Arctic Van Test Video Zoom

Arctic Van Test: Eistanz der Transporter

Der Ford Transit Custom fordert seine härtesten Konkurrenten heraus. Mercedes-Benz Vito und VW Transporter folgen dem Ruf in den Norden Finnlands.

Maximale Konzentration – beim Fahren auf Schnee und Eis ist die Aufmerksamkeit hinterm Steuer besonders gefordert. Für ein wenig Entlastung sorgen ein gutes Fahrwerk, eine präzise Lenkung, ein kurzer Bremsweg und allerhand Assistenzsysteme – vorausgesetzt, die Technik arbeitet in jeder Situation zuverlässig. Wie gut ihr das in Ford Transit Custom, Mercedes-Benz Vito und VW Transporter gelingt, muss sie beim "Arctic Van Test" unter Beweis stellen. Außer der Fahrsicherheit stehen noch zahlreiche andere Punkte auf dem Testprotokoll für die Fünf-Tages-Tour durch die finnische Winterwelt, darunter Komfort für Fahrer und Beifahrer sowie der durchschnittliche Verbrauch der Transporter bei 500 Kilogramm Zuladung.

Die Getriebeübersetzung des Transit

Letzterer ist einer der wenigen Punkte, bei dem sich der Ford Transit Custom der Konkurrenz geschlagen geben muss, mit acht Litern je 100 Kilometer und einem Zehntel Abstand zum Mercedes sowie zwei Zehntel zum VW. Das entspricht nicht ganz den Erwartungen, die der Normverbrauch geweckt hatte. Zudem hat der Transit mit 125 PS die niedrigste Leistungsstufe im Feld, dafür mit knapp 2,2 Litern den größten Hubraum. Besonders auf der kurvigen Landstraße sorgt die Getriebeübersetzung des Transit für Verbrauchsnachteile gegenüber Mercedes und VW. Bei Geschwindigkeiten zwischen 40 und 70 Kilometer pro Stunde  muss der Fahrer häufig zwischen dem dritten und vierten Gang wechseln, weil entweder die Drehzahl im vierten Gang am Berg zu weit abfällt oder aber im dritten in der Ebene zu hoch ist. Die beiden Wettbewerber lassen sich da durchgehend im vierten Gang fahren.

Ein weiterer Kritikpunkt am Ford ist das etwas schlechtere Sichtfeld durch die Scheiben als bei Mercedes und VW. Sonst gibt es wenig auszusetzen am neuen Familienmitglied in der Transit-Baureihe. Im Test ist es den beiden Wettbewerbern mindestens ebenbürtig.
Ein Glanzstück ist die Kombination aus Fahrwerk, Lenkung und Abstimmung des elektronischen Stabilitätsprogramms (ESP). Bei einer Testfahrt durch ein Waldstück in der Nähe Helsinkis steuert der Transporter wie auf Schienen über die geschlossene Eisdecke. Hinzu kommt eine souveräne Antriebsschlupfregelung (ASR), die beim Anfahren trotz schlechter Traktion eine gute Figur macht.

Das ASR im Testfahrzeug

Das fällt dem VW Transporter schon sehr viel schwerer. Während der Transit präzise regelt und die Vorderräder durch gekonnten Bremseneingriff geradeaus auf den Weg bringt, drifftet die Vorderachse des VW beim Anfahren nach rechts ab. Das ASR im Testfahrzeug scheint mit nahezu jeder Anfahrsituation überfordert zu sein. Das verwundert die Tester, denn das ESP regelt im Gegensatz dazu durch die kurvige Waldstrecke auf höchstem Niveau. Zudem haben die Hannoveraner bei der Federung eine vernünftige Mischung zwischen Komfort und Straffheit hinbekommen.

Etwas schwerer tut sich der Vito bei dynamischer Fahrt auf der Waldstrecke. Das liegt allerdings nicht an der Qualität des ESP, sondern vielmehr am Heckantrieb. Denn während Ford und VW jeweils die Vorderachse ihrer Transporter antreiben, setzt Mercedes auf eine bessere Traktion beim Anhängerbetrieb und damit auf eine angetriebene Hinterachse. Das hilft ohne Anhänger allerdings wenig. Bei höheren Geschwindigkeiten ist der Vito vergleichsweise schwer zu beherrschen, weil er immer wieder zum Übersteuern neigt. Abhilfe schafft da nur die maximale Zuladung auf der Hinterachse, und damit mehr Druck auf der Straße.

Zuladung kann der Fahrer auf drei Europaletten verteilen, denn die passen in jedes der Testfahrzeuge. Kleine Unterschiede gibt es dafür beim Gewicht. Rund eine Tonne darf der Fahrer im Vito zuladen. Damit liegt der Mercedes in der Mitte des Testfelds. 50 Kilogramm mehr nimmt der Ford auf, allerdings nur, weil das zulässige Gesamtgewicht auch um 50 Kilogramm höher ist. Verlierer bei der Zuladung ist knapp der VW mit 976 Kilogramm.
Als dritten großen Testpunkt neben Ladekapazität und Fahrsicherheit haben die Tester in Finnland den Komfort in der Fahrgastzelle auf der Liste. Bei den winterlichen Verhältnissen kann der Transit Custom Pluspunkte sammeln. Denn als einziger im Testfeld kommt der Kölner Transporter mit einer beheizbaren Frontscheibe zum Test. Bei den anderen ist morgens Eiskratzen angesagt.

Sitzverhalten des Fahrers in schnellen Kurvenwechsel

Warm ist es im Cockpit aller drei Fahrzeug bei Außen-Temperaturen von 15 Grad unter null innerhalb kurzer Zeit. Hier gibt es kaum Unterschiede. Das gilt auch für die Sitzheizungen, die schnell für ein behagliches Gefühl auf den Sitzmöbeln sorgen. Mercedes kann beim bald anstehenden Vito-Modellwechsel etwas bei der Seitenführung der Sitze zulegen. Dort hat der Fahrer wesentlich weniger Seitenhalt als im Ford. Im VW sitzt der Fahrer in schnellen Kurvenwechseln zumindest stabiler als im Vito.

Zudem lohnt sich für die Mercedes-Konstrukteure ein Griff ans Ford-Lenkrad, dass mit seinem etwas kleineren Radius und mehreren ergonomisch geformten Griffpositionen wesentlich besser in der Hand liegt. Im Gegenzug könnte Ford etwas über eine klare Bedienstruktur an Lenkrad und Armaturenbrett von Mercedes ober besser noch von VW lernen. Denn die ist im Ford unübersichtlich. Auch nach längeren Einsätzen braucht es immer noch einige Konzentration des Fahrers, um beispielsweise den Tempomat über den Lenkradschalter zu starten. Das sollte intuitiver bedienbar sein. Die hohen technischen Fertigkeiten des Transporters bleiben davon jedoch unberührt. "Die haben ihren Preis", mag so mancher denken. Das stimmt. Aber mit 27.650 Euro liegt der Grundpreis des Ford-Testwagens auf dem Niveau des Vitos. Für den VW Transporter sind nochmal rund 1.000 Euro mehr fällig.

Fazit: Der Ford Transit Custom macht auf Schnee und Eis eine sehr gute Figur. Die elektronischen Helfer funktionieren in jeder Fahrsituation so, wie es sich der Fahrer wünscht. Das ist ein echter Vorzug gegenüber der Konkurrenz, die in manchen Fahrsituationen schwächelt. Beim Innendesign sollte Ford noch nachbessern und von den Erfahrungen der beiden Konkurrenten profitieren. Ungeachtet dessen schlägt sich der Ford Transit Custom unter arktischen Bedingungen besser als seine Wettbewerber und hat sich deshalb den obersten Platz auf dem Treppchen redlich verdient.

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Kostenlos herunterladen Technische Daten der Transporter (PDF)
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Autor

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Braun, Arctic Test Team

Datum

11. März 2013
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Prof. Dr.-Ing. Heinz-Leo Dudek, Experte für Telematik Heinz-Leo Dudek Telematik
Prof. Dr. Dudek ist Studiengangsleiter für das Wirtschaftsingenieurwesen an der DHBW Ravensburg… Profil anzeigen Frage stellen
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