DEKRA Dialog zur Verkehrssicherheit.

DEKRA Dialog zur Verkehrssicherheit
Lkw-Führerschein wird günstiger

Die Verkehrssicherheit der Zukunft braucht starke Partnerschaften, schnelle Innovationen und weniger Bürokratie. Beim diesjährigen DEKRA Dialog in Stuttgart diskutierte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) mit hochrangigen Vertretern aus Wirtschaft und Politik über die Transformation der Mobilität.

Lkw-Führerschein wird günstiger
Foto: Karlheinz Augustin

Für die Verkehrssicherheit braucht es die Beteiligung vieler – das war der Tenor des diesjährigen DEKRA Dialogs in Stuttgart.

Stan Zurkiewicz, DEKRA-CEO, betonte in seiner Begrüßung, dass der Dialog gerade in Zeiten großer Veränderungen imperativ ist. Er zog den Vergleich zum Marktstart des Automobils, der für die ganze Gesellschaft ein großer Einschnitt war und vor über 100 Jahren zur Gründung der DEKRA führte. "Heute erleben wir eine Transformation, in der die Veränderungen viel schneller stattfinden", so Zurkiewicz. Wieder treibe viele Menschen die Frage um, ob diese Neuerungen sicher und zuverlässig sind. "Innovation braucht Vertrauen. Vertrauen entsteht durch klare Regeln und Standards – wie unabhängige Prüfungen, die wir als DEKRA in vielen Bereichen durchführen."

Künstliche Intelligenz und Cybersecurity im Fokus

Auch im Bereich der Digitalisierung leistet DEKRA einen wichtigen Beitrag als Enabler of Trust (Innovationsermöglicher), um neue Technologien wie Künstliche Intelligenz sicher in die Gesellschaft zu bringen.

Dabei verliere die Organisation nie ihren eigentlichen Existenzgrund – für technische Sicherheit zu sorgen, betonte Stefan Kölbl, Präsident des Präsidialrats des DEKRA e.V. und Vorsitzender des DEKRA-Aufsichtsrates. Mittlerweile tragen global 50.000 Ingenieure und Techniker für Themen in allen Lebensbereichen dafür Sorge. Ein Beispiel ist der Standort Lausitzring, das größte unabhängige Testzentrum für automatisiertes Fahren. Hier gehören digitale Fahrzeugsysteme, Cybersecurity und KI in der Mobilität längst zum Alltag. "Aber: Die Hauptuntersuchung ist unbenommen das zentrale Element der technischen Sicherheit im Straßenverkehr", so Kölbl.

Infrastruktur und autonomes Fahren beschleunigen

Diese Innovationen und aktuellen Entwicklungen standen auch bei Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder im Mittelpunkt. Er berichtete, welche Änderungen beim Führerschein anstehen und was die Grundlagen für die Zukunft der Mobilität sind.

Infrastruktur, Digitalisierung und Vernetzung sind hierbei die prägenden Themen. Allein in dieser Legislaturperiode will die Bundesregierung massiv in die Infrastruktur investieren, da diese das Fundament für den Wohlstand Deutschlands bilde. Ein Großteil der Mittel wird im Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) für Erhaltungsmaßnahmen gebündelt. „Wir haben die Finanzmittel und mittlerweile auch das Tempo“, versprach Schnieder. Das kommende Infrastrukturzukunftsgesetz soll die Bürokratie abbauen und Planungs- und Genehmigungsprozesse um Jahre verkürzen. Das sei auch wichtig, weil Deutschland als Verkehrsdrehscheibe Europas – auch im Verteidigungsfall – schnell agieren müsse.

Beim autonomen Fahren drängt der Minister auf den Sprung vom Probe- in den Realbetrieb, um wertvolle Daten für die Skalierung deutscher Geschäftsmodelle zu sammeln. Damit Assistenzsysteme dauerhaft sicher bleiben, fordert Schnieder in Brüssel eine erweiterte Hauptuntersuchung, bei der auch neutrale Sachverständige Zugang zu den Fahrzeugdaten der Hersteller (OEM) erhalten.

Reform der Lkw-Fahrerlaubnis gegen hohe Kosten

Ein zentraler Punkt der Agenda ist faire Mobilität. Daher hat das Bundesverkehrsministerium eine Reform der Führerscheinausbildung angestoßen. „In Belgien, Luxemburg, Österreich und Frankreich ist der Führerschein bei gleichen EU-Rahmenbedingungen deutlich günstiger. So kann es nicht weitergehen“, kritisierte Schnieder.

Die Kernpunkte der Reform:

  • Weniger Bürokratie
  • Reduzierung der Pflichtstunden
  • Mehr digitale Lerninhalte

Der Fokus lag zunächst auf dem Pkw-Führerschein, doch alle Erleichterungen werden nun auf den Lkw- und Busführerschein übertragen. Konkret betrifft dies unter anderem den Wegfall starrer Vorgaben für Sonderfahrten (Autobahn, Nacht- und Überlandfahrten).

„Damit werden wir schon deutliche Erleichterungen schaffen. Im zweiten Durchgang wollen wir nachschärfen, um von den enormen Kosten von rund 10.000 Euro für den Lkw-Führerschein runterzukommen“, kündigte Schnieder an. Ziel sei eine Angleichung der deutschen Anforderungen an das günstigere europäische Ausland.