Sennder: Profitabel dank Plattform und KI?

Nach der C.H.-Robinson-Übernahme
Sennder fährt in die operative Profitabilität

Sennder peilt eine Milliarde Euro Umsatz an und meldet ein positives operatives Monatsergebnis. Nach der Integration von C.H. Robinson habe die KI die Produktivität um 45 Prozent gesteigert.

Ob Diesel- oder Elektro-Lkw die kostengünstigere Wahl für Speditionen sind, hängt maßgeblich vom Strompreis ab.
Foto: Sennder

Die Digitalspedition Sennder meldet erstmals ein positives operatives Monatsergebnis und peilt für 2026 eine Milliarde Euro Umsatz an. Nach der Integration des Landtransportgeschäfts von C.H. Robinson setzt das Unternehmen verstärkt auf künstliche Intelligenz. Die Produktivität im operativen Geschäft soll bereits deutlich gestiegen sein.

Vom schnellen Wachstum zur Profitabilität

Die Berliner Digitalspedition Sennder hat nach eigenen Angaben einen wichtigen Meilenstein erreicht. Das Unternehmen erzielt inzwischen auf Monatsbasis ein positives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen nach IFRS (EBITDA). Auch für das Gesamtjahr 2026 erwartet Sennder ein positives IFRS-EBITDA. Gleichzeitig peilt der Logistikdienstleister einen Jahresumsatz von einer Milliarde Euro an. Grundlage dafür ist unter anderem die inzwischen abgeschlossene Integration des europäischen Landtransportgeschäfts von C.H. Robinson, das Sennder Anfang 2025 übernommen hatte. Bemerkenswert ist dabei eine weitere Zahl: Die Produktivität je Mitarbeiter im operativen Geschäft ist laut Sennder gegenüber dem Vorjahr um 45 Prozent gestiegen. Eine wichtige Rolle sollen dabei eine gemeinsame IT-Plattform und zunehmend KI-gestützte Arbeitsabläufe spielen.

Sennder führt zwei Unternehmen auf einer Plattform zusammen

Mit der Übernahme des europäischen Landtransportgeschäfts von C.H. Robinson hatte Sennder seine Marktposition erheblich ausgebaut. Nun meldet das Unternehmen den Abschluss der Integration. Die zusammengeführten Geschäftsbereiche arbeiten nach Unternehmensangaben vollständig auf der hauseigenen Plattform sennOS. Statt unterschiedlicher Systeme und Prozesse soll damit eine gemeinsame technische Grundlage für das europäische Transportgeschäft sorgen. Die Größenordnung ist beachtlich: Sennder wickelt inzwischen mehr als 150.000 Sendungen pro Monat ab. Das Unternehmen greift dafür auf ein Netzwerk von mehr als 40.000 geprüften Frachtführern in Europa zurück. Allerdings steht nicht mehr Wachstum um jeden Preis im Vordergrund. Angesichts eines nur moderat wachsenden Straßengüterverkehrsmarktes und steigender Betriebskosten will Sennder nach eigenen Angaben stärker auf profitable Aufträge und die Qualität des Umsatzes achten. Dazu gehört auch eine gezielte Anpassung des Kundenportfolios.

KI-Agenten übernehmen Aufgaben im Transportmanagement

Der technologische Umbau soll sich bereits in den Kennzahlen niederschlagen. Sennder beziffert den Produktivitätszuwachs je Operator gegenüber dem Vorjahr auf 45 Prozent. Als Maßstab dient dabei der Rohertrag pro Mitarbeiter im operativen Geschäft. Als Ursachen nennt das Unternehmen die größere Geschäftsbasis, die einheitliche Plattform und den zunehmenden Einsatz sogenannter Reasoning-KI-Agenten. Diese sollen große Mengen an Echtzeitdaten aus dem Transportnetzwerk auswerten, Ladungen geeigneten Frachtkapazitäten zuordnen und Transportpreise dynamisch ermitteln. Außerdem sollen sie mögliche Probleme frühzeitig erkennen und bei deren Lösung unterstützen. Damit geht es nicht nur um die Automatisierung einzelner Arbeitsschritte. Sennder verfolgt das Ziel, operative Prozesse über die gesamte Transportabwicklung hinweg stärker miteinander zu verknüpfen. Wie groß der jeweilige Beitrag der KI zum Produktivitätsanstieg tatsächlich ist, schlüsselt das Unternehmen allerdings nicht auf. Auch Skaleneffekte aus der Übernahme und die Vereinheitlichung der Prozesse dürften eine Rolle spielen. „Wir haben zwei große Unternehmen auf eine Plattform gebracht und dabei die Produktivität pro Operator um 45 Prozent gesteigert“, sagt dazu David Nothacker, CEO und Mitgründer von Sennder.

Scania-Verbindung: Auch Elektro-Lkw bleiben Teil der Strategie

Neben der Digitalisierung will Sennder weiterhin in emissionsärmere Transportlösungen investieren. Dazu zählen die Verringerung von Leerkilometern, optimierte Transportströme sowie der Einsatz von Elektro-Lkw und HVO. Eine Verbindung zum Fahrzeuggeschäft besteht über Scania. Der Nutzfahrzeughersteller gehört zu den strategischen Unterstützern von Sennder. Gemeinsam stehen beide Unternehmen zudem hinter Juna, einem Geschäftsmodell, das Elektro-Lkw über ein nutzungsabhängiges Angebot in den Transportmarkt bringen soll. Zur IAA Transportation 2026 war für Juna der Ausbau der Elektro-Lkw-Flotte auf 110 Fahrzeuge ein Thema. Nach Angaben von Sennder haben die Maßnahmen zur Verringerung von Emissionen innerhalb der vergangenen zwölf Monate mehr als 31.000 Tonnen CO₂-Äquivalente eingespart.

Profitabilität soll weitere Investitionen ermöglichen

Die erreichte operative Profitabilität soll Sennder finanziellen Spielraum für weitere Investitionen verschaffen. Geplant sind zusätzliche Mittel für die Plattform sennOS, KI-Agenten und das europäische Frachtführernetzwerk. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das Unternehmen weiterhin ein positives IFRS-EBITDA. Nach der milliardenschweren Expansion rückt bei Sennder jetzt also die Frage in den Vordergrund, wie sich ein großes europäisches Transportnetzwerk mit möglichst geringem operativem Aufwand steuern lässt. Künstliche Intelligenz soll dabei künftig eine noch größere Rolle spielen.

In Kürze: die Key Facts

  • Unternehmen: Sennder, digitale Straßenspedition mit Sitz in Berlin
  • Umsatzziel 2026: 1 Milliarde Euro
  • Profitabilität: Positives IFRS-EBITDA auf Monatsbasis erreicht
  • Jahresprognose: Positives IFRS-EBITDA für das Gesamtjahr 2026 angestrebt
  • Übernahme: Europäisches Landtransportgeschäft von C.H. Robinson, abgeschlossen Anfang 2025
  • Integrationsstatus: Zusammenführung der Geschäftsbereiche auf der Plattform sennOS abgeschlossen
  • Produktivitätssteigerung: 45 Prozent mehr Rohertrag je Operator gegenüber dem Vorjahr
  • KI-Einsatz: Agenten unterstützen Ladungszuordnung, Preisermittlung und Problemlösung
  • Transportvolumen: Mehr als 150.000 Sendungen monatlich
  • Frachtführernetzwerk: Mehr als 40.000 geprüfte Frachtführer in Europa
  • CO₂-Einsparung: Nach Unternehmensangaben mehr als 31.000 Tonnen CO₂-Äquivalente in zwölf Monaten
  • Scania-Verbindung: Gemeinsames Elektro-Lkw-Unternehmen Juna mit rund 110 Fahrzeugen im September 2026