ETT in Oschersleben 6 Bilder Zoom

Europa Truck Trial: Vierter Lauf in Gröningen/Oschersleben

Zwei Rückkehrer auf die Siegerstraße und zwei Überraschungen – so lässt sich das Ergebnis des vierten Laufs zum diesjährigen Europa Truck Trial in Gröningen bei Oschersleben zusammenfassen.

Das tolle Off Road-Gelände mit einem noch schöneren (Bade-)See lud wieder die schweren Kaliber ein und 25 Teams kamen auf das topografisch sehr markante Areal, das formal zur nahen Motorsportarena Oschersleben gehört. Macht die künstliche Topografie mit ihren gewaltigen Aufschüttungen den speziellen Reiz dieses Geländesport-Paradieses aus, so kann sie auch ganz schnell zum Fluch werden. Nämlich immer dann, wenn es regnet. Dann werden die Steilhänge und Schrägfahrten rasch zur unkalkulierbaren Rutschbahn. Klar, dass am ersten August-Wochenende die Blicke immer wieder Richtung Himmel gingen. Schließlich wusste man aus Erfahrungen in früheren Jahren um die glitschige Spezialität in Gröningen.

Der regen am späten Samstag hatte eine gute Seite: er band den Staub, den das ansonsten hochsommerliche Wetter produzierte. Anders am Sonntagnachmittag, als ein heftiger Schauer das eine oder andere Team zum vorzeitigen Ende bewog. Mit Folgen für die Wertung.

Falsch gepokert

Eines der vorzeitig abreisenden Teams war das des siegverwöhnten Rekord-Trialers Udo Heidenreich. Was der Coburger nicht ahnte, als er mit seinem Zug Richtung Frankenland rollte war, dass der Regen nicht nachhaltig war. Es wurde munter weiter getrialt und am Ende hatte das tschechische Avia Team mit Bohumir Cap am Volant bei den Zweiachsern die nicht vorhandenen Nase knapp aber deutlich vor Landsmann Kabourek und dem französischen Team Mogli (beide Unimog).

Für Team Heidenreich blieb nur der ungewohnte achte Platz und die Erkenntnis, dass der Titelsammlung in diesem Jahr wohl keine weitere Trial-Krone hinzugefügt werden wird. Denn wegen seines Starts (und Siegs) bei der Breslau-Rallye hatte Heidenreich schon auf den Lauf zuvor in Limberg (Österreich) und die entsprechenden Meisterschaftspunkte verzichtet. In der Tabelle führt jetzt Vaclav Kabourek deutlich vor dem Team Avia und den Moglis.

Eine Achse mehr – eine Überraschung mehr

Einen Achse mehr unter dem Chassis und die nächste Überraschung: Ron van Gemeren, 2014 nach einer einjährigen Pause mit seinem spektakulär-schönen Magirus-Oldie wieder zurück im Trial-Zirkus, hatte die körperlichen Schmerzen über die massiv zerbeulte Tür in Montalieu gerade überwunden, da lockte ein Laufsieg in Gröningen. Denn diesmal waren es die Mitfavoriten in der Dreisachserklasse vom Team Zebra-Zil, die plötzlich und unverhofft Opfer der Erdanziehungskräfte wurden und nach vorne schräg in eine tiefe Grube kippten.

Am Ende trennten gerade mal 58 Strafpunkte die beiden Führenden. Wenn das Wörtchen wenn nicht wär... So aber waren die Trial-Götter mit dem "fliegenden Holländer" vorne. Schade, dass Ron mit seinem "Wheels over the World"-Team die Läufe in Österreich und Tschechien ausgelassen hat. Wenn halt das Wörtchen wenn... das mag auch dem Top-Favoriten und Titelverteidiger Jan Borzym durch den Thüringer Dickschädel gegangen sein: "Hätte ich mich am Samstag nicht in diesem blöden Loch festgerammelt..." Futsch waren die Siegchancen. Nur Platz drei für die Ural-Crew aus Crossen. Und weil auch Jan Borzym als Mitglied im Team Niedergesäß die Breslau "gerallyet" hat, fehlt dem Team ein Lauf. Damit auch nur Platz drei in der aktuellen Meisterschaftstabelle hinter den beiden Zil-Teams aus Österreich. Allerdings mit einem Abstand, der locker noch aufzuholen ist.

Schmale Kost in der Königsklasse

Nur zwei Starter bei den Vierachsern – das ist mager und so mancher Fan am Sektionsrand zeigte sich enttäuscht, dass sich der Kampf in der großen Klasse auf ein Duell zwischen Titelverteidiger Schoch und Vizemeister Alex Budde reduzierte, was gutem Sport aber keinen Abbruch tat. Am Ende war die alte Reihenfolge auch die neue und Schoch siegte mit deutlichem Vorsprung. Die Scharte vom Vorlauf war damit ausgewetzt und die Führung in der Meisterschaft zurückerobert.

Klassischer Zweikampf auch bei den Prototypen. Die Duellanten stammen beide aus Österreich: Team Young & Funky (Geschwister Funke) vs. KVK Racing Team (Karl Vavrik). Hatte mit Ausnahme des Auftaktsiegs von Funke danach stets Vavrik die Hydraulik besser unter Druck, ging der Sieg in Gröningen wieder an die Funke-Geschwister. Und zwar eindeutig. Grund war ein spektakulärer Abflug des KVK-Krabblers. Die "Funkies" können damit die Meisterschaft offen und spannend halten.

Ende August steigt in Crailsheim mit dem nächsten Trial auch die große Jubelparty zum 25-jährigen Wiegenfest des Europa Truck Trial. Dazu lädt Veranstalter OVS alle ein, die sich im letzten Vierteljahrhundert dem Trialsport mit dem XXL-Gerät verbunden fühlten – egal ob als Aktive, Fans oder als Teil der Organisation. Das wäre auch ein passender Rahmen, die ersten Meister des Jubeljahres zu küren. Die letzte Chance, Ergebnisse zu korrigieren, besteht dann eine Woche später im Rahmenprogramm der Fachmesse "Steinexpo" in Hessen.

Autor

Foto

Jürgen Funke

Datum

8. August 2014
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