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Profiwissen Einschlafwarner: Hallo Wach!

Müdigkeit am Steuer ist eine der häufigsten Unfallursachen im Güterverkehr auf der Straße. Ein Lkw, der auf der Autobahn mit Tempo 85 fährt, legt in zwei Sekunden 50 Meter zurück. Nickt der Fahrer nur zwei Sekunden ein, bewegt sich sein Fahrzeug also 50 Meter im Blindflug über die Straße.

Jeder vierte Unfall auf der Autobahn ist laut Statistik auf Übermüdung zurückzuführen. Alkohol verursacht etwa jeden zweiten Unfall.

Driver Attention System

Driver Alert Support (DAS) nennt sich ein sensorbasiertes Assistenzsystem, mit dem Volvo nun das Problem angehen will. DAS erfasst Symptome von Müdigkeit und reagiert darauf mit einem optischen und akustischen Signal. Driver Attention System heißt ein entsprechender Einschlafwarner von Siemens VDO. Das System kann Anzeichen von Konzentrationsschwäche und Übermüdung erkennen und den Fahrer auf eine drohende Gefahr aufmerksam machen. Dafür wird für den Einschlafwarner im Cockpit eine kaum wahrnehmbare Infrarot-Digitalkamera integriert. Eine Software wertet deren Aufnahmen in Echtzeit aus. Sie ermittelt dabei Blickrichtung sowie Zahl und Dauer der Lidschläge, ob der Fahrer wach und aufmerksam ist. Registriert die Elektronik Anzeichen eines drohenden Sekundenschlafs, macht das System den Fahrer in mehreren Stufen auf das Risiko aufmerksam: Bei mangelnder Aufmerksamkeit wird die Konzentration zunächst durch eine Sitzvibration wieder auf das Verkehrsgeschehen gelenkt. Registriert die Kamera dann noch eine gefährliche Müdigkeit, ertönt zusätzlich ein ansteigender Signalton. Der Einschlafwarner gibt damit das entscheidende letzte Signal für den Fahrer, nun sofort eine längere Erholungspause einzulegen.

Ein ähnliches System hat Mercedes mit dem sogenannten Attention Assist entwickelt. Es gewinnt seine Infos aus dem spezifischen Fahrverhalten, die durch Faktoren wie Tageszeit, Fahrdauer oder Bedieneingriffe ergänzt werden. Die notwendigen Bezugsgrößen haben die Entwickler gewonnen, indem sie die Hirnstromaktivitäten von Testfahrern bei Ermüdung und Schläfrigkeit analysierten und das Ergebnis mit ihrem aktuellen Fahrverhalten und den Lenkbewegungen verglichen.

Eine Studie mit Testschläfern in der Globetrotter-Kabine

Wissenschaftlich untersucht haben Mercedes und Volvo in diesem Zusammenhang auch die körperlichen und psychischen Belastungen beim Übernachten im Fahrerhaus direkt neben der Autobahn. In Schweden initiierte Volvo eine zwei Nächte dauernde Studie mit Testschläfern in der Globetrotter-Kabine einer FH16-Zugmaschine – einmal in ruhiger Umgebung und einmal an einem stark frequentierten Rasthof. Auch Mercedes wollte genau wissen, wie aufmerksam oder leistungsfähig Fahrer nach einer Übernachtung an der Autobahn sind. Zusammen mit dem schlafmedizinischen Zentrum der Universität Regensburg untersuchten die Schwaben, wie sich Störungen des Schlafs durch Geräusche und nächtlichen Verkehrslärm an der Autobahn auf die Fahrer tagsüber auswirken. Ein Actros  MP2 1860 wurde dafür kurzerhand zum rollenden Schlaflabor umgerüstet.

Ergebnis der Studien: Die Schlafumgebung beeinflusst Leistungsfähigkeit und Wachheitsgrad der Fahrer während der Arbeit. „Die heutigen Bestimmungen zu Lenk- und Ruhezeiten für Lkw-Fahrer können die Sicherheit nur erhöhen, wenn die gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit wirklich eine ausreichende Entspannung bietet“, sagt Carl Johan Almqvist, Leiter Verkehrs- und Produktsicherheit bei Volvo Trucks.

Volvo und Mercedes gestalten den Schlafbereich ihrer Fernfahrerhäuser daher so, dass den Fahrern erholsamer Schlaf möglich ist. Die Betten in der Kabine des Volvo FH 16 beispielsweise sind einstellbar, Matratzen in verschiedenen Härtegraden erhältlich und es kann entsprechend den Vorlieben des Fahrers zwischen diversen Matratzenauflagen gewählt werden.

Andreas Wolf lastauto omnibus

Autor

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Andreas Wolf

Datum

27. März 2012
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