Thomas Vollmar, Geschäftsführer Carat Zoom

Carat-Gruppe: Daten sind der Schlüssel zum Erfolg

Thomas Vollmar, Geschäftsführer der Carat-Gruppe, spricht über Lkw-Werkstattkonzepte, die Schwierigkeiten des freien Teilehandels und den Teilehandel im Internet.

Worin unterscheiden sich die Carat-Systeme ad-truckdrive und Truck Service – die Profiwerkstatt, Herr Vollmar?

Mit ad-truckdrive haben wir ein internationales System, das bereits in zehn europäischen Ländern vertreten ist. Des Weiteren bietet ad-truck­drive ein Mehr an Leis­tungen im Vergleich zu Truck Service, beispielsweise eine Rahmenvereinbarung mit dem ADAC Truck-Service, eine Zusammenarbeit mit der Santander-Bank über Reparatur- und Zubehörfinanzierung sowie Unterstützung bei der ISO-Zertifizierung. Darüber hinaus ist das Anforderungsprofil an ad-truckdrive-Betriebe höher.

Welche Voraussetzungen muss ein Betrieb erfüllen?

Es muss ein Kfz-Meisterbetrieb oder gleichgestellter Betrieb mit entsprechender Qualifikation sein, der mindestens drei Arbeitsplätze bietet. Der Betrieb muss HU, AU und SP anbieten sowie die Fahrtenschreiber-/Kontrollgeräteprüfung nach Paragraf 57b durchführen können. Ein Muss ist ebenfalls ein Bremsenprüfstand sowie ein Diagnosegerät und alle für vom Systemnehmer angebotenen Dienstleistungen notwendigen Werkzeuge und Einrichtungen.

An welche Kunden richtet sich ad-truckdrive vor allem?

Mit ad-truckdrive sprechen wir leistungsstarke freie Werkstätten und Fabrikats-Servicebetriebe an. Vor allem bei den Fabrikats-Servicebetrieben haben wir die Betriebe im Fokus, die eine Mehrmarken-Zusatzsignalisation wünschen.

Was unterscheidet ad-truckdrive von anderen Werkstattkonzepten?

ad-truckdrive stellt das umfassendste Leistungs-Portfolio zur Verfügung. Mit über 20 Leistungsbausteinen im Bereich Marketing, Schulung, Betriebs­ausstattung, Zertifizierung, Kundenzuführung und so weiter kann der ad-truckdrive-Partner, die für ihn relevanten Leis­tun­gen auswählen. So findet er für sich die richtige Kombination aus Leis­tun­gen, die ihn an seinem Standort nach vorn bringen.

Während der Leistungsmesse in Kassel sagten Sie, dass immer noch versucht wird, den freien Teilehandel zu behindern. Wie äußert sich das?

Bereits heute sind die Daten der Schlüssel zur erfolgreichen Reparatur. Diese Daten benötigen die Werkstätten, um künftig noch Fahrzeuge zu reparieren. Den freien Werkstätten stehen diese Daten nur unvollständig zur Verfügung, zudem mit komplizierten Zugängen oder zu hohen Preisen. Idealerweise sollte auch der freie Teilehandel auf diese Daten günstig zugreifen können, um diese den Werkstätten zur Verfügung stellen zu können. Auch die neue Fahrzeugvernetzung eCall bei Pkw-Neufahrzeugen beinhaltet die Gefahr, den freien Teilehandel einzuschränken.

Warum ist das so?

Durch die daraus gewonnenen Daten erhalten die Fahrzeughersteller die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen auf das Reparatur- und Wartungsverhalten des Fahrers. Es bleibt abzuwarten, ob dieses System genutzt wird, um künftig den Autofahrer darüber zu informieren, wann die nächste Wartung fällig ist und wo die nächste Werkstatt liegt. Und ob hier auch freie Systeme und Teileanbieter Zugriff erhalten und Einfluss nehmen können.

Sie nannten ein Beispiel: In Italien seien Kupplungen bis zu 70 Prozent günstiger zu bekommen als in Deutschland – warum ist das so und was kann dagegen getan werden?

Bei den 70 Prozent handelt es sich um extreme Einzelfallreferenzen und Italien ist nur ein Beispiel von vielen. Hier sind ausschließlich unsere Industriepartner gefragt, die mit großer Sensibilität die unterschiedlichen Kaufkraftlevels, die Originalausrüstung-Preisstrukturen, die Netto-Preissituationen und die eigene Marktanteilssituation unter einen Hut bekommen müssen. Hier geben wir uns nicht der Illusion eines europaweiten Einheitspreises hin. Die Preispolitik der Industrie sollte aber dringend auf einen Korridor mit einer Maximalspreizung von 30 Prozent gebracht werden, dann wäre das Re-Importgeschäft mit den margenvernichtenden Auswirkungen nicht mehr attraktiv.

Im Lkw-Teilehandel kommt es vor allem auf schnelle Verfügbarkeit an. Gewinnt der Internethandel gegenüber dem stationären Handel aufgrund des Preisvorteils dennoch an Bedeutung?

Zwei Punkte schließen sich nahezu gegenseitig aus: schnelle Verfügbarkeit und Preisvorteil. Der stationäre Handel ist in der Lage, die Kunden mehrfach am Tage zu versorgen und investiert hierfür massiv in einen breiten Warenbestand und in reibungslose Logistikprozesse. Dieser Aufwand hat natürlich seinen Preis. Viele Internetanbieter verfügen weder über ein Lager noch über eine funktionierende Logistik und müssen daher in ihrer Kalkulation auch keine entsprechenden Fixkosten abdecken. Sie gehen ausschließlich über den Preis und kaufen die Ware erst, wenn die Internetbestellung vorliegt – ohne Risiko, ohne Kosten und mit einer geringen, aber auskömmlichen Marge. Für dieses Geschäftsmodell wird es immer eine Kundenklientel geben, das klassische Reparatur- und Servicegeschäft ist damit aber nicht zu meistern.

Was ist das größte Problem beim Online-Handel?

Unsere stationären Händler werden in preislicher Hinsicht mit dem Onlinehändler verglichen. Dabei wird jedoch das unterschiedliche Leistungsportfolio zwischen den beiden Vertriebsformen nicht berücksichtigt. Leistungen des klassischen Großhändlers wie mehrfach täglich schnelle Belieferung, Schulungen, Teilekataloge, die über einen höheren Preis mit abgedeckt werden, sind beim Onlinehandel nicht zu finden. Das führt dazu, dass kostspielige Serviceleistungen vom stationären Handel nicht mehr kostenfrei erbracht werden können.

Im vergangenen Jahr hat ­Carat die Zusammenarbeit mit dem ADAC Truck-Service verlängert. Wie wichtig sind Kooperationen mit anderen Anbietern und warum?

Kooperationen sind ein wichtiger Bestandteil für die Kundenzuführung und Dienstleistungserweiterung bei unseren Systempartnern. Für beide Seiten bedeutet eine Kooperation eine Win-Win-Situation. In diesem Fall handelt es sich um Kundenzuführung, Erweiterung der Dienstleistungen bei unseren Partnern, hoch professionelle Abwicklung im Bereich Pannenhilfe und Teilenotdienst für die Kunden.

Wie wird sich der freie Teilemarkt in den nächsten Jahren entwickeln?

Der freie Teilemarkt wird weiter moderat wachsen, jedoch sind satte Margen auch in Zukunft nicht zu erwarten. Es wird immer wichtiger, die Großhandelsunternehmen in ihren Prozessen optimal aufzustellen und somit die Kosten gering zu halten. Parallel ist das perfekte Leistungsportfolio für die Werkstatt in Form von guten Preisen, perfekte Verfügbarkeit, Daten sowie Marketingbausteine eine wichtige Grundlage für das Bestehen am Markt.

Autor

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Carat

Datum

24. Juni 2014
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