Truckjobs Fahrer von Rundholz-Transporter 12 Bilder Zoom
Foto: Mario P. Rodrigues

Langholztransporte

Kein ungefährlicher Truckjob

Unbefestigte Waldwege, unberechenbare Ladung und viel Feingefühl – Langholztransporte haben es in sich. Mirell Freischläger hat keinen ungefährlichen Job, doch tauschen möchte er nicht.

Dichter Hochnebel liegt über der kleinen Ortschaft Lichtenau. Es ist sieben Uhr in der Früh, nur mühsam kämpft sich das Morgenlicht durch die vom Rhein aufziehenden dichten Schwaden. Es riecht nach frisch geschnittenem Holz und nach Diesel, denn auf dem Gelände des Sägewerks der Firma Kellerholz herrscht bereits reges Treiben. Schon seit einer Stunde nimmt sich die computergesteuerte Industriesäge unter ohrenbetäubendem Lärm einen Baumstamm nach dem anderen vor. Ein Rohstoff, der bei Kellerholz zu Paletten verarbeitet wird. Radlader und Bagger graben sich durch den taunassen Betriebshof, um Baumstämme, Zuschnitte und Rindenmulch auf Zwischenlager oder bereitstehende Lkw zu verteilen. Justus Könecke, verantwortlich für den Rundholzplatz mahnt zur Vorsicht. "Hier auf dem Platz musst du die Augen offen halten".

Besonders bei den großen Radladern müsse man trotz Warnweste aufpassen, berichtet der gut gelaunte Chef auf dem Platz, der sich bei Urlaub- und Krankheitsvertretungen auch gerne mal selbst hinters Steuer klemmt. "Diesen Job kann auch nicht jeder machen", sagt Könecke. Deshalb seien seine Fahrer auch echte Fachkräfte, die sich selbst disponieren und ihre Routen planen. Genau wie Mirell Freischläger, der uns an diesem Frühlingsmorgen mitnehmen wird auf seine Tour durch die unwegsamen Forstgebiete des Pfälzer Walds, nahe der Grenze zum Elsass.

Fingerspitzengefühl und Erfahrung ist gefragt

Als Mirell mit seinem MAN TGS auf den Hof fährt, wird schnell klar, was Könecke unter einer Fachkraft versteht. Nach einem leichtfüßigen Wendemanöver stellt Mirell seinen Langholzzug längs der Abladestelle ab. Das Seitenfenster fährt runter und wir werden mit einem leuchtenden Lächeln und einer akustischen Salve AC/DC begrüßt. "Hey, da seid ihr ja endlich", ruft uns Mirell zu. "Also ich bin schon seit dem Morgengrauen unterwegs. Wenn ihr früher aufgestanden wärt, hättet ihr mich bei meiner ersten Fuhre begleiten können." Von Müdigkeit ist bei Mirell – oder Relly, wie ihn seine Freunde nennen – nichts zu spüren. Doch bevor es auf die zweite Tour an diesem Tag geht, muss Relly seine hölzerne Fracht erst einmal abladen. Hierzu schwingt sich Relly geschickt auf den hinter dem Fahrerhaus montierten Verladekran. Der Motor des knapp 500 PS starken TGS heult auf, als der Greifer sich die ersten zwei Stämme krallt und vom aktiv gelenkten, teleskopierbaren Langholzauflieger auf das Förderband der ratternden Säge hievt.

Hier sind vor allem Fingerspitzengefühl und Erfahrung gefragt. Denn die 15 bis 20 Meter langen Stämme sind nicht nur unterschiedlich lang, sie sind auch glitschig nass und können vom Gewicht her stark variieren. Je nach Holzart, Käferbefall und Witterung kommen dabei pro Stamm Abweichungen zwischen 300 Kilogramm und 1,5 Tonnen zusammen, berichtet Relly. Am Ladekran erweist sich Relly als Meister seines Fachs. "Ich könnte dir noch nicht mal erklären, wie genau du den Kran bedienen müsstest", erzählt der ehemalige Fallschirmjäger der Bundeswehr. "Das ist wie Mikado für Profis", grinst er. Der Kran und er seien inzwischen eins und die Bedienung der vielen Hebel laufe fast automatisch ab. Genauso wie das Zusammenfahren des Holzaufliegers von Doll nach dem Abladen. Nach anschließender Verriegelung heißt es auch schon wieder aufsatteln.

Keine Angst vor steilen Abhängen und morastigen Waldwegen

Zeit ist Geld und Rellys zweite und letzte Fuhre wartet bereits. Aber nicht ohne vorher an der Lichtenauer Tankstelle eine Ladung Kaffee aufzunehmen. Relly nippt an seiner Spezialmischung, einem großen Cappuccino mit dreifachem Espresso, als wir gegen zehn Uhr auf der Bundesstraße in Richtung Frankreich fahren. Welche Straßen er dabei befahren darf, ist auf sechs Seiten Sonderzulassung haarklein festgelegt. Den Lkw-Führerschein habe er damals noch bei der Bundeswehr gemacht. Als seine Zeit als Unteroffizier zu Ende war, habe er anschließend als Filialleiter bei einem Lebensmitteldiscounter gearbeitet. Das war nichts für Relly und so habe sein Bruder, Kipperfahrer für ein ansässiges Bauunternehmen, ihn darauf gebracht den Job als Langholzfahrer anzunehmen.

Und das der nicht ungefährlich ist, zeigt sich als wir nach knapp einer Stunde Fahrt plötzlich in ein Waldstück abbiegen. Hier müssen Relly und sein TGS zeigen, was sie können. Der Hydrodrive des Münchner Löwens hat ordentlich zu tun, denn Schlupf gibt es reichlich auf dem unbefestigten, morastigen Waldweg. Die Kabine gautscht von links nach rechts, als der Lkw sich den Hügel hinaufschraubt. Der Blick in den rechten Seitenspiegel zeigt, wie Teile des Wegesrands seitlich wegbrechen und den gut 30 Meter tiefen Abhang runterrutschen. Doch Relly bleibt locker und feixt: "Bei Schnee und Eis ist das noch lustiger."

Relly kann sich keinen anderen Job vorstellen

Nach einer erneuten Wende auf einer Lichtung im Briefmarkenformat stellt Relly sein Fahrzeug bergab und zieht den Auflieger aus. Das Beladen beginnt. Mit chirurgischer Präzision fädelt Relly die Baumstämme zwischen die Rungen des Aufliegers. Kleine Bäume, die dabei im Weg stehen, greift Relly mit dem Greifer des Krans und zieht diese kurzerhand samt Wurzel aus dem Erdreich. Nach anschließender Ladungssicherung und Absicherung nach hinten – immerhin ist Rellys Lkw nach dem Beladen überlang – geht es für ihn wieder zurück zum Sägewerk. Doch auch wenn sein regulärer Arbeitstag mit Abladen und Tourenplanung, noch lange nicht zu Ende ist, kann er sich einen anderen Job nicht vorstellen. "Manche Schlipsträger löhnen bei Jochen Schweizer einen Haufen Geld für ein kleines bisschen Abenteuer", lacht Relly. "Ich werde dafür sogar noch bezahlt."

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Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 06/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
Knut Zimmer

Autor

Datum

13. Mai 2017
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