Die Bundeswehr braucht mehr Reservisten. Doch wenn Beschäftigte für längere Zeit zum Wehrdienst einberufen werden, könnte das Speditionen vor erhebliche Probleme stellen. Der DSLV fordert deshalb mehr Planungssicherheit und finanzielle Unterstützung für die Logistikbranche.
Reservestärkungsgesetz verstärkt Personalengpässe
Was passiert, wenn die Bundeswehr Beschäftigte aus Speditionen und Logistikunternehmen für mehrere Wochen oder länger zum Reservedienst einberuft? Für die betroffenen Betriebe könnte das schnell zum Problem werden. Schließlich kämpft die Transport- und Logistikbranche bereits heute mit Personalengpässen. Der DSLV Bundesverband Spedition und Logistik warnt deshalb vor zusätzlichen Belastungen durch das geplante Reservestärkungsgesetz. Anlass ist die erste Lesung des Gesetzentwurfs im Bundestag am 15. Oktober 2026. Grundsätzlich unterstützt der Verband die Stärkung der Bundeswehrreserve. Allerdings müsse die Gesetzgebung sicherstellen, dass Speditionen und Logistikunternehmen auch während militärischer Übungen oder in Krisenzeiten ihre Versorgungsaufgaben erfüllen können.

Personalengpässe verstärkt: DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster befürchtet, dass die zivile Logistik aufgrund des Reservestärkungsgesetzes noch mehr unter dem bereits bestehenden Fachkräftemangel leidet. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen aus der Logistikbranche seien hier besonders betroffen.
Acht Wochen Vorlauf sind Speditionen zu wenig
Ein zentraler Kritikpunkt ist die vorgesehene Vorlaufzeit bei Einberufungen. Nach den Plänen sollen Heranziehungsbescheide acht Wochen vor Dienstbeginn zugestellt werden. Dem DSLV reicht das nicht. Der Verband fordert mindestens drei Monate Vorlauf, damit Unternehmen den Ausfall ihrer Beschäftigten besser einplanen und gegebenenfalls Ersatz organisieren können. Darüber hinaus müssten Arbeitgeber den Reservistenstatus ihrer Beschäftigten rechtssicher erfragen dürfen. Nur so könnten sie mögliche Abwesenheiten frühzeitig in der Personalplanung berücksichtigen. Besonders kleinere und mittlere Speditionen könnten in Schwierigkeiten geraten, wenn mehrere Beschäftigte gleichzeitig für den Reservedienst ausfallen. Deshalb fordert der Verband, bei Einberufungen auch die betriebliche Personalsituation zu berücksichtigen.
DSLV fordert Geld auch für Zeitarbeitskräfte
Nach Ansicht des Verbands reichen zudem die bisherigen Regelungen zum finanziellen Ausgleich nicht aus. Der Bund beteiligt sich bislang nur unter bestimmten Voraussetzungen an den Kosten einer Ersatzkraft. Diese muss die gleiche Qualifikation wie der einberufene Beschäftigte besitzen und unmittelbar vom Unternehmen eingestellt werden. Der DSLV fordert, künftig auch befristete Ersatzkräfte mit anderer Qualifikation sowie Zeitarbeitskräfte bei der finanziellen Unterstützung zu berücksichtigen. „Eine wirksame Landes- und Bündnisverteidigung braucht einsatzbereite Streitkräfte und die Unterstützung des Logistiksektors“, erklärt DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster. Die Botschaft des Verbands: Eine stärkere Bundeswehrreserve und eine funktionierende Logistik dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Denn auch im Krisenfall müssen Unternehmen und Bevölkerung zuverlässig mit Waren versorgt werden können.
In Kürze: die Key Facts
- Thema: Reservestärkungsgesetz der Bundeswehr
- Anlass: Erste Lesung im Bundestag am 15. Oktober 2026
- Verband: DSLV Bundesverband Spedition und Logistik
- Kritik: Mögliche zusätzliche Personalausfälle in Speditionen und Logistikunternehmen
- Geplante Vorlaufzeit: acht Wochen für Heranziehungsbescheide
- DSLV-Forderung: mindestens drei Monate Vorlauf
- Personalplanung: Arbeitgeber sollen den Reservistenstatus ihrer Beschäftigten rechtssicher erfragen dürfen
- Schutz kleiner Unternehmen: betriebliche Personalsituation bei Einberufungen berücksichtigen
- Finanzieller Ausgleich: Förderung auch für befristete Ersatzkräfte mit anderer Qualifikation und Zeitarbeitskräfte
- Ziel: Verteidigungsfähigkeit stärken, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden






