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Dauerhaltbarkeit: So testet Ford den Transit Custom

Fahren bis das Blech wegfliegt: Im Entwicklungszentrum im belgischen Lommel unterzieht Ford den neuen Transit Custom in 180 Tagen Belastungen von zehn Einsatzjahren.

Der Transporter rast über eine Kuppe, mindestens drei Räder heben ab, bei der Landung in scharfkantigen, Fußball-großen Schlaglöchern gibt das Fahrwerk ein moribundes Ächzen von sich. "The Torture never stops": Lange vor seiner Markteinführung hat der Ford Transit Custom eine systematische Nonstop-Prüfung unter widrigsten Klima- und Straßenbedingungen durchlaufen, eines der härtesten Testprogramme für neu entwickelte Fahrzeuge auf der Welt.

Auf dem nächsten Streckenabschnitt kracht der Transporter mit Tempo 60 zwanzig Mal in Folge gegen rund 140 Millimeter hohe Betonplatten; das tut weh, auch wenn einem das Fahrzeug nicht selbst gehört. Im nächsten Moment ändert sich die Struktur der Fahrbahnoberfläche. Jetzt beginnt die "Findling-Strecke": Die großen runden Steine setzten dem Fahrwerk schwer zu, die Vibrationen sind so stark, dass das Funkgerät am Armaturenbrett aus seiner Halterung springt. Der Gesundheit des Testfahrers sind solche Prozeduren nicht zuträglich, zumindest wenn sie unzählige Male wiederholt werden. Alle zwei bis drei Stunden werden die Fahrer daher ausgewechselt.

Zehn Jahre werden in sechs Monaten simuliert

Auf dem Testgelände beim Entwicklungszentrum von Ford im belgischen Lommel durchläuft der Transit Custom innerhalb von sechs Monaten unter voller Beladung einen Einsatz, der einem zehnjährigen Alltagsbetrieb oder 240.000 Kilometer entspricht. Jeder Kilometer auf dem Ford-Testgelände ist um ein Hundertfaches strapaziöser als die Belastungen des Transportalltags.

Nach der Findling-Strecke kommt der Feldweg-Test. Klingt nach einem fröhlichen Ausflug in die Natur. Doch auch die mit Eisplatten und Pfützen durchsetzte Schotter-Strecke hat es in sich, vor allem dann, wenn sie in deutlich überhöhter Geschwindigkeit befahren wird. Der Transit Custom muss hier verschiedene Qualitäten beweisen. Nicht zu überhören ist der dabei zwangsläufig einsetzende Steinschlag. Wie Maschinengewehrsalven krachen die Steine gegen Unterboden und Karosserie. Gleichzeitig soll der Ritt über den "Schottersee" zeigen, ob die Sicherheitssysteme wie Traktionskontrolle,  ESP und ABS im richtigen Moment angemessen regeln.

Ford-Mitarbeiter suchen in ganz Europa nach extremen Straßen

Weiter geht  die Folter auf dem Postelweg. Sie entspricht einer Straße in Holland, die inzwischen allerdings längst ausgebaut ist. Auf der Suche nach Strecken, die Fahrzeug und Karosserie extrem strapazieren, sind Ford-Mitarbeiter in ganz Europa unterwegs, fertigen Abdrücke, bauen die Straßen auf dem Testgelände in Lommel eins zu eins nach und füttern gleichzeitig ihre Prüfstände mit den dabei generierten Daten. Damit lässt sich in wenigen Monaten die Beanspruchung eines ganzen Transporterlebens erreichen.

In Achter-Fahrten, bei denen sich Links- und Rechts-Kurven aneinander reihen, einen Monat lang in engem Radius und auf welligen Flächen gefahren, testen die Ford-Ingenieure die Haltbarkeit von Räder, Radlager und Radnaben - wohlgemerkt mit voller Ausladung. Um die Motorbelastbarkeit geht es auf der Schnelllaufbahn, auf der der Transit Custom insgesamt zwei Monate lang seine Bahnen bei Höchstgeschwindigkeit drehen muss. In dieselbe Rubrik fallen Tests auf widrigen Strecken mit voll ausgeladenem Hänger. Den musste sich Ford allerdings selbst bauen: "Die auf dem Markt verfügbaren Anhänger hielten unserer Testprozedur nicht Stand", so Kevin Strutt, Manager Durability-Testing im Ford-Entwicklungszentrum.

Partikelfilter-Test bringt Ruhe ins Geschehen

Nicht immer geht es bei den Haltbarkeitsprüfungen schnell und spektakulär zu. Extrem langsames Rollen ist beispielsweise bei den Tests der Partikelfilter Pflicht. Bei Drehzahlen unter 1.100 U/min. auf ebener Fahrbahnoberfläche beobachten die Ingenieure, ob der Partikelfilter nicht zu kalt bleibt, dadurch nicht mehr regeneriert und sich zusetzt. Die Korrosionsbeständigkeit der Fahrzeugteile prüft Ford mit der Fahrt durch einen Tunnel, in dem Salz-Spray auf das Fahrzeug wirkt, sowie in Salz- und Schlammbädern. Danach wird der Transit Custom 25 Mal in Folge in einer Kammer abgestellt, in der 85 Prozent Luftfeuchtigkeit und 50 Grad Celsius herrschen.

Das Testprozedere auf dem Prüfgelände in Lommel folgt einer ausgeklügelten Regie: "Unser Programm ist gespeist von der Quintessenz aus realen Einsätzen, die wir mit 600 Transit-Custom-Modellen gesammelt haben und die in sieben Ländern weltweit rund zehn Millionen Kilometer bei Kunden abspulten", sagt Valère Swinnen, Manager des Ford-Testgeländes in Lommel. Neben den systematischen Langstreckentests auf dem Versuchsgelände in Belgien, bei denen die Transporter im Zeitraffertempo altern, müssen sie sich ebenso während Testfahrten über unzählige Kilometer bei 40 Grad Celsius in Dubai oder bei minus 40 Grad in Finnland beweisen.

Andreas Wolf lastauto omnibus

Autor

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Andreas Wolf

Datum

27. Februar 2013
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