Premiere für den Volvo Trucks VNX: Ein US-Hauber für alle Fälle

Premiere für den Volvo Trucks VNX
Ein US-Hauber für alle Fälle

Nach dem Fernverkehrs-Flaggschiff VNL und seinem Regional-Pendant VNR rollt Volvo in Amerika jetzt das dritte und zugleich krasseste Modell auf der neuen Plattform aus: den VNX. Ein Hauber in XXL für Einsätze vom Bau bis zum Schwerlasttransport.

Volvo Trucks VNX 2026
Foto: Volvo Trucks North America

Dass der neue Volvo VNX selbst für amerikanische Verhältnisse kein gewöhnlicher Truck ist, dürfte auch für Laien leicht erkennbar sein. Das Ding ist ein Gigant. Seine Haube samt Metall-Kühlergrill überragt ausgewachsene Basketball-Hünen, seine 425er Gummis auf der Vorderachse scheinen einem Monstertruck entliehen und seine Stahlstoßstange auf Hüfthöhe würde (fast) auch als Bulldozer-Schild eine gute Figur machen. Auf den ersten Pressefotos schultert er als vierachsige Zugmaschine auf seinem Tieflader passenderweise einen XXL-Radlader der Baumaschinenschwester Volvo CE in der gleichen Gelb-Schwarz-Farbgestaltung, ein Bild für die Schwerlast-Götter.

Das Ziel von Volvo Trucks: Wachstum in der Bau- und Schwerlastbranche

Volvo will mit dem VNX aber nicht nur einen Hauber für große Lasten gebaut haben, sondern auch einen für große Kundengruppen. Im nordamerikanischen Schwer-Lkw-Segment streben die Schweden laut des Branchenportals FreightWaves einen Marktanteil von 15 Prozent an. Ein Ziel, dass es maßgeblich mit Wachstum in der Bau- und Schwerlastbranche zu erreichen gilt, sind es hier aktuell doch nur magere zwei bis drei Prozent. Immerhin: An Selbstbewusstsein mangelt es Volvo nicht. Der VNX, so heißt es, unterscheide sich von allem, was man bisher gebracht habe auf dem Kontinent. Er sei ein Lkw für die härtesten Jobs – im Schwerlasttransport ebenso wie im Baugewerbe, in der Betonbranche, in der Forst- und Landwirtschaft sowie im Winterdienst.

Technik aus Europa – für bis zu 72,6 Tonnen

Was den Vortrieb angeht, vertraut der VNX auf die bekannten D13-Reihensechszylinder mit bis zu 540 PS und 2.650 Newtonmetern. Die maximale Motorbremsleistung beziffern die Schweden auf 630 PS. Für die Kraftübertragung sind automatisierte I-Shift-Schaltgetriebe zuständig. Das zulässige Zuggesamtgewicht liegt damit bei bis zu rund 72,6 Tonnen, wobei für höhere Lasten laut Hersteller zusätzliche Freigaben möglich sind. Dank der Zertifizierung nach den strengen EPA-2027-Emissionsstandards sei zudem ein Betrieb in allen 50 US-Bundesstaaten kein Problem.

Umfassendes Assistenzpaket aus den Schwestermodellen

Aber ein starker Triebstrang macht noch keinen guten Lkw. Auf Baustellen, wo sich Menschen und schwere Maschinen auf engem Raum begegnen, zählt auch die Sicherheit – gerade für Volvo. Hier übernimmt der VNX die Assistenzplattform seiner Geschwister VNL und VNR inklusive der Kameraspiegel. Die serienmäßige Fußgängererkennung überwacht den Bereich vor dem Truck und erfasst Personen in einer Entfernung von rund sieben bis 70 Metern. Optional ist zudem ein Toter-Winkel-Warner erhältlich, der beide Fahrzeugseiten abdeckt und sich auch beim blinden Öffnen der Tür meldet. Auch die passive Sicherheit hatten die Entwickler im Blick: Der Fahrerhausaufbau ist gegenüber den bisherigen Vocational-Modellen mit einem Drittel mehr ultrahochfestem Stahl ausgerüstet. Dazu kommen die optionale, besonders widerstandsfähige Tough-Shield-Windschutzscheibe und seitliche Kopfairbags auf der Fahrerseite, ein Alleinstellungsmerkmal der Schweden.

Ein Gigant – mit Fernsteuerung

Ebenfalls besonders bemerkenswert: die hierzulande schon wohlbekannte, individuell einstellbare Dynamic Steering Lenkung. Sie ermöglicht im VNX die Remote-Steer-Funktion. Damit lässt sich der Truck bei Geschwindigkeiten von bis zu fünf Meilen pro Stunde – umgerechnet rund acht km/h – von außen steuern. Das kann beim Rangieren auf engem Raum oder beim präzisen Positionieren von Betonmischern, Kränen und Saugfahrzeugen ein Segen sein, der mächtig Eindruck macht. Ebenso wie die Konnektivität mittels des 4G-Telematik-Gateways, über den neben den üblichen Telematikdaten auch Over-the-Air-Updates und eine prädiktive Wartung verfügbar sind.

Modernes Cockpit mit vielen Reglern und Schaltern

Für europäische Fahrer besonders spannend ist aber natürlich der Blick ins Fahrerhaus. Ein schickes Multifunktionslenkrad gibt’s hier mit Lenkstockhebel für die Gangwahl, ein digitales Kombiinstrument mit jeder Menge abrufbarer Technikdaten und einen mittigen Touchscreen. Dieser Bildschirm fällt jedoch kompakt aus und fügt sich in die Konsole ein, statt sie zu dominieren. Dazu wird er gleich von einer ganzen Reihe echter Drehregler und Schalter flankiert, die sich auch mit dicken Arbeitshandschuhen bedienen lassen. Helm ab!

Vom Tagesfahrerhaus bis zur 62-Zoll-Sleeper-Cab

Und: Wer sich statt des Tagesfahrerhauses für die 62-Zoll-Midroof-Schlafkabine entscheidet, bekommt obendrein einen wohnlichen Rückzugsort. Das breite Bett verfügt über ein aufstellbares Kopfteil, Seitenfenster links und rechts bringen Licht ins Innere. Dazu gibt es Mikrowelle, Flachbildfernseher, einen hochkant eingebauten Mini-Kühlschrank und reichlich Staufächer. An der Rückwand sitzen außerdem ein Bedienpanel, eine Steckdose und zwei USB-Anschlüsse. Der Clou: Aus derselben Wand lässt sich zusätzlich ein kleines Tischchen ausklappen – für die Coke zwischendurch oder das Bud Light zum Feierabend. Der neue VNX gibt sich schließlich trotz seiner europäischen Technik durch und durch amerikanisch. Ein echtes Big Rig!