Sprinter-Minibusse

Dortmunder Vorhut

Mercedes Sprinter Minibus Foto: Daimler 4 Bilder

Im Minibus-Segment ist Spannung angesagt – und das nicht nur, weil sich vanseitig die Wege von Daimler und VW getrennt haben und der Wolfsburger Konzern mit Crafter und TGE gleich zwei Baureihen an den Start bringt. Nein, auch bei Mercedes tut sich mit dem neuen Sprinter eine Menge.

Bei den neuen Minibussen auf Sprinter-Basis starten zunächst die hier vorgestellten Modelle – sowie der große City 75, der eines der Highlights der Baureihe mit neuer Schwerlast-Hinterachse ist (Test folgt im Frühjahr 2019). Die Änderungen betreffen vor allem das jetzt deutlich charaktervollere Design und die Innenausstattung und das Cockpit, das als zweite Mercedes-Baureihe nach der A-Klasse über das neue Multimedia-System MBUX (MB User Experience) in drei Versionen verfügt und auch im Minibus das digitale Mercedes-Design einläutet.

Das neue mittlere Bedienteil mit dem sieben oder 10,25 Zoll großen Touchscreen fügt sich zwar optisch nicht perfekt in das ansonsten tadellose Cockpit ein, auch der aufgesetzte Schaltercluster für Zusatzbedienteile verströmt eher den Charme der 90er Jahre. Auf ein Handschuhfach haben die Konstrukteure gleich ganz verzichtet, aber direkt unterhalb und oberhalb der Windschutzscheibe gibt es allerhand Ablagen, die recht gut erreichbar sind. Die sehr dominanten Becherhalter in Kniehöhe sind sicher praktisch, man würde sich aber eine einfache Wechselmöglichkeit gegen andere Staufächer für den täglichen Krimskrams freuen. Neben dem Touchscreen kann der Fahrer auch das auf Wunsch farbige Menü vor sich mit einem Mini-Touchpad im sehr eleganten Lenkrad bedienen. Bleibt zu hoffen, dass der Fahrer sich nicht überfordert fühlt mit der digitalen Aufrüstung – wir haben alleine schon den guten alten USB 2.0 Anschluss vermisst, der dem durchaus moderneren USB-C gewichen ist. Und warum der funktionslose Steckplatz für den Keyless Go-Schlüssel (Serie!) so tief unten liegt, muss man nicht wirklich verstehen.

Fahrwerks- und motorenseitig bleibt erstmal alles beim Alten, auch wenn sich schon neue, blitzsaubere Motoren aus dem Pkw-Bereich in der Warteschleife warmlaufen. Bis dahin darf man sich weiterhin an den bekannten Vier- und Sechszylindern erfreuen, die optional mit der 7G-Tronic Plus-Automatik gekoppelt sind und ihre Sache immer noch sehr gut machen. Erfreulich: Die bisher recht dominanten Ansauggeräusche an der rechten Stirnwandseite sind jetzt dank einer besseren Kapselung fast völlig verschwunden! Auch wenn der knapp sechs Meter lange Mobility 23 der einzige Sprinter sein wird, der auch mit bis zu acht Sitzen oder maximal vier Rollstühlen mit Klasse B-Führerschein bewegt werden darf, sollte der Betreiber dem Lenker nicht den ausschließlich hier verbauten „Fahrersitz verstellbar" zumuten. Sein Sitzkomfort kommt bei weitem nicht an den des ansonsten verwendeten Komfort-Modells heran, das auf Wunsch auch elektrisch in fünf Ebenen verstellt und mit Lordosenstütze ausgestattet werden kann. Natürlich ist auch weiterhin ein Schwingsitz á la Großbus verfügbar.

Sprinter Mobility 23: Einsteiger mit Nehmerqualitäten

Erfreulich am kleinsten Vertreter der Baureihe ist sein komfortables Fahrverhalten, das neben dem geringeren Gewicht von rund zwei Tonnen sicher auch dem Reifenformat von breiten 235/65 R 16 und der hinteren Singlebereifung geschuldet ist. Auch der sehr kompakte Wendekreis von nur knapp über 13 Metern sorgt für hohe Wendigkeit, die elektromechanische Lenkung vermittelt dabei immer besten Fahrbahnkontakt. Der kompakte Wagen fährt sich deutlich Pkw-artiger und merklich komfortabler als sein großer Bruder Transfer 35, der unbeladen und ohne Luftfederung hinten doch arg spröde über die Straßen rollt. Zudem erspürt die jetzt „noch sensibler ausgelegte" GfK-Vorderachse wirklich jede Unebenheit im Asphalt zuverlässig und teilt sie dem Fahrer mit – wenn auch selten unangenehm, so doch immer merklich. Im Innenraum des Mobility geht es ebenso mit der einzig verfügbaren Einstiegsbestuhlung M1 recht spartanisch zu, im Transfer 35 ist die hochfeste, 420 Millimeter breite „Inter Star Sprinter" Serie, die vor einem Jahr eingeführt wurde. Als Innendecke kommt im auf mobilitätseingeschränkte Passagiere ausgelegten Bus wie auch im Transfer 35 die Crew-Version zum Einsatz, Omnibus-Decken mit LED-Beleuchtung oder gar Gepäckablagen sind erst ab den 45er-Modellen beider Baureihen verfügbar. Generell wirkt die sehr dunkle Farbgebung beider Testbusse nicht sehr freundlich, aber mit der geschickten Wahl der Seitenwände und Sitzbezüge sollte hier etwas mehr Leben in die Hütte zu zaubern sein.

Neu ist der Hublift im Heck des Mobility 23, der zwar immer noch nicht mehr als 350 Kilo hieven kann, aber selbst deutlich leichter ist und durch seine faltbare Konstruktion jetzt die Sicht nach hinten freigibt. Zudem ist die Bedienung deutlich vereinfacht worden und der Zugang zum Innenraum durch die neuen 270-Grad-Scharniere erleichtert worden. Am generellen System der Airline-Schienen für bis zu vier Rollstühle oder eine Kombination mit normalen Sitzen hat sich nichts geändert, weiterhin sind auch praktische Dreh-Klappsitze verfügbar. Die kleine Trittstufe fährt weiter an der breiten Seitentür aus, auch wenn es aufgrund der neuen Einstiegshöhe von nur 270 Millimetern kein Kneeling mehr gibt für die Sprinter.

Sprinter Transfer 35: Der Allrounder

Deutlich erwachsener kommt der Transfer 35 daher, obwohl er in seiner zweitkürzesten Variante (als Rechtslenker gibt es auch einen 23er) von knapp sieben Metern noch nicht über eine veritable Omnibusecke verfügt. Mit bis zu 19 Plätzen und den hochfesten Sitzen kann man schon kleine Gruppen gut befördern, in der Serie sind es aber nur 15. Einen veritablen Kofferraum inklusive Busheck wird aber erst Ende 2019 der Transfer 55 bieten. Bleibt den Gästen im 35er leider nur Boden, Schoß oder der sehr knapp bemessene Raum hinter der Heckklappe für ihre Habseligkeiten.

Aufgrund des niedrigen Einstiegs ist eine Trittstufe nicht mehr nötig, trotzdem werden auf Höhe der Beifahrertür drei verschiedene Türvarianten angeboten. Als 45er Version mit Businnendecke und Luftfederung hinten kommt der Transfer als Allrounder nahe an die ebenfalls erst 2019 startenden Travel-Modelle heran. Aber so ist das eben oft mit der Vorhut einer breiten Modell-Palette: Sie macht allerhand Vorfreude, aber das richtige Feuerwerk kommt oftmals erst hinterher.

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