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Zu Besuch bei Spedition Walter Schmidt

Nahles informiert sich über Sorgen der Lkw-Fahrer

Foto: BGL/Jens Pawlowski

Die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles sagt der Branche Unterstützung zu. Am Montag besuchte sie die Spedition Walter Schmidt in Wildau.

Unwürdige Bedingungen und lange Wartezeiten an den Rampen, hohe Gebühren fürs Duschen und Parken unterwegs und keine Möglichkeit mehr, an Feiertagen über die Grenze nach Hause zu kommen – Fahrer der Spedition Walter Schmidt aus Wildau hatten am Montag Gelegenheit, der SPD-Vorsitzenden Andrea Nahles aus ihrem Alltag zu berichten. Rund zweieinhalb Stunden nahm sich Nahles für das Gespräch mit sechs Mitarbeitern sowie Geschäftsführerin Ramona Sabelus Zeit, um sich ein Bild von der Situation in der Transport- und Logistikbranche am Beispiel des 1946 gegründeten Familienunternehmens Walter Schmidt zu machen.

Mit dabei waren auch der SPD-Verkehrsexperte Udo Schiefner, der das Treffen initiiert hatte, sowie die Verbandsvertreter Prof. Dr. Dirk Engelhardt, Jens Pawlowski (beide Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung, BGL) und Eberhard Tief (Landesverband des Berliner und Brandenburger Verkehrsgewerbes, LBBV). „Am meisten hat uns gefreut, dass man Notiz von uns und unseren Problemen nimmt“, berichtet Spediteurin Ramona Sabelus im Anschluss an das Gespräch gegenüber der Fachzeitschrift trans aktuell. Sie sei positiv überrascht über das hohe Interesse der SPD-Politikerin gewesen, sagt sie.

Sabelus: Ein Problem sind die Feiertags-Fahrverbote

Ihre Mitarbeiter und sie hätten an praktischen Beispielen erklären können, mit welchen Problemen Transportunternehmer, aber auch ihre Beschäftigten im Alltag konfrontiert seien. „Ein großes Problem sind die Feiertags-Fahrverbote“, schildert Unternehmerin Sabelus, die etwa 40 Mitarbeiter bei den Speditionen Walter Schmidt und RS Meditrans in Wildau beziehungsweise Königs Wusterhausen in Brandenburg beschäftigt.

Foto: BGL/Jens Pawlowski
Politik trifft Praxis (von links): Simone Senst (Wildauer Schmiede- und Kurbelwellentechnik), Ramona Sabelus (Walter Schmidt), Prof. Dirk Engelhardt (BGL), Andrea Nahles (SPD), Eberhard Tief (LBBV) und Udo Schiefner (SPD).

Spediteurin Sabelus, die im Ehrenamt Präsidentin des LBBV ist, regt an, dass Fahrer eine Frist von bis zu drei Stunden zugebilligt bekommen, um an Feiertagen noch nach Hause zurückkehren zu können. „Wenn alle predigen, wie wichtig das soziale Umfeld ist, müssen wir auch Taten folgen lassen“, sagt die Unternehmerin. In der Praxis müssten Fahrer häufig grenznah im Ausland die Zeit bis nach dem deutschen Feiertag überbrücken, ehe sie losfahren könnten. „Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter nach Hause zurückkehren können, um zum Beispiel das Osterfest im Kreis ihrer Lieben zu verbringen“, sagt sie. Das gelte erst recht angesichts der Vielzahl an regionalen Feiertagen.

Sabelus: Parkgebühren von zehn Euro sind der Hohn

Weitere Themen des Gesprächs waren die Wartezeiten an der Rampe, die sanitären Verhältnisse vor Ort oder die unzureichenden Parkmöglichkeiten entlang der Hauptverkehrsachsen in Deutschland. „Unsere Fahrer haben geschildert, wie es ins Geld geht, wenn sie unterwegs duschen oder an Autohöfen parken möchten“, sagt Sabelus. Sie empfindet Parkgebühren von zehn Euro als Hohn. Walter Schmidt und RS Meditrans unternähmen alles Menschenmögliche, um Fahrern mit top ausgestatteten Lkw – seien es Assistenzsysteme, Klimaanlagen, Komfortsitze oder Mikrowellen – den Alltag angenehm zu gestalten. Und der Staat käme seiner Verantwortung – dem Bau von kostenfreien Parkplätzen – schlichtweg nicht nach.

Die Verbandsvertreter wiederum nutzten das Treffen, um die aktuellen verkehrspolitischen EU-Themen zur Sprache zu bringen – allen voran das Mobilitätspaket. „Wir haben über die Gefahren der Planen-Sprinter gesprochen, die unsere Fahrer schneiden, sie ausbremsen und sich nicht an Überholverbote halten“, wie Sabelus berichtet. Die EU-Kommission will im Rahmen des Mobilitätspakets dieses Fahrzeugsegment stärker regulieren.

BGL-Chef Engelhardt: konstruktives Treffen mit Nahles

Auch BGL-Vorstandssprecher Engelhardt spricht gegenüber trans aktuell von einem „konstruktiven Treffen“ mit den beiden SPD-Bundestagsabgeordneten. Er erkennt an, dass Andrea Nahles die Themen Sozialdumping und Vagabundentum im Fahrerhaus bereits bekannt gewesen seien. Die von Unternehmerin Sabelus angeregte Flexibilisierung der Lenkzeiten liegt auch Engelhardt am Herzen. Der BGL hatte sich auch in den Verhandlungen mit den Brüsseler Gremien dafür stark gemacht, Fahrern am Ende einer Arbeitswoche für die Rückfahrt nach Hause noch ein Mehr an Lenkzeit zuzubilligen, das im Nachhinein ausgeglichen werden muss.

Und wenn es sich schon ergibt, dass eine prominente Politikerin eine Unternehmerin besucht, bot es sich für BGL-Chef Engelhardt an, auch über Anreize beziehungsweise Modelle zu sprechen, um vermehrt Frauen für die Transport- und Logistikberufe zu begeistern. Zu diesem Zweck arbeitet der Verband neuerdings auch mit TV-Truckerin Christina Scheib zusammen.

BGL-Vorstandssprecher Dirk Engelhardt wertet die Aussagen von Nahles und Schiefner in Wildau als Zusage, dass die SPD-Fraktion die Branche stärker unterstützen möchte. „Sie haben erkannt, dass die Unternehmen und ihre Fahrer das Rückgrat der deutschen Wirtschaft sind“, sagt er. BGL und LBBV möchten die Punkte des Treffens noch zusammenfassen, damit Arbeitsgruppen diese Themen weiter vorantreiben können.

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