Stefan Kölbl, Vorstandsvorsitzender von DEKRA Zoom

Dekra Bilanz: Mit Sicherheit wachsen

Dekra will weltweit wachsen und prüft weitere Zukäufe. Voriges Jahr rückten erneut zehn Unternehmen unter das Dach des Konzerns.

Die Sachverständigenorganisation Dekra ist im vergangenen Jahr noch größer und internationaler geworden. Der Umsatz stieg um 6,8 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro, das operative Ergebnis um 10,5 Prozent auf 162,7 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter kletterte weltweit um rund 4.300 auf fast 32.600. "2013 war ein insgesamt gutes Jahr", sagte der Vorstandsvorsitzende Stefan Kölbl am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Stuttgart. "Wir hatten Wachstum auf breiter Front."

Wachstum bei Automotive, Industrial und Personnel

Alle drei Geschäftsbereiche – Automotive, Industrial und Personnel – hätten dazu beigetragen, ergänzte sein für Finanzen, Personal und IT verantwortlicher Vorstandskollege Roland Gerdon.

Gewachsen ist Dekra erneut sowohl aus eigener Kraft als auch durch Firmenübernahmen. Insgesamt zehn Unternehmen rückten im vorigen Jahr unter das Dach des Konzerns. Sieben davon haben ihren Sitz im Ausland. Ein besonderer Coup bildete innerhalb der Automotive-Sparte die Übernahme der führenden neuseeländischen Prüforganisation Vehicle Testing New Zealand (NTNZ). "Mit VTNZ haben wir auf einen Schlag 800 Mitarbeiter, 80 Prüfstationen und 50 Millionen Euro Umsatz dazu gewonnen", erklärte Kölbl.

Die Übernahme ist vor allem strategisch wichtig: Neuseeland diene für Dekra als Brücke in die Schwellenländer, um Dienstleistungen rund ums Thema Sicherheit auch dorthin vermarkten zu können. Denn gerade Asien hat der Konzern neben Nordamerika als die für sich relevante Wachstumsregion definiert.

China im Fokus

Einer der großen Wachstumsmärkte ist dabei China: In Schanghai baute der Industrial-Bereich Prozesssicherheit voriges Jahr ein Labor auf. Dort prüfen Dekra Mitarbeiter die Brennbarkeit und Explosionseigenschaften von Stäuben, Pulvern, Flüssigkeiten und Gasen. Und für dieses Jahr stehe eine weitere Labor-Eröffnung in Hongkong an, kündigte Kölbl an.

Nordamerika sei ebenfalls strategisch wichtig. Das Unternehmen geht davon aus, dass der Jahresumsatz von aktuell 57 Millionen Euro in den USA auf bald 100 Millionen Euro gesteigert werden kann. Dieses Ziel sei in Sicht.

Neun Millionen Fahrzeuge geprüft

Doch auch in Deutschland sieht das Dekra Management noch erhebliches Potenzial – auch im klassischen Automobilgeschäft. Erstmals seien in Deutschland 2013 mehr als neun Millionen Fahrzeuge geprüft worden. Rund ein Drittel davon entfällt auf Dekra. Viel verspricht sich das Unternehmen ferner von einem im brandenburgischen Klettwitz in Betrieb genommenen Prüfstand. Mit ihm ließen sich Assistenzsysteme zum Schutz von Fußgängern bereits in der Entwicklungsphase testen. Die Nachfrage nach solchen vernetzten Systemen wird nach Kölbls Überzeugung rasant steigen. Der Vorstandschef verwies auf eine Studie der Beratungsgesellschaft Price-Waterhouse-Coopers (PWC), wonach sich der Umsatz dafür bis 2020 auf 110 Milliarden Euro mehr als verzehnfachen wird.

Assistenzsysteme helfen die Zahl der Toten und Verletzten zu senken

Abseits von wirtschaftlichen Überlegungen bringen solche Systeme auch einen handfesten Nutzen, um die Zahl der Toten und Verletzten auf den Straßen weiter zu reduzieren. "Der größte Hebel, um die Verkehrssicherheit weiter zu erhöhen, sind Fahrerassistenzsysteme", bekräftigte Dekra-Vorstandsmitglied Clemens Klinke.

Die meisten Lkw-Unfälle seien auf Auffahren oder Abkommen von der Spur zurückzuführen. Für beide Fälle gäbe es Assistenzsysteme, um vorzubeugen. "Wenn man diese Systeme nutzt, sind Unfälle ausgeschlossen." Gerade auch Systeme zum Fußgängerschutz hätten ein erhebliches Potenzial. Immerhin jeder fünfte Verkehrstote in der EU ist nach Dekra Zahlen ein Fußgänger.

Überhaupt sei das Schaffen von Sicherheit für Dekra seit jeher die Kernkompetenz, sagte Kölbl – das sei der satzungsgemäße Auftrag aus dem Jahr 1925. Und um die Welt in Sicherheit zu bringen, will Dekra auch weiterhin wachsen, bewusst auch durch Akquisitionen. "Wir führen sehr konkrete Gespräche im Ausland", berichtete Kölbl. Näheres könne er aber noch nicht verraten. In den vergangenen Jahren habe Dekra jeweils zwischen sechs bis zehn Firmen erworben, sagte er. Doch auch, wenn das Geld dafür zur Verfügung stehe, zahle man nicht jeden Preis. Dekra punkte bei Übernahmeverhandlungen vielmehr mit dem passenden Marktkonzept.

"Wir planen langfristig", sagte der Vorstandschef. "Dekra hat bislang noch keine Akquisition wieder veräußert." Das liegt auch am Aufwand, den das Unternehmen in Sachen Integration betreibt. Voriges Jahr mobilisierte Dekra 137 Millionen Euro für Investitionen – für andere Unternehmen, aber auch, um Abläufe zu standardisieren und die IT-Systeme anzupassen. Die Summe markiert einen bisherigen Rekordwert, sie passt zur Geschäftsentwicklung. Denn auch der Umsatz sei in den vergangenen zehn Jahren von Jahr zu Jahr gewachsen. Entsprechend soll es im laufenden Jahr weitergehen. 

ZULASSUNG FÜR DEKRA RAIL

Wie die Kunden ist auch Dekra inzwischen auf allen Verkehrsträgern unterwegs. Marktchancen sieht das Unternehmen auch auf der Schiene. So hat das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) die Sparte Dekra Rail kürzlich als Designated Body (mit Interims-Funktion) anerkannt. Die Dekra Bahn-Sparte darf damit prüfen, ob die nationalen Anforderungen für Schienenfahrzeuge und Teilsysteme erfüllt sind und diese entsprechend zertifizieren. "Wir sind eines von sieben Unternehmen, das sich auf diesem Gebiet bewegt", sagte Dekra Vorstandsmitglied Ivo Rauh, dem die Geschäftseinheit Industrial untersteht. "Wir haben vor, uns in diesem Bereich noch deutlich zu verstärken", kündigte er an.
 

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

15. Mai 2014
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