Eine KI, die Kunden anruft, Transportbedarf abfragt und Frachtangebote vorbereitet: Die Reederei CMA CGM baut den Einsatz digitaler Sprachassistenten deutlich aus. Nach ersten Tests soll die KI-Vertriebsmitarbeiterin Eva bis Ende 2026 in 20 Ländern zum Einsatz kommen.
KI-Sprachagenten telefonieren mit Kunden
Bei CMA CGM übernimmt künstliche Intelligenz inzwischen Aufgaben, die bislang Vertriebsmitarbeiter erledigten. Die französische Reederei setzt gemeinsam mit dem Technologieunternehmen Happy Robot auf KI-Sprachagenten, die selbstständig mit Kunden telefonieren, Informationen erfassen und weitere Arbeitsschritte anstoßen können. Die Anwendungen werden bereits im Vertrieb, im Kundenservice und im Finanzbereich erprobt beziehungsweise eingesetzt. Nach ersten positiven Ergebnissen will CMA CGM die Technologie international ausrollen und perspektivisch auch bei seiner Logistiktochter CEVA Logistics nutzen.
KI-Vertriebsassistentin Eva kontaktiert 4.000 Kunden
Im Vertrieb übernimmt die KI-Agentin Eva die Ansprache potenzieller Kunden, die auf der Plattform von CMA CGM registriert sind, aber keinen eigenen Vertriebsbetreuer haben. Eva ruft diese Kunden an, erkundigt sich nach ihrem Transportbedarf, bietet passende Frachtofferten an und identifiziert mögliche Aufträge für den Vertrieb. In ersten Kampagnen in Großbritannien und Senegal hat die KI nach Unternehmensangaben bereits mehr als 4.000 Kunden kontaktiert. Bei ungefähr einem Drittel entwickelten sich daraus weiterführende Gespräche über mögliche Transportverbindungen. Das bedeutet allerdings nicht, dass aus jedem dritten Kontakt bereits ein Auftrag entstanden ist. Konkrete Abschlussquoten oder zusätzliche Umsätze nennt CMA CGM nicht. Bis Ende 2026 soll Eva in 20 Ländern eingesetzt werden.
Kundenservice: KI erledigt 46 Prozent der Anfragen
Auch im Kundenservice übernimmt die Technologie bereits operative Aufgaben. Dabei geht es insbesondere um die Freigabe von Frachtsendungen, den Status der Warenfreigabe, Zollabfertigungen und Transportdokumente. Mehr als 46 Prozent dieser Anfragen können die KI-Agenten laut CMA CGM inzwischen eigenständig abschließen. Bei Bedarf stoßen sie zudem automatisch E-Mails aus den internen Systemen an, beispielsweise mit Freigabenummern für Container. Das Potenzial ist erheblich: Nach Unternehmensangaben bearbeitet CMA CGM jährlich mehr als 54 Millionen Kundenanfragen. Die genannte Automatisierungsquote bezieht sich allerdings auf die beschriebenen Freigabeanfragen und nicht auf sämtliche Kundenkontakte. Im Finanzbereich testet die Reederei außerdem KI-Anrufe zur Erinnerung an offene Rechnungen. Dabei seien bereits Zahlungen ausgelöst worden, teilweise unmittelbar nach dem Gespräch.
Auch CEVA Logistics soll KI-Agenten nutzen
Die Lösung wird derzeit in Europa und Nordamerika ausgerollt. Weitere Märkte in Afrika, Südamerika und Asien sollen folgen. Auch ein Einsatz innerhalb der Logistiktochter CEVA Logistics ist vorgesehen. Die KI-Agenten sind mehrsprachig und mit internen Unternehmenssystemen verbunden. Damit sollen sie nicht nur Fragen beantworten, sondern auch nachgelagerte Prozesse automatisieren. HappyRobot war 2025 Teil des Förderprogramms von Zebox, dem Innovationsnetzwerk von CMA CGM. Aus einem ersten Machbarkeitstest entwickelte sich die inzwischen eingesetzte Lösung. CMA CGM hat sich darüber hinaus finanziell an Happy Robot beteiligt. Für die Transport- und Logistikbranche zeigt das Beispiel, wie sich KI zunehmend vom reinen Auskunftssystem zum digitalen Sachbearbeiter entwickelt. Entscheidend bleibt allerdings, wie zuverlässig die Anwendungen im Regelbetrieb arbeiten und ob sich aus den automatisierten Kundenkontakten tatsächlich zusätzliches Geschäft ergibt.
In Kürze: die Key Facts
- Unternehmen: CMA CGM Group, französische Reederei und Logistikkonzern
- Technologiepartner: Happy Robot
- KI-Vertriebsagentin: Eva
- Bisherige Kundenkontakte: mehr als 4.000 in Großbritannien und Senegal
- Ergebnis: rund ein Drittel der Kontakte führte zu weiterführenden Vertriebsgesprächen
- Geplante Expansion: Einsatz in 20 Ländern bis Ende 2026
- Kundenservice: mehr als 46 Prozent der untersuchten Frachtfreigabeanfragen werden eigenständig durch KI erledigt
- Weitere Einsatzbereiche: Zahlungsnachverfolgung, Rechnungsmanagement und Kundenbetreuung
- Logistiktochter: Ausweitung auf CEVA Logistics geplant
- Strategischer Hintergrund: Happy Robot wurde über Zebox gefördert; CMA CGM hat sich am Unternehmen beteiligt







