Sven Speier, Profi im Profil, FF 11/2017. 6 Bilder Zoom
Foto: Jan Bergrath

Schüttgut-Transporte

Juniorchef Sven Speier beliefert Ziegeleien

Juniorchef Sven Speier fährt den jüngsten Kipperzug der kleinen Firma R. Speier aus dem Westerwald: einen stilvoll lackierten S 500. Zweimal pro Woche geht es zu einer Ziegelei in die Schweiz.

Der Fahrer des Radladers in der Tongrube Pfeul von Sibelco Deutschland bei Niederahr braucht nicht lange, um den Kipper von Sven Speier gleichmäßig zu beladen. Fünf Schaufeln je fünf bis sechs Tonnen einer speziell für den Kunden aus der Schweiz geschnetzelten Mischung Ton, dann sind 26 Tonnen Nutzlast in der Regel erreicht. Anschließend kann Sven wieder zurück auf die zentrale Waage des Unternehmens in Moschheim. Doch der Auflieger von Kempf, den Sven heute aufgesattelt hat, ist ein Mietauflieger. Svens eigener ist in Reparatur. "Mal sehen, ob es passt", sagt Sven. Das im Scania angezeigte Gewicht kann er diesmal nicht zurate ziehen. "Aber ich habe lieber etwas weniger Ton dabei als zu viel, wenn ich zur Waage komme."

"Ich habe auf der Tour keine Zeitfenster"

Dort stellt sich heraus, dass knapp eine Tonne fehlt. Kein Problem, denn die Waage gehört zum "Betrieb Petschmorgen" der Sibelco, dort kann Sven ohne große Wartezeit auf den Radlader dieselbe Sorte nachladen. Auch diesmal kein Aufwand: Nur schnell die Dachplane öffnen und nach der Beladung gleich wieder schließen. Alles in allem sind nun seit seiner ersten Ankunft auf der Waage etwa 45 Minuten vergangen. "Meine körperliche Arbeit als Kipperfahrer hält sich zum Glück sehr in Grenzen", sagt er. Der zweite Versuch war ein Volltreffer, nun hat er ein Gesamtgewicht von exakt 40 Tonnen. "Das ist jetzt fast schon zu genau", meint Sven schmunzelnd, "nicht, dass nachher der Zoll an der Grenze in Weil am Rhein noch irgendeinen Haken an der Sache sucht." Es ist ein sonniger Tag, fast wie gemalt. Sven ist ausgeruht, die Nacht hat er daheim verbracht. "Ich habe auf der Tour keine Zeitfenster und keine Wartezeiten bei den Kunden, das ist ideal."

Die Frachtpapiere werden von Sibelco zum Büro des deutschen Zollagenten in Weil übermittelt. "Jetzt sind es rund fünfeinhalb Stunden reine Fahrzeit bis zum Kunden in der Schweiz. Da sollte nichts dazwischenkommen." Den Autohof Kappel-Grafenhausen an der A 5 hat er für seine 45 Minuten Fahrtunterbrechung schon fest in die Route eingeplant. Sven kennt die Strecke in- und auswendig. Im Monat fahren er und ein weiterer Fahrer mit zwei Lkw rund 400 Tonnen Ton im Auftrag der Ziegelei ZZ Wancor nach Laufen in die Schweiz. Insgesamt seit 18 Jahren! In der Nähe laden die Lkw in der Regel noch am selben Tag wieder zurück, etwa Recyclingglas. Das geht nach Wirges im Westerwald. "Wir haben so gut wie keine Leerkilometer", erzählt Sven. Die Unsicherheitsfaktoren auf der Tour: der Verkehr und die Verzollung. Deshalb fährt Sven gelegentlich in der Nacht. "Dann spare ich 30, manchmal sogar 45 Minuten reine Lenkzeit bis nach Bad Bellingen, also kurz vor der Grenze. Denn dort ist die Wartezeit mittlerweile sogar am Nachmittag kaum noch kalkulierbar."

Bereits mit 18 Jahren hat Sven einen eigenen Lkw

Es ist eine ungewöhnliche Geschichte, die Sven unterwegs am Steuer erzählt. Sein Vater Reinhold, mittlerweile 72 Jahre alt, hat das kleine Unternehmen vor bald 50 Jahren gegründet, zunächst mit einem Hanomag als Frachtführer für die einstige Spedition Denkhaus in Koblenz. In den 70er-Jahren begann er schließlich mit dem Transport von Ton, mit MAN und Mercedes-Benz als Zugmaschinen. Vier Fahrzeuge sind es seither, für Sven eine gesunde Größe. "Bis zu seinem 70sten Geburtstag ist mein Vater noch selber gefahren, jetzt macht er zusammen mit meiner Mutter Helga die Planung." Sven hat längst die Sach- und Fachkundeprüfung abgelegt, um das Unternehmen zu leiten; er ist der Juniorchef. "Drei feste Fahrer und ich sind unterwegs. Und das möchte ich noch sehr lange machen – lieber als im Büro zu sitzen und die Fahrzeuge zu disponieren."

Sven hat zunächst Nutzfahrzeug-Mechaniker gelernt, bei Scania in Koblenz, und gleich danach die auf zweieinhalb Jahre verkürzte Ausbildung zum Berufskraftfahrer im eigenen Betrieb absolviert. Gleich mit 18 Jahren hatte er einen festen eigenen Lkw, die Zeit in der Berufsschule konnte er kompakt in die Winterwochen verlegen. "Ich wollte für meine Lehrzeit gern einen Scania haben, und so haben wir zum ersten Mal einen Scania R 420 in den Betrieb geholt. Heute sind es vier, also eine reine Scania-Flotte." Über Facebook, so verrät er nicht ohne Stolz, erreichen ihn immer wieder Bewerbungen für eine freie Fahrerstelle. "Die sehen natürlich in erster Linie die schönen Scania. Aber nicht alle Fahrer, die sich bei uns bewerben, wollen wirklich Kipper fahren. Denn wir haben auch einige Touren im Nahverkehr, und das muss man dann wirklich mögen." Auf vier bis fünf Jahre sind die Lkw geleast. Der neue S 500, den Sven seit Juni 2017 fährt, rollt extrem leise über die A 3 und die A 5. Es sei ein Unterschied wie Tag und Nacht zu seinem Vorgängermodell, einem R 560 V8, erklärt er. "Der Sechszylinder in meinem neuen Scania ist für die Strecke in die Schweiz vollkommen ausreichend."

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Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 11/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Datum

27. Oktober 2017
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