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BAG-Marktbeobachtung 2017

Auftragslage auf Transportmarkt bleibt stabil

Foto: INDUSTRIEBLICK - fotolia

Die BAG-Marktbeobachtung 2017 liest sich gut für die Transport- und Logistikbranche: Steigende Umsätze sorgen trotz Fahrermangel für gute Erträge.

Die Transporteure und Spediteure dürften derzeit zufrieden sein, denn der Wachstumskurs der deutschen Wirtschaft hält an. Für den gesamtmodalen Güterverkehr werden mittelfristig erneut Zuwächse erwartet. Nach Mitteilung des Bundesamts für Güterverkehr (BAG) soll die Beförderungsmenge 2018 um 1,4 Prozent zulegen, die Verkehrsleistung um 1 Prozent. Für 2019 bis 2021 werden ebenfalls Zunahmen prognostiziert – jährlich 0,2 Prozent bei den Mengen und 0,3 Prozent bei der Leistung. Damit zeigt sich die Auftragslage auf dem Transportmarkt weiterhin äußerst stabil, denn auch 2017 waren die Umsätze im gewerblichen Straßen- und Schienengüterverkehr sowie in der Binnenschifffahrt angestiegen – auf der Straße mit einem Plus von 3,9 Prozent so stark wie seit 2014 nicht mehr. Wie das BAG in seiner verkehrsträgerübergreifenden Marktbeobachtung im Jahresbericht 2017 weiter mitteilt, hatten in Marktgesprächen viele Straßentransportunternehmer sogar von "möglichen höheren Umsatzsteigerungen" berichtet. Sie hätten jedoch nicht realisiert werden können, weil nicht genug Kraftfahrer verfügbar gewesen seien. So hätten ihre Unternehmen vor allem Stammkunden bedient und andere Aufträge aus Kapazitätsgründen abgelehnt.

Höhere Löhne und Gehälter

Das Fahrerproblem zeigte sich 2017 besonders deutlich auch im Rahmen der Gesamtkostenentwicklung. Ursächlich dafür waren höhere Löhne und Gehälter. Berichtet wird erneut von "zugenommenen gezielten Abwerbungsversuchen" von Kraftfahrern. Spiegelbildlich gewannen betriebliche Maßnahmen zur Bindung des eigenen Fahrpersonals an Bedeutung. Nicht selten wurden übertarifliche Lohnsteigerungen gewährt. Die Anhebung von Spesensätzen, die Einführung von Prämiensystemen sowie die Beteiligung der Fahrer bei der Auswahl der Sicherheits- und Komfortausstattung ihrer Lkw waren oft zusätzliche Schritte für attraktivere Arbeitsbedingungen. Stark beeinflusst wurde die Gesamtkostenentwicklung auch von höheren Dieselpreisen, die 2017 erstmals seit vier Jahren wieder zugelegt hatten, für Großverbraucher gegenüber dem Vorjahr um satte acht Prozent. Klar, dass hiervon der Straßengüterfernverkehr aufgrund seines höheren Anteils der Kraftstoff- an den Gesamtkosten stärker betroffen war als der Regional- und Nahverkehr. Betriebswirtschaftliche Maßnahmen zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs richteten sich weiterhin auf den zunehmenden Einsatz von Euro-VI-Fahrzeugen sowie unterstützenden Fahrerassistenz- und Telematiksystemen wie auch auf Fahrerschulungen. Trotz dieses Hintergrunds wurden im Jahr 2017 im gewerblichen Straßengüterverkehr Umsatzrenditen zwischen einem und drei Prozent erwirtschaftet. Unternehmen, die dank freier Fuhrparkkapazitäten vergleichsweise höhere Beförderungsentgelte durchsetzen konnten, nannten zum Teil sogar Umsatzrenditen von fünf Prozent und mehr. Etliche Unternehmen erzielten innerhalb dieser Bandbreiten im Vergleich zum Vorjahr "moderate Renditesteigerungen".

Logistikkunden zahlen

Fortgesetzt haben sich 2017 Bestrebungen von Transportdienstleistern, für Direktkunden Lagerhaltung und hochwertige logistische Dienstleistungen zu erbringen, vorzugsweise in wachstumsorientierten Branchen. Dienstleister mit einem hohen Logistikanteil zeigten sich daher mit der Entwicklung ihrer Ertragslage in der Regel zufrieden – im Gegensatz zu reinen Transporteuren, die trotz Gesamtkostensteigerungen meist keine höheren Preise bei ihren Auftraggebern durchsetzen konnten. Ertragsminderungen mussten solche Unternehmen hinnehmen, die zu Zeiten expansiver Nachfrage Laderaumkapazitäten am freien Markt vergleichsweise teuer einkaufen mussten, um ihre vertraglichen Leistungsverpflichtungen erfüllen zu können.

Bei den Fahrzeuginvestitionen dominierten 2017 weiterhin die Ersatzinvestitionen zur Modernisierung der Flotten. Trotz anhaltend günstiger Finanzierungsbedingungen hielten viele Unternehmen ihre Laderaumkapazitäten im Vergleich zu 2016 bei. Erweiterungsinvestitionen erfolgten vorrangig nur bei Neugeschäften und verstärkter Nachfrage von Bestandskunden. Aufgrund von Laderaumengpässen auf dem freien Markt gingen einige mittlere und große Logistikunternehmen dazu über, einen eigenen Nahverkehrsfuhrpark aufzubauen, um die Bedienung wichtiger Stammkunden sicherzustellen. Auswirkungen auf die Fahrzeuginvestitionen hatten die eingeschränkte Verfügbarkeit geeigneter Fahrer sowie der fortschreitende Rückzug deutscher Frachtführer aus nationalen und internationalen Langstreckenverkehren zugunsten eines verstärkten Selbsteinritt im Regionalverkehr mit einem speziell auf die Kundenbedürfnisse zugeschnittenen Fuhrpark.

Insgesamt wurden 2017 bundesweit mehr als 42.500 Lkw über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht neu zugelassen, rund drei Prozent weniger als 2016. Die Anzahl der zugelassenen Sattelzugmaschinen stieg dagegen um 1,7 Prozent auf knapp 37.600. Häufig wurden Neufahrzeuge mit der neuesten verfügbaren Generation von Fahrerassistenzsystemen wie Abbiegeassistenten und GPS-Tempomat sowie teils mit Systemlösungen für eine vorausschauende Wartung bestellt.

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Jan Bergrath, Experte für Fahrerthemen Jan Bergrath Journalist
Harry Binhammer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Harry Binhammer Fachanwalt für Arbeitsrecht
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