Wer trifft wohl als Erster ein? Jedes Mal, wenn die Deutschlandfahrt für historische Nutzfahrzeuge startet, ist das die spannendste Frage. Diesmal ist es Jens-Peter Holm mit seinem 1957-er Magirus-Deutz Mercur. 125 PS hat der Kipper. Er ist samt Bauwagen bereits am Vortag aus der Nähe von Hamburg gestartet. "Das waren 640 Kilometer. Überhaupt kein Problem. Keine Servolenkung, unsynchronisiertes Getriebe und mechanische Kupplung. Eben was für echte Kraftfahrer!" Doch irgendwie unterscheidet sich die 21. Auflage der Tour für klassische Lkw von den vorherigen Veranstaltungen. "Wir haben 20 Teilnehmer, die zum ersten Mal dabei sind", freuen sich Joachim Fehrenkötter, Geschäftsführer von Fehrenkötter Transport & Logistik, und Oliver Trost, Geschäftsführer des ETM Verlages. "Das zeigt, dass die Tour jetzt auch ein breiteres Publikum erreicht hat und damit vor allem auch jüngere Lkw an den Start gehen".
80 Lkw-Klassiker treffen sich in Wörth
Da sind wir auch gleich beim roten Mercedes-Benz NG 1422, Baujahr 1976, von Dominic Newby, der die weite Anreise aus England in Kauf genommen hat. Beim Start der Tour in Wörth gesellt sich Dominic gleich zu den Kollegen von Mercedes-Benz Trucks Classic, die die gesamte Tour mit einem ganzen Stall von wunderschönen Klassikern begleiten werden. Und das ist kein Zufall, sondern sagt viel über das enge Verhältnis zwischen den Veranstaltern und den Mercedes-Lkw-Leuten. "Wir sagen immer: Ein Oldtimer, der steht, geht kaputt. Deshalb ist es für uns auch ganz wichtig, mit den Fahrzeugen unterwegs zu sein. Um gesehen zu werden von den Leuten, die vielleicht nicht ins Museum gehen", erklärt Bernd Hufendiek von Mercedes-Benz Trucks Classic. Worte, die übrigens exakt die Philosophie von Joachim Fehrenkötter treffen, dessen Vater zu den Gründungsvätern der Tour gehörte: "Wir sind sowas wie ein rollendes Museum. Und wir wollen den Leuten zeigen, dass diese Trucks leben!"
80 Lkw-Klassiker sind nach Wörth gekommen. Schon der Anblick der prächtig herausgeputzten Exemplare sagt viel über die Leidenschaft ihrer Besitzer für die Fahrzeuge. Absoluter Blickfang ist auch der graue Saurer-Rechtslenker von 1953, mit dem Holger Hahn aus München angereist ist. Das Prachtexemplar hört auf den Namen "Helene" und wurde jahrzehntelang von der Schweizerin Helene Wullschleger gesteuert, die im Alter von 101 Jahren gestorben ist.
Für Holger ist der ungeschweißte Lkw etwas ganz Besonderes. Auch wenn jede Tour mit dem Saurer ihn vor besondere Anforderungen stellt: "Das Fahrerhaus ist eine Holzkonstruktion, mit Blech beplankt. Wir haben nur Bohlen unter uns. Und weil es keine Isolierung zum Motor gibt, wird es unten an den Beinen richtig heiß." Ja, die Lkw-Oldtimer-Gemeinde ist mitunter etwas verrückt. "Das ist schon eine sehr spezielle Szene und richtig international, auch aus Deutschland sehr gemischt. Auch viele Ostfahrzeuge, sehr, sehr spannende Fahrzeuge. Natürlich, diese Lkw verbinden uns, und darüber findet man auch immer eine gemeinsame Sprache", erläutert Oliver Trost. Einmal mehr hat die Daimler Truck AG in Wörth ein beeindruckendes Welcome auf die Beine gestellt.
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