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Einzeltest: Mercedes Axor 1843 im Test

Immer reifer wird der Mercedes Axor, immer mehr nähert er sich dem Actros an. Für den letzten Rest Abstand zum großen Bruder sorgen der etwas eingeschränkte ­Komfort, die einfachere Machart und der günstigere Preis.

Not macht erfinderisch. Auf die Herausforderung der Wettbewerber, die mit leichten, starken und zugleich preiswerten Sattelzugmaschinen längst eine neue Klasse geschaffen hatten, musste Mercedes reagieren. Und erfand in der Not vor rund zehn Jahren den Axor, der vorerst nur als Sattelzugmaschine zu bekommen war. Die Kunst bestand darin, aus vorhandenen Komponenten und ohne allzu große Investitionen etwas Neues zu schaffen. Das Fahrgestell lieferte der Actros, das Fahrerhaus der Atego. Und weil die breiten V-Motoren des Actros nicht unter die schmale Kabine passten, musste der zwölf Liter große Reihensechszylinder OM 457 LA ran, der hierzulande bestens als Busmotor bekannt ist. Heraus kam ein Kompromiss, der optisch nur dann gelungen ist, wenn auch Radläufe und Stoßfänger in Fahrerhausfarbe statt in tristem Dunkelgrau lackiert sind. Und so richtig leicht geriet der Axor auch nicht. Mit nur 150 Kilogramm weniger Gewicht als sein großer Bruder Actros ging er an den Start. Um mehr Nutzlast zu erhalten, hätte es einen neuen, kleineren Motor gebraucht, den die Techniker damals mit aller Macht wollten, die Kaufleute aber nicht genehmigten. Dem Erfolg tat dies keinen Abbruch.

Längst hat sich der Axor etabliert, längst hat Mercedes das Axor-Programm ausgebaut und längst hat er sich auf vielen Märkten festgesetzt. Produziert wird er in Deutschland, in der Türkei, in Brasilien und profitiert kontinuierlich von jenen Modellpflege-Maßnahmen, die zuerst den teureren Actros und mit ein wenig Zeitverzug auch den Axor aufwerten. Mittlerweile gibt es auch luftgefederte Fahrerhäuser, eine Reihe von Sicherheitsausrüstungen à la Actros und die neue Generation der automatisierten Getriebe – Powershift 2 genannt. Am Motor hat sich außer der Umrüstung auf Euro 4 und Euro 5 in all den Jahren fast nichts geändert. Nach wie vor gibt es die drei Leistungsstufen mit 260, 290 und 315 kW beziehungsweise 354, 401 und 428 PS.  Nach wie vor kann der Sechszylinder mit Kraft, Verbrauch und guter Laufkultur überzeugen. Der stärksten im Test gefahrenen Version reichten im Durchschnitt 36,7 Liter  auf 100 Kilometer plus 1,85 Liter Adblue auf der anspruchsvollen Teststrecke. Das mittlere Tempo lag bei fast 82 km/h, was deutlich macht, dass der Axor 1843 LS auch auf schwerer Topografie ordentlich Tempo macht und einem Actros 1844 oder 1846 kaum nachsteht.

Trefflich versteht es zudem die Powershift-Automatik gerade auf Steigungen, den Sechszylinder tatkräftig zu unterstützen. Einzig die erste Schaltung lässt zu Beginn einer Steigung etwas lange auf sich warten. Hat der Rechner den Ernst der Lage aber erst einmal erkannt, dann geht es mit reichlich Drehzahlen und reichlich Leistung jeden Berg hinauf. Und zwar ohne, dass der Verbrauch ungebührlich nach oben schnellt. Der geringe Volllastverbrauch auf den vielen Steigungen dokumentiert, dass Motor und Getriebe es bestens verstehen, hohes Tempo und geringen Verbrauch unter einen Hut zu bringen. Die Unterschiede zum etwa 7.500 Euro teureren Actros 1844 LS fallen am ehesten beim Fahrkomfort auf. Der Axor federt nicht ganz so kommod wie der Actros und die Innengeräusche sind etwas lauter. Kurz: Gemessen am Actros fährt sich der Axor fast sportlich. Wer diese straffe Gangart mag, der findet Gefallen am Axor. Ganz erstaunlich ist die Tatsache, dass die Axor-Kabine innen höher geriet als im Actros. Gut 100 Millimeter beträgt die Differenz. Die geringe Innenbreite – nur 2.100 statt gut 2.300 Millimeter – stört weniger als die knapp bemessenen Außenstauräume. Die Bedienung ist mit der des Actros weitgehend identisch, die serienmäßige Ausrüstung fällt etwas knapper aus, die elektronischen Helfer sind etwas einfacher strukturiert. Material- und Verarbeitungsqualität sind hier wie da auf hohem Niveau. Irgendwoher muss die Preisdifferenz ja begründet sein. Fest steht, dass der Axor mit den Jahren gereift ist und so gründlich weiterentwickelt wurde, dass er dem Actros dicht auf den Fersen ist. Wenn – vermutlich im nächsten Jahr – der Nachfolger kommt, dann sind auch die beiden verbliebenen Nachteile vom Tisch: die etwas unglückliche Optik und der zu schwere Motor.

Autor

Foto

Frank Zeitzen

Datum

31. März 2011
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