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Abenteuer Alaska: Highway to Hell

Dieser Trip ist nichts für schwache Nerven: Unterwegs auf Alaskas legendärer Haul Road. Ein Blick aus der Kabine: menschenleere Wildnis, so weit das Auge reicht.

"Ich bin jetzt im "Rollercoaster", der Achterbahn", teilt Bruce seinen Kollegen über Funkkanal 19 mit, während sein mehr als 30 Tonnen schwerer Lkw mit etwa 100 Sachen die steile unbefestigte Schotterpiste hinunterfährt. Der kleinste Fahrfehler hätte hier katastrophale Folgen, doch Bruce kennt die im Fernfahrerjargon nur "Haul Road" ­genannte Strecke mittlerweile wie seine ­Westentasche und steuert seinen Truck ­gelassen durch die "Achterbahn".

666 Kilometer der Hölle

Die berüchtigte "Haul Road" heißt offiziell "Dalton Highway", führt bis ans Polarmeer im äußersten Norden Alaskas und wird mitunter zu den gefährlichsten Straßen der Welt gezählt. Sie wurde in den 70er-Jahren als Wartungsstraße für die 1.287 Kilometer lange Trans-Alaska-Pipeline gebaut und nach einem Ingenieur benannt. Was auf Karten und Schildern stolz als Highway bezeichnet wird, ist allerdings in weiten Teilen kaum mehr als eine Piste. Diese führt über 666 Kilometer durch die menschenleere Wildnis Alaskas bis ans Polarmeer und überquert dabei den höchsten ganzjährig befahrbaren Pass Alaskas. Im Sommer dominieren hier Schlamm, Schlaglöcher und spritzender Schotter, im Winter vor allem Eis, Schnee, starke Winde und Temperaturen von minus 40 Grad. Doch das sind nur einige der Gründe, warum die Fernfahrer der "Haul Road" vielen als Helden gelten. Als wären die Witterung und die abenteuerliche Beschaffenheit der Straße nicht genug, so machen den Truckern auch die steilen Gefälle von zwölf Prozent und mehr sowie mancher Grizzlybär und Elch das Leben schwer.

Noch vor ein paar Jahren steuerte Bruce seinen eigenen Truck durch die südlichen Bundesstaaten der USA. Doch dann zwangen ihn die Kosten eines längeren Krankenhausaufenthalts zum Verkauf seines Fahrzeuges und alles war plötzlich anders. Jetzt fährt er hier in Alaska, im Hohen Norden der Staaten für ein großes Transportunternehmen, das noch richtig gutes Geld für den nervenzehrenden Job zahlt. Meistens transportiert er Versorgungsgüter für die Ölförderanlagen an der Küste des Eismeeres.

Die Fahrer der "Haul Road" beginnen ihre Fahrt in der Regel in Fairbanks, dem zivilisatorischen Zentrum Zentralalaskas. Der erste Teil der Strecke ist noch asphaltiert, doch spätestens wenn nach einhundert Kilometern der Straßenbelag endet, wird es abenteuerlich. Nach der Überquerung des mächtigen Flusses Yukon wird die Strecke immer bergiger und kurviger und die Gefälle immer anspruchsvoller. Die Straße ist mittlerweile zum Fernsehstar geworden, was neben Touristen in ihren Geländewagen auch immer wieder Abenteurer auf dem Fahrrad oder zu Fuß anzieht. Für diese haben die meisten Trucker allerdings nur ein fast mitleidiges Lächeln übrig. Warum man sich das freiwillig und ohne Bezahlung antut, kann kaum jemand verstehen.

Ständige Anstrengung für Mensch und Maschine

Entlang der Strecke passieren die Fernfahrer neben dem nördlichen Polarkreis auch zwei Orte. Der erste heißt Coldfoot, hat ungefähr 13 Ein­wohner und macht seinem Namen "Kaltfuß" alle Ehre. Hier findet man auch die letzte Tankstelle auf dem Weg nach Norden sowie eine urige Fernfahrer-Kneipe. Hier ist Todd gerade mit der Kontrolle und Reinigung seines Tanklastzuges beschäftigt. "Die "Haul Road" geht an den Lkw nicht spurlos vorbei, was sich neben dem schlammverspritzten Äußeren vor allem an den extremen Wartungskosten zeigt", erzählt er. Fahrwerk, Reifen, Spurstangen, Stoßdämpfer und Filter werden hier aufs Härteste strapaziert, im Sommer im Staub erstickt und im Winter unter Schnee und Eis begraben.

Auch im nächsten Ort namens Wiseman leben nur rund 20 Menschen. Einige Kilometer hinter Wiseman passiert Bruce die letzte verkrüppelte Fichte, die jeder Truckfahrer hier kennt. Kurz dahinter steigt die Straße steil an, windet sich hoch hinauf bis zum Atigun Pass, der es mit seinen 1.444 Meter Höhe ganz schön in sich hat. Wie überall entlang der Strecke wird auch hier im Sommer ständig an der Straße gearbeitet. Doch die Schlaglöcher entstehen schneller, als man sie ausgleichen kann. Im Winter wird die Strecke glatt geschoben, mit Wasser besprüht und an der Oberfläche aufgeraut, um für ausreichende Traktion zu sorgen. Trotz der arktischen Temperaturen zieht Bruce deshalb den Winter vor. Doch wehe dem, der aufgrund einer Panne oder eines Unfalls in der kalten Jahreszeit einmal festsitzt. Bei arktischen Temperaturen von minus 40 Grad kann die Situation schnell unangenehm machen.

Endloses Ödland ohne ein Tropfen Alkohol

Nach Überqueren des Passes ändert sich die Landschaft. Die ausgedehnten Wälder sind verschwunden und der kargen Tundra gewichen, die die Fahrer die letzten ein paar hundert Kilometer bis zum Eismeer begleiten wird. Hier sind es vor allem die starken Winde, die den Fahrern zusetzen. Doch Bruce ist auf diesem Abschnitt der "Haul Road" gerne unterwegs. "Hier kann man meilenweit in die Wildnis schauen", erzählt er. Nach 14 Stunden Fahrt erreicht Bruce endlich Deadhorse, ein paar Kilometer vor der Küste. Hier haben die Transportunternehmen ihren Stützpunkt und auch für Touristen ist hier Schluss. Bis zum Polarmeer kommt man nur mit Spezialgenehmigung, da dort die streng bewachten Ölfelder liegen.

Wer den anstrengenden Ritt hinter sich hat, kann sich allerdings nicht mal auf ein Bier freuen. Deadhorse ist ein "trockener Ort", frei von Alkohol. Unter Truckern gibt es deshalb den Spruch "All that far and still no bar", was so viel wie "so weit weg und immer noch keine Bar" bedeutet. Für Bruce heißt es jetzt erst einmal ab in die Kabine, um ein wenig Erholung zu finden. Der morgige Rückweg ist lang und nicht weniger anstrengend und gefährlich als der Hinweg. Viele Fahrer machen den Trip zweimal pro Woche, manchmal auch dreimal. "Mein Truck fühlt sich dann mehr nach zu Hause an als meine Wohnung in Fairbanks", schmunzelt Bruce. Was viele Menschen wahlweise als höllischen Trip oder eine der großartigsten Fahrten der Welt bezeichnen, ist für Bruce schlicht Alltag. Darum schaut er sich kein zweites Mal um, während es Richtung Süden geht.

Autor

Foto

Christian Martischius

Datum

15. Dezember 2015
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