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MAN TGX: So vermeidet man Bedienfehler

Das rund 450 Seiten starke Handbuch zum TGX ist MAN gut gelungen. Auch Profis können noch einiges daraus lernen.

Auf die Frage, was MAN-Fahrer ohne Blick in die Betriebsanleitung häufig falsch machen, muss Fahrertrainer Willibald Pfeffer vom MAN Profidrive gar nicht lange überlegen: „Das fängt schon beim Starten an. Nach Einschalten der Zündung sollte man drei, vier Sekunden warten, bis die Fahrzeugrechner hochgefahren sind und alle Kontrollleuchten ausgehen. Beim Anlassen darf auch kein Gas gegeben werden. Falls doch, erscheint im Display die Fehlermeldung „Kein Leergas!“. Ist absehbar, dass ein Stopp länger als eine Minute dauert, sollte auch rechtzeitig der Gang rausgenommen werden – und zwar bei der Handschaltung genauso wie bei der Tipmatic. Ansonsten wird das Ausrücklager auf Dauer überlastet, was zu einem höheren Verschleiß führt.“

Aber auch beim generellen Umgang mit der Schaltung kann sich Pfeffer manchmal nur noch wundern. „Zusätzlich zu den Hinweisen in der Betriebsanleitung haben wir extra noch einen Aufkleber an der Windschutzscheibe: Anfahren in der Ebene in Zwei klein, an Steigungen in Eins klein. Trotzdem gibt es immer wieder in kürzester Zeit erheblichen Verschleiß an der Kupplung.“

Manche fahren im achten Gang an

Was viele nicht wissen: Die Anfahrvorgänge werden im Fahrzeugrechner gespeichert. Pfeffer nennt ein jüngstes Extrembeispiel: „Da haben wir nach kurzer Einsatzzeit ausgelesen: Rund 300 Anfahrvorgänge im zweiten Gang, 6.000 im dritten, 5.000 im vierten und sogar noch 16 Anfahrversuche im achten! Es gibt Fahrer, die fahren generell nur in der großen Gruppe, zum Beispiel mit geringeren Gewichten. Wenn dann nach 2.000 bis 5.000 Kilometern die Kupplung hinüber ist, ist auf dem Kulanzweg wirklich nichts mehr zu machen.“

Auch im Fahrbetrieb gibt es mit Handschaltung mitunter Klärungsbedarf: „Wie hoch man in bestimmten Fahrsituationen drehen darf, muss oder soll, ist in der Betriebsanleitung klar beschrieben. Vor allem, wenn Gänge übersprungen werden, drehen viele Fahrer oft nicht hoch genug und landen dann bei 700 Umdrehungen oder noch weniger. Wir empfehlen übrigens generell, die Drehzahl nicht unter 900 Umdrehungen fallen zu lassen.“

Tempolimiter spart Sprit

Die effektive Nutzung der Geschwindigkeitsregelung ist ebenfalls ein Dauerthema. „Viele Fahrer setzen zwar den Tempomaten ein, aber mit dem Tempolimiter wissen nach wie vor nur wenige etwas anzufangen. Dabei ist das eine sehr komfortable und auch wirtschaftliche Sache. Selbst wenn der Fahrer versehentlich zu viel Gas gibt, hält die Elektronik das gesetzte Tempo auf spritsparende Weise oder geht im Gefälle auf Nullförderung. In der Stadt kann man sich so auch viel besser auf den Verkehr konzentrieren, ohne den Tacho im Auge behalten zu müssen. Mit dem richtigen Einsatz vom Tempomaten auf der Autobahn und dem Begrenzer bei Überlandfahrten erzielen wir bei Schulungen zum wirtschaftlichen Fahren regelmäßig die besten
Resultate.“

Sprit sparen lässt sich auch beim bewussten Umgang mit der Klimaanlage: „Die Anlage sollte im Modus ‚AC Eco‘ betrieben werden, in dem der Kompressor nur bedarfsgerecht läuft. Der Dauerbetrieb ist nur für Ausnahmesituationen gedacht. Etwa, um beim Einfahren in einen Tunnel das Beschlagen der Scheiben zu verhindern oder um bei aufgeheiztem Innenraum schnell die heiße Luft aus dem Auto zu bekommen: Da heißt es, kurz Dauerbetrieb auf AC und Fenster auf. Sobald die Temperatur erträglich ist, aber wieder auf AC Eco stellen, die Fenster schließen und auch geschlossen lassen.“ Vielleicht hilft der Ansporn, derart Sprit zu sparen, ja einigen auch mit dem Rauchen aufzuhören …

Berganfahrhilfe zu selten genutzt

Was weitere elektronische Helfer anbelangt, wird nach den Erfahrungen des MAN-Profis auch die komfortable Berganfahrhilfe „Easy Start“ viel zu wenig genutzt. Das System wird auf Knopfdruck aktiviert und hält beim Anfahren an einer Steigung beim Wechsel vom Brems- auf das Gaspedal zirka zwei Sekunden den Bremsdruck aufrecht, um ein Rückrollen zu verhindern. Im Gegensatz dazu wird die Brakematic allzu oft abgeschaltet, was aber nur in Ausnahmesituationen, etwa bei Glätte, getan werden sollte. Denn mit aktivierter Brakematic sind Retarder und Motorbremse beim Tritt auf das Bremspedal vorgeschaltet, was den Bremsbelägen zu erheblich längerer Lebensdauer verhilft.

Apropos Lebensdauer: Die kann ohne Studium der Betriebsanleitung bei der Frontklappe schon beim ersten Kippen der Kabine jäh beendet sein. Denn, so Pfeffer: „Beim F2000 und beim TGA musste man vorm Kippen die Frontklappe nicht öffnen. Beim TGX dagegen schon: Da ist sie etwas länger und wird sonst zerdrückt.“

Scheibenwischerintervall lässt manchen Fahrer verzweifeln

Große Rätsel geben mitunter auch Kleinigkeiten wie das Scheibenwischerintervall auf: Mit zweimaligen Betätigen innerhalb einer Minute wird das Intervall auf bis zu 60 Sekunden gestreckt. „Da haben Fahrer schon einen Defekt reklamiert, dabei haben sie nur versehentlich das Intervall verstellt.“

Nicht nur in diesem Fall empfiehlt Pfeffer, einzelne Punkte immer mal wieder im Handbuch gezielt nachzulesen. Das ist übrigens eine erfreulich leichte Übung: Das Handbuch zum TGX erfüllt mit einem ausführlichen Stichwortverzeichnis und ebenso ausführlichen Begriffserklärungen eine echte Vorbildfunktion.

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31. Oktober 2011
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