Truck Race Europameisterschaft 2021

Packender Saison-Auftakt am Hungaroring

Truck Race Hungaroring 2021 Foto: Richard Kienberger 56 Bilder

Einen Auftakt nach Maß haben die Truck Racer in Ungarn hingelegt - zumindest, wenn es darum geht, möglichst viel Action auf die Strecke zu bringen.

„Ich dachte, der Artikel wäre schon so gut wie geschrieben, die Überschrift hatte ich schon fertig im Kopf!“ Die Kollegin gab zu, dass sie sich den Ausgang des Auftaktrennens der neuen Europameisterschaftssaison eigentlich ganz anders vorgestellt hatte. Nach freiem Training und Qualifying konnte es keine vernünftigen Zweifel daran geben, dass sich der Lokalmatador vorgenommen hatte, seinen Heim-Grandprix zu dominieren. Norbert Kiss war mit seinem feuerroten MAN der Konkurrenz weit enteilt und hatte den Kampf um die Superpole mit mehr als einer Sekunde Vorsprung für sich entschieden – Welten im Rennsport. Doch dieser Samstag sollte noch einige Überraschungen mit sich bringen. Der eingangs erwähnten Kollegin dämmerte schon in der Anfangsphase des ersten Rennens, dass sie ihre Überschrift wohl umformulieren müsste: Der rote MAN mit Kiss am Steuer wurde immer langsamer, Sascha Lenz, der nach dem Start sehr schnell mehr Zweitplatzierter denn Verfolger war, überholte den Lokalmatador, dessen Racetruck die Arbeit verweigerte. Schließlich musste Kiss das Rennen ganz aufgeben – der Schlauch an seinem Turbolader war offenbar nicht richtig montiert und hatte sich gelöst. Kleine Ursache, große Wirkung, der Auftakt war nicht so, wie sich das der Ungar wohl erhofft hatte. Umso größer war die Freude von Sascha Lenz, der sich mit deutlichem Abstand vor Jochen Hahn und Adam Lacko als Gewinner des ersten Wertungslaufs nach der langen Zwangspause durchsetzte.

Faas und Albacete im folgenschweren Clinch

Die nächste unerwartete Wendung nahm dieser Auftakttag dann wenige Sekunden nach dem Start zum zweiten Rennen. Steffen Faas und Antonio Albacete waren in der ersten Kurve aneinandergeraten. Faas drehte sich, kam zurück auf die Piste – und knallte kurz darauf spektakulär in Reifenstapel, Leitplanke und Fangzaun vor der zweiten Kurve. Vermutlich war das Luftdrucksystem seines Scania bei der Karambolage mit dem Spanier beschädigt worden, so dass ein spezielles Notfallventil eine Vollbremsung eingeleitet hatte.

Weil die Reparatur der Schäden an der Streckenbegrenzung nicht von jetzt auf gleich zu erledigen war, entschied sich die Rennleitung nach längerer Unterbrechung, den Lauf zu annullieren und angesichts der fortgeschrittenen Zeit nicht mehr neu zu starten.

Glücklicherweise blieb Faas bei dem Crash unverletzt, die Schäden am Truck sahen auch spektakulärer aus, als sie waren: „So schlimm war’s nicht,“ meinte der Crash-Pilot am nächsten Morgen. Da konnte er schon wieder lachen, während sich die Crew noch den Schlaf aus den Augen rieb. Bis morgens um 4 Uhr hatte das Team gearbeitet, danach war der Scania wieder in gebrauchsfertigem Zustand.

Kiss trumpft auf: Sonntag ganz nach Plan

Am zweiten Tag konnte der Local Hero dann seine Pläne für einen Galaauftritt vor seinen Fans wie erhofft umsetzen, Norbi Kiss durfte den Sonntag als großer Gewinner feiern. Nach der schnellsten Rundenzeit in der Superpole – diesmal mit über zwei Zehntel Vorsprung vor Lenz – beendete der MAN-Pilot auch die beiden Rennen mit einem dicken Ausrufezeichen. Dass der erste Lauf mit diesmal funktionierendem Truck eine klare Sache für den Ungarn werden würde, war zu erwarten. Kiss war damit aber noch lange nicht zufrieden, auch im abschließenden Rennen ließ er dem Rest des Feldes nicht den Hauch einer Chance. Nachdem er sechs vor ihm gestartete Fahrer abgehakt hatte, war die Frage nicht ob, sondern wie lange die das Feld anführende Steffi Halm dem Druck des Lokalmatadors Stand halten würde. Nachdem Kiss in der achten Runde auch an der Konkurrentin vorbei gerauscht war, baute er seinen Vorsprung in den verbleibenden drei Umläufen auf mehr als drei Sekunden aus. Halm blieb Zweite, hatte aber große Mühe, Adam Lacko bis zur karierten Flagge auf Abstand zu halten. “Adam war klar der Schnellere und ich hatte Mühe, ihn hinter mir zu behalten, um den zweiten Platz nicht zu verlieren!“ sagte Steffi später im Interview.

Rekordmeister Hahn kann sich nicht durchsetzen

Jochen Hahn musste sich mit dem Podiumsplatz des ersten Tages begnügen. Er hatte in der Winterpause einen neuen Renntruck aufgebaut und dabei „neue Wege beschritten.“ So richtig rund lief es mit dem neuen Einsatzfahrzeug noch nicht, da ist wohl noch einiges an Feintuning nötig. Wie stark die Chancen des Rekordeuropameisters einzuschätzen sind, wird sich wohl erst am Nürburgring zeigen. Kiss ist auf seinem Heimkurs schwer zu schlagen, sofern er ein konkurrenzfähiges Fahrzeug hat. Daran bestand in diesem Jahr kein Zweifel, zumal das MAN-Lager gewaltig aufgeholt hat. Was sich schon im Corona-Jahr 2020 angedeutet hat, bestätigte sich auf dem Hungaroring: Kiss, Lenz und Albacete (Vierter in Rennen 3) werden in dieser Saison wohl häufiger auf dem Siegertreppchen zu sehen sein als in den letzten Jahren.

Die Tabelle führt nun der MAN Pilot Sascha Lenz mit 40 Punkten an. Gefolgt von Adam Lacko mit 32 Punkten und Norbert Kiss mit 30 Punkten.

Nun werden alle Teams die Renntrucks nochmals durchchecken und die in Ungarn aufgetretenen Wehwehchen der Technik modifizieren und frisch gestärkt zum 2. Lauf der Saison vom 16.-18. Juli an den Nürburgring reisen.

Tickets für den Truck-Grand-Prix

Der Ticketverkauf für den Truck-Grand-Prix startet zwar verspätet, aber nun doch endlich am 17. Juni 2021 auf www.truck-grand-prix.de.

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