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BGL-Botschafterin für Lkw-Fahrerinnen

Christina Scheib: Cockpit statt Büro

Foto: BMVI

Seit acht Jahren arbeitet Christina Scheib als Lkw-Fahrerin und engagiert sich nun im Auftrag des BGL für alle Fahrerinnen.

Präsent und aufmerksam sitzt Christina Scheib (34), gekleidet in einen schicken Hosenanzug, in der ersten Reihe bei einem Forum der Messe Transport Logistic in München. Es geht um Berufskraftfahrer und darum, wie der Beruf auch für Frauen attraktiver werden kann. Als Christina Scheib schließlich vom Chef des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), Professor Dirk Engelhardt, als Botschafterin für Berufskraftfahrerinnen vorgestellt wird, betritt sie festen Schrittes die Bühne. Dort stehen insgesamt sieben Sessel für sie und die anderen Teilnehmer einer BGL-Podiumsdiskussion mit dem Titel „Lkw-Fahrer 4.0 – quo vadis, Berufskraftfahrer?“ bereit. Fachlich versiert und charmant wird die Truckerin während der Veranstaltung Rede und Antwort stehen.

Ansonsten sind auf der Messe eher wenige Lkw-Fahrer zu sehen – und noch weniger Lkw-Fahrerinnen. Und doch geht es beim Forum des BGL um genau diese Berufsgruppe. Denn in der ganzen Branche ist bekannt, dass es in Deutschland mächtig an Berufskraftfahrern mangelt. Aber auch an Berufskraftfahrerinnen – die im Folgenden jeweils in der männlichen Form genannt werden, was ausschließlich der besseren Lesbarkeit geschuldet ist.

Christina Scheib hat eine Mission und formuliert sie als Botschaft für alle Lkw-Fahrer: „Gebt nicht auf, wir sind wahnsinnig wichtig für die Gesellschaft!“ So sagt sie es im Gespräch mit unserer Redaktion und fügt hinzu, extra für die weiblichen Fahrer: „Lebt eure Träume! Frauen sollen sich mehr trauen!“ Ihr Traum sei es schon immer gewesen, sich für Frauen einzusetzen – auch für die, die schon vor ihr „da waren“. Außerdem möchte die engagierte, junge Fahrerin die Themen rund um Berufskraftfahrer in einem anderen Licht darstellen. Dass sie nun Botschafterin des BGL ist, hat sie ihrer eigenen Initiative zu verdanken, „weil es mir so wichtig ist“, ist ihre schlichte Begründung. Ihren Traum konnte die 34-Jährige schon ein bisschen im TV-Format „Asphalt Cowboys“ auf DMAX als „Trucker-Prinzessin“ ausleben. Auch der „Münchner Merkur“ berichtete über sie, und die „Bild-Zeitung“ betitelte sie gar als „Trucker-Königin vom Tegernsee“. Und so war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis sie der BGL als Botschafterin für Lkw-Fahrer und -Fahrerinnen verpflichtete.

Insgesamt acht Jahre lang ist Christina Scheib mittlerweile als Lkw-Fahrerin unterwegs. Zuvor hatte sie im Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen gearbeitet und war auch davor am Schreibtisch tätig gewesen: in verschiedenen Krankenhausverwaltungen, beispielsweise als Sekretärin eines ­Chefarztes. Auch eine Ausbildung zur Rettungssanitäterin absolvierte die junge Frau und transportierte Patienten, Blut oder Medikamente. Für ihre Ausbildung als Berufskraftfahrerin entschied sich Christina Scheib während einer Tätigkeit als Bürokauffrau und finanzierte sich die Erfüllung dieses Traums durch einen Nebenjob, der ebenfalls eher als Männerdomäne gilt: bei der Pannenhilfe. Berufskraftfahrerin schließlich war sie zunächst im ­Baustellenverkehr.

Seit Kurzem ist die 34-Jährige bei SGR-Logistik in Wolfratshausen angestellt und postete auf Face­book an ihrem ersten Arbeitstag stolz ihren nigelnagelneuen blauen 40-Tonner von Scania, genauso auf Instagram, wo die engagierte Berufskraftfahrerin sehr präsent ist. Regelmäßig postet Christina Scheib auf ihren Social-Media-Kanälen aus ihrem Alltag, schreibt Beiträge für ein Blog des österreichischen Reifenherstellers Semperit, der sich unter dem Namen „Unermüdlich. Wie Du“ finden lässt, bezieht Stellung, wenn sich ein Vater Sorgen macht, weil seine Tochter ­Berufskraftfahrerin werden möchte, oder gibt via Face­book anderen Fahrern Tipps, wie man auf Tour im Falle von Krankheit oder Zahnschmerzen Unterstützung bekommen kann.

„Mein neuer Arbeitgeber unterstützt mich als BGL-Botschafterin zu 100 Prozent“, berichtet Christina Scheib, „und er ist sogar stolz.“ Überrascht hat sie an ihrer neuen Aufgabe, dass sie überhaupt so gefragt ist, dass es so viel Zuspruch gibt, aber auch, dass „so viel Negatives kommt, vor allem im Internet“. Es sei gar schon vorgekommen, dass Fahrer einerseits zwar sagten, sie wollten an ihrer großen Arbeitsbelastung etwas ändern, dann aber doch keine Frauenquote wollten. Einer habe sogar behauptet, dass Frauen als Lkw-Fahrer arbeiten, verstoße gegen das Grundgesetz. Die Trucker-Prinzessin berichtet aber auch von ganz und gar nicht prinzessinnenhaften Begebenheiten auf Rastplätzen – wo sie manchmal schon gleich zu Pausenbeginn die Vorhänge zuzieht – oder an Abladestellen, bei denen Fahrern grundsätzlich nicht erlaubt werde, die Toilette aufzusuchen.

Unterwegs ist Christina Scheib in ganz Europa, auch mehrtä­gige Touren stehen auf dem Programm. Sie transportiert die unterschiedlichsten Waren, von Obst und Gemüse bis zu Bauteilen, „immer das, was gerade ansteht“. Mit an Bord sind immer ihr Maskottchen, ihr „Brummi“, und ihr Namensschild mit dem Aufdruck „Prinzessin“.

Ganz egal, ob sie gerade fährt, sich mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in einem Video auf Bayerisch übers Lkw-Fahren unterhält, beim Charity-Projekt Trucker for Kids auftritt oder bei einer Fachmesse auf dem BGL-Podium mit Experten dis­kutiert, eines wird ganz klar: Diese Frau hat eine Mission – eine Botschaft an die gesamte Gesellschaft und vor allem an Frauen, die Lkw-Fahrerin sind oder es werden ­wollen.

Botschafterin des BGL

  • In Deutschland fehlen aktuell rund 45.000 bis 60.000 Lkw-Fahrer und -Fahrerinnen – die veröffentlichten Zahlen variieren.
  • Nur rund 1,7 Prozent der Lkw-Fahrer sind Frauen.
  • Seit April ist Christina Scheib für den BGL als Botschafterin für Frauen im Logistik­bereich tätig.
  • Professor Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des BGL, sagt: „Ich habe das Engagement von Frau Scheib sofort als positiv angesehen.“ Im Verband seien bei der Entscheidung für sie als Botschafterin alle weiblichen Führungskräfte einbezogen gewesen.
  • Dem BGL geht es mit seiner Botschafterin darum, dem Fahrermangel auch damit zu begegnen, dass der Beruf für Frauen attrak­tiver wird und sich für flexiblere Teilzeit­arbeitsmodelle öffnet.
  • Der BGL möchte mit Christina Scheib Frauenstammtische gründen und hat bereits Unternehmen besucht, gestärkt in dieser Sache durch seine Botschafterin. „Wir brauchen jetzt viele kleine Bausteine, um gemeinsam weiterzukommen“, sagt Engelhardt.
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