist mein Zuhause!“, bringt es Rami auf den Punkt, als er gerade mit einem großen Volvo-Radlader des Sägewerks seinen neuen Scania belädt. Als Kind verbrachte er unzählige Stunden mit seinem Vater und Großvater in den Gefährten des befreundeten Sägewerksbetreibers.

Scania als gefährliche Großkatze

Heute greift er selbst ins Lenkrad. 1956 gründete Ramis Großvater Unto das Fuhrunternehmen. Die sechs im Betrieb befindlichen Lastzüge rollen größtenteils für das Sägewerk in der Nachbarschaft. Je weiter sich Rami im Laufe der Zeit in die elterliche Firma integrierte, desto mehr veränderte sich auch das Aussehen der Tynjälä-Trucks.

Diese Dynamik ist vor allem Ramis Freundschaft zu Juha Ristimaa, dem Spediteurssohn aus Lapua, zu verdanken. Juha kam vor über 20 Jahren einmal als Handlanger im Schlepptau eines Airbrushers auf den Hof von Familie Tynjälä. Seitdem sind die beiden Kumpels quasi unzertrennlich.

Rami und Juha managen zusammen mit den Spediteuren Mikko Nukala und Ari Nukala sogar die alljährlich stattfindende „Power Truck Show“, Finnlands größte Truckshow und Nutzfahrzeugmesse. Während die Ristimaa-Trucks jedoch meistens durch grelle Farben und viel Zubehör glänzen, fallen die Fahrzeuge von Rami immer etwas schlichter aus. Die Tynjälä-Züge bestehen in der Regel aus einer lackierten Kabine und beklebten Aufbauten.

Für seinen neuen Scania hatte er sich eine kraftvolle und gefährliche Großkatze gewünscht. Herausgekommen sind die feurigen Panther, die der Airbrushkünstler Perttu Papunen aus Parkano im Frühjahr 2011 auf das Fahrerhaus des Scania sprühte. Was den Hängerzug technisch besonders auszeichnet, ist die ausgefeilte und gerade in unseren Breitengraden weniger geläufige Aufbaukonstruktion der Tynjälä-Trucks.

Ladefläche ist auf Knopfdruck zugänglich

Es ist in der Tat beeindruckend, welch findige Ideen und Techniken die Transportbranche oder vielmehr die jeweiligen Aufgabengebiete zum Vorschein bringen können. So wartet der 730 PS starke Lastzug mit einem ausgeklügelten Klapp- und Kippmechanismus auf, der die Einsatzfähigkeit des 25,25 Meter langen Gefährts um einiges zu vergrößern und zu erweitern weiß.

Ramis Lastzug besitzt Lipe-Aufbauten, welche der finnische Spezialist „Konepaja Antti Ranta Oy“ aus Ylämylly fertigt. Bei diesem System ergeben sich für den Fahrer insgesamt drei verschiedene hydraulische Bedienmöglichkeiten: das Öffnen und Schließen des Planendaches, das Öffnen und Schließen der fahrerseitigen Bordwand, wobei die Bordwand auch komplett bis über Dachhöhe hinaus hochgefahren werden kann, und noch das seitliche Kippen des kompletten Aufbaus nach links.

Ein Vorteil dieser Konstruktion ist, dass auf Knopfdruck in Sekundenschnelle die Ladefläche über ihre gesamte Breite hinweg zum Be- und Entladen offen zugänglich ist. Alle Aktionen kann Rami vom Fahrerhaus aus und auch außerhalb der Kabine mittels einer Fernbedienung steuern.

Die Konstruktion als Wetterschutz-Pavillon bei Truckfestivals

Die Aufbauten an Truck und Trailer verfügen jeweils über die gleichen Funktionen. Ein ganz „normaler“ Zugang zum Laderaum über die Hecktüren ist ebenfalls noch vorhanden. Auf diese Weise kann Rami sowohl lose und rieselfähige Güter wie Sägespäne, Hackschnitzel, Rindenmulch, Torf und Holzpellets transportieren als auch alle Arten der vom Sägewerk produzierten Schnitthölzer wie Bretter, Kanthölzer, Balken.

Bei Bedarf lässt sich sogar eine Rungenkonstruktion in den Aufbauten verankern, um den Abtransport von Kurzholz aus den finnischen Wäldern zu bewerkstelligen. Die letzte Einsatzmöglichkeit hat sich aber dann doch rein zufällig ergeben.

Auch wenn die Lipe-Entwickler diese Idee sicher nicht direkt vor Augen hatten: Mit ein paar zusätzlichen Anbauten und behelfsmäßigen Abdeckungen dient die einfallsreiche Konstruktion mit ihrem weit ausladenden Dach und der hochfahrbaren Seitenwand auch ganz hervorragend als Wetterschutz-Pavillon bei den Truckfestivals!

In der Print-Ausgabe von „FERNFAHRER Supertrucks 2012“ gibt es noch viel mehr heiße Lkw zu sehen. Das Sonderheft könnt ihr in unserem Online-Shop bestellen .

Autor

Foto

Otto Miedl

Datum

16. April 2013
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