MAN startet Alltagstest mit Brennstoffzellen-Lkw

MAN startet mit Bayernflotte im Alltag
Brennstoffzellen-Lkw gehen in den Praxistest

Mit drei Brennstoffzellen-Lkw startet MAN im Forschungsprojekt Bayernflotte die Straßenerprobung unter realen Bedingungen. Die Erkenntnisse fließen in die Entwicklung künftiger Fahrzeuge ein.

Ein Brennstoffzellen-Lkw von MAN Truck & Bus im Einsatz für das Forschungsprojekt Bayernflotte während der Straßenerprobung im regulären Logistikbetrieb.
Foto: MAN Truck & Bus

Mit der Übergabe von drei Brennstoffzellen-Lkw an die konzerninterne Loadfox Transport Solutions beginnt im Forschungsprojekt „Bayernflotte“ die Praxiserprobung von Wasserstoff-Lkw im regulären Logistikbetrieb. Gleichzeitig bekräftigt MAN Truck & Bus, dass batterieelektrische Nutzfahrzeuge langfristig die dominierende Antriebstechnologie bleiben sollen. Mit der Testphase erreicht das vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie geförderte Forschungsprojekt seine letzte Stufe. Ziel ist es, Erfahrungen mit Brennstoffzellen-Lkw unter realen Einsatzbedingungen zu sammeln und die Technologie weiterzuentwickeln.

Loadfox wird zur rollenden Entwicklungsplattform

Loadfox übernimmt dabei die Rolle des operativen Logistikpartners. Das von MAN Truck & Bus gegründete Unternehmen betreibt Prototypenfahrzeuge, autonome Fahrzeuge und testet digitale Logistiklösungen unter realen Bedingungen. Die im täglichen Transportbetrieb gewonnenen Erkenntnisse fließen direkt in die Entwicklung neuer Fahrzeuge und Services ein. Bereits 2023 hatte MAN Loadfox als eigenes Start-up vorgestellt, um unter anderem den Einsatz batterieelektrischer Lkw im Kundeneinsatz zu erproben. Seither hat sich das Unternehmen zu einer zentralen Entwicklungsplattform für neue Antriebs- und Digitalisierungstechnologien innerhalb des Konzerns entwickelt.

Reichweiten von bis zu 500 Kilometern

Die Brennstoffzellen-Lkw verfügen über einen elektrischen Antrieb. Der Wasserstoff wird in 700-bar-Drucktanks gespeichert und im Brennstoffzellensystem in elektrische Energie umgewandelt. Hochvoltbatterien puffern Lastspitzen und speichern zurückgewonnene Bremsenergie. Nach Angaben von MAN erreichen die Fahrzeuge Reichweiten von rund 450 bis 500 Kilometern. Im Praxiseinsatz liegt der Wasserstoffverbrauch bei sieben bis acht Kilogramm je 100 Kilometer. Die Zuggesamtmasse beträgt bis zu 42 Tonnen.

Daten für die nächste Fahrzeuggeneration

Die im Projekt gewonnenen Betriebsdaten sollen innerhalb des Traton-Konzerns ausgewertet werden. Im Mittelpunkt stehen Erkenntnisse zu Effizienz, Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit der Brennstoffzellentechnologie. Sie sollen in die Entwicklung künftiger Fahrzeuggenerationen einfließen.

MAN sieht Batterie-Lkw weiterhin im Vorteil

Trotz des Wasserstoffprojekts bleibt die strategische Ausrichtung des Herstellers eindeutig. Nach Einschätzung von MAN werden batterieelektrische Nutzfahrzeuge künftig den Straßengüterverkehr dominieren. Als Gründe nennt das Unternehmen die höhere Energieeffizienz, niedrigere Betriebskosten und größere Potenziale zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen. Wasserstoff sieht MAN dagegen vor allem als Ergänzung für spezielle Einsatzprofile – etwa auf sehr langen Transportstrecken oder in Regionen mit unzureichender Ladeinfrastruktur. Neben der Brennstoffzelle arbeitet der Hersteller bereits an einer Kleinserie des MAN hTGX mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor.

Einordnung für die Logistikbranche

Mit der Bayernflotte verfolgt MAN einen technologieoffenen Ansatz, setzt aber klare Prioritäten. Während batterieelektrische Lkw die zentrale Säule der Dekarbonisierungsstrategie bilden, sollen Wasserstofffahrzeuge dort zum Einsatz kommen, wo große Reichweiten, kurze Betankungszeiten oder fehlende Ladeinfrastruktur den Einsatz von E-Lkw erschweren. Die jetzt gestartete Straßenerprobung soll zeigen, ob Brennstoffzellen-Lkw diese Rolle im schweren Güterverkehr künftig wirtschaftlich erfüllen können.

In Kürze: die Key Facts

  • Projekt: Bayernflotte
  • Hersteller: MAN Truck & Bus
  • Operator: Loadfox Transport Solutions
  • Anzahl Fahrzeuge: 3 Brennstoffzellen-Lkw
  • Testdauer: 3 Monate
  • Einsatzgebiet: München, Dachau, Nürnberg sowie weitere Strecken in Süddeutschland
  • Förderung: Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie
  • Reichweite: 450–500 km
  • Wasserstoffspeicher: 700 bar, 36 kg
  • Leistung: 350 kW
  • Verbrauch: 7–8 kg Wasserstoff/100 km
  • Zuggesamtgewicht: bis 42 Tonnen
  • Technologiepartner: Bosch (Brennstoffzelle), ZF (AxTrax2 dual), Forvia (Wasserstofftanks)
  • Strategie von MAN: Batterieelektrische Lkw bleiben Haupttechnologie, Wasserstoff ergänzt in Spezialanwendungen.