Erstes Elektrobus-Chassis

Eigenentwicklung von Mercedes-Benz Brasilien

Bus-Chassis Foto: Daimler 3 Bilder

Mercedes-Benz hat in Brasilien ein vor Ort entwickeltes Elektrobus-Chassis mit der Bezeichnung eO500U vorgestellt. Es zeichnet sich durch einen Niederflurboden in Low Entry-Bauweise aus und kann Aufbauten bis 13,2 Meter Länge aufnehmen. Die Basis bildet das Diesel-Chassis O500 U 1726 mit ähnlichen Dimensionen. Das Fahrgestell soll mit Akasol-Batterien bis zu 250 Kilometer Reichweite bieten und ab 2022 angeboten werden.

Mercedes-Benz zielt mit dem Elektrobus-Chassis primär auf Märkte in Süd- und Mittelamerika ab, aber auch nach Ozeanien soll es einer begleitenden Mitteilung zufolge aus Brasilien importiert werden. Für einen Einsatz in Europa sind die robusten Spezifikationen der Brasilien-Chassis dagegen eher ungeeignet. Um das Projekt bei Tochter Mercedes-Benz do Brasil zu entwickeln, hat der Autokonzern 100 Millionen Reais (umgerechnet rund 16,2 Millionen Euro) investiert. Zwei Prototypen des Low-Entry-Chassis wurden zunächst in Mannheim bei Evobus gebaut und getestet, das Serienprodukt soll in Brasilien weiterentwickelt und 2022 auf den Markt gebracht werden.

4x2-Chassis für bis zu 83 Fahrgäste

Zu den Spezifikationen ist Folgendes bekannt: Das eO500U-Fahrgestell ist ein 4×2-Standardmodell der Mercedes-Benz O 500-Serie und basiert auf dem bekannten O 500 U 1726 als Low Entry mit vorderer Starrachse. Es kann bis zu 13,2 Meter lange Aufbauten tragen und voraussichtlich bis zu 83 Personen befördern, natürlich immer in Abhängigkeit der Ausstattung mit Batteriepaketen. Der Elektromotor soll in die Hinterachse integriert sein, durch die Low Entry-Bauweise könnte sowohl die ZF AxTrax AVE 130 als auch der Zentralmotor CeTrax zum Einsatz kommen – letzterer würde sich bei den Straßenverhältnissen in Südamerika durchaus eher anbieten. Mercedes-Benz macht zu konkreter Bauart und Motorleistung noch keine Angaben. Am Rande der Einweihung der Akasol Gigafactory 1 in Darmstadt war zu vernehmen, dass es wohl Akkus des hessischen Mercedes-Partners sein werden, die mit Hilfe des Borg Warner-Kundennetzwerkes in Brasilien bereitgestellt werden – Daimler hat uns dies auch selbst bestätigt. Zur Ladedauer heißt es lediglich, dass zur vollständigen Aufladung der Batterie drei Stunden benötigt würden, was auf eine Schnellladung mit mindestens 150 kW hinweisen dürfte.

Preis deutlich höher als bei Verbrenner

Den Preis nennt der Hersteller naturgemäß nicht, wie so oft bei Elektrobussen, deren Preise noch sehr stark variieren und von Förderungen abhängig sind. Das brasilianische Portal „Noticias Automotivas“ berichte jedoch laut dem deutschen Online-Portal „electrive“, dass der Preis das „Drei- bis Vierfache des Preises eines Fahrgestells mit Dieselmotor“ betragen wird und seitens Mercedes-Benz mit einer Amortisation der Investitionskosten nach 13 Jahren gerechnet werde. Bei einem reinen Chassis schlagen die Batteriekosten natürlich viel deutlicher durch als bei einem Komplettbus, den Mercedes-Benz do Brasil auch schon mit einem entsprechenden lokalen Aufbau des Typs „Super Padron“ zeigte, der erst im April 2021 als kostengünstiger Zweiachser mit Dieselmotoren auf dem dem Elektrochassis verwandten Chassis O 500 R 1830 vorgestellt wurde und direkt von Mercedes-Benz do Brazil vertrieben wird.

Dieses Modell wird bisher vom brasilianischen Aufbauhersteller Caio auf Basis deren Stadtbusses „Millennium“ gefertigt, aber auch mit Marco Polo sei man in entsprechenden Verhandlungen, wie es bei Mercedes in Stuttgart heißt.

São Paulo als Großkunde

Ebenfalls bei „Noticias Automotivas“ heißt es, dass zunächst 150 bis 200 E-Busse auf Basis des Chassis pro Jahr allein an die brasilianische Metropole São Paulo gehen sollen. Grundsätzlich will Mercedes-Benz do Brasil Kunden eine umfassende Beratung zur Anwendung und Nutzung der neuen Technologie, zur Ladeinfrastruktur und zum Flottenmanagement bieten nach dem Muster von „Mobilitity Solutions“ in Europa. Die Rede ist von einem „Ökosystem, das auch exklusive Dienstleistungen für Elektrofahrzeuge umfasst“ und den gesamten Lebenszyklus der Fahrzeuge abdecken soll.

Die Entwicklung des ersten Mercedes-Benz’ E-Bus-Fahrgestells in Brasilien kommt nicht von ungefähr. Bei Mercedes-Benz do Brasil ist Daimlers globales Kompetenzzentrum für die Entwicklung der Busfahrwerke der Marke angesiedelt. Das Fahrgestell eO500U wurde nach Angaben des Herstellers für die brasilianischen Gegebenheiten entwickelt, nachdem es in Deutschland, wo man auf das mittlerweile schon ausgedehnte Know-how von Daimler bei Elektrobussen zurückgreifen konnte, ausgiebig getestet wurde.

Mercedes ist nicht allein

Laut Karl Deppen, Präsident von Mercedes-Benz do Brasil & CEO Latin America, ist das neue E-Chassis nur der erste Schritt von Mercedes-Benz do Brasil in die Welt der Elektromobilität. „Unsere Aufmerksamkeit und unsere Strategien sind auf die Gegenwart und die Zukunft gerichtet. Daher sind wir uns der Herausforderungen bewusst, die vor uns liegen.“

Mercedes-Benz wird allerdings nicht der erste Hersteller sein, der E-Busse in Brasilien fertigt. Der chinesische Konkurrent BYD eröffnete bereits 2015 ein Werk in Campinas. Seitdem fertigt das Unternehmen vor Ort Fahrgestelle für Elektrobusse. In Europa bieten derzeit nur Caetano aus Portugal und Toyota gemeinsam ein E-Bus Chassis (e.CC100 und e.CC102) in Voll-Niederflur- und Low Entry-Bauweise mit Siemens Zentralmotoren an. Caetano Komplettbusse werden bald in Wiesbaden und einigen anderen deutschen Städten geliefert werden, vor allem als Wasserstoffversionen. Auch Scania bietet das neue C-Chassis, die Basis des neuen Elektrobusses CityWide LF BEV als Zweiachser und Gelenkbus als E-Chassis an, der Zweiachser soll rein technisch bis zu 100 Personen befördern können.

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