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ZF zeigt neue Sicherheitsassistenten für Lkw: Gefahr von Unfällen minimieren

ZF Friedrichshafen hat im Vorfeld der IAA in Kooperation mit Wabco neue Sicherheitsassistenten für Lkw präsentiert. Sie sollen die Gefahr von Auffahrunfällen mittels Lenkeingriffen verhindern.

Zu diesem Zweck hat der Zulieferer vom Bodensee den Evasive Maneuver Assist (EMA) - mit Projektpartner Wabco - und den Highway Driving Assist (HDA) entwickelt. Der EMA greift laut Unternehmen ein, wenn Fahrer Verkehrshindernisse im Allgemeinen oder Stauenden im Besonderen gar nicht oder zu spät registriert. Er übernehme bei Bedarf das Steuer – das heißt auch die Kontrolle über die Lenkung. Die Assistenzfunktion erkenne, ob das automatische Notfallbremssystem (AEBS) oder eine vom Fahrer ausgelöste Notbremsung ausreiche, um rechtzeitig vor Hindernissen zu stoppen. Kann durch das Bremsmanöver ein Auffahrunfall nicht verhindert werden, steuert der EMA laut ZF – aktiviert durch einen Lenkimpuls des Fahrers nach links oder rechts – den Lkw mitsamt seinem Auflieger sogar aus Maximaltempo selbständig auf den gewünschten, freien Fahr- oder Pannenstreifen. "Unsere Entwicklung leistet zeitgleich das automatisierte Ausweichen, Bremsen und Stabilisieren – bei allen Geschwindigkeiten, jedem Beladungszustand des Sattelzugs und mit jeglichem Auflieger", erläutert Mitja Schulz, Senior Vice President & Leiter Lenksysteme für Nutzfahrzeuge bei ZF TRW. Bei plötzlichen manuellen Ausweichmanövern bestehe immer das Risiko, dass der Fahrer beim Ausweichen entweder zu schwach lenkt und dadurch eine erst recht kritische Kollision mit Teilüberdeckung auslöst oder aber zu abrupt und stark einschlägt, was den Lkw ins Schleudern bringe, kippen lasse oder auf eine Nebenfahrbahn gerät und andere gefährdet – solchen Szenarien beuge der EMA zuverlässig vor. Das System lässt sich allerdings laut ZF auch mittels Lenkimpulsen, Bremseingriffen oder Betätigung der Pedalerie durch den Fahrer überstimmen.

Zusammenspiel der Systeme

Der EMA resultiert nach eigenen Angaben aus einer Kombination der Technologien von ZF und Wabco, einschließlich der elektrohydraulischen Servolenkung von ZF und Wabcos elektronischem Bremssystem (EBS), Notbremsassistenten, elektronischer Stabilitätskontrolle (ESC) und fahrdynamischen Regelsystemen. Wann sich der EMA aktiviert, orientiere sich an der Regellogik von Wabcos Notfallbremse. Das System warne den Fahrer in Stufe eins akustisch sowie optisch per Display vor; in Stufe zwei folgen haptische Signale in Verbindung mit einer moderaten Verzögerung von bis zu 3,5 m/s². Stufe drei bedeute schließlich eine Vollbremsung an der Stabilitätsgrenze bis zum Stillstand.

Ein plötzliches "Verreißen" des Lenkrades interpretiert das System nach Herstellerangaben bereits ab Stufe eins als Befehl, den EMA zu starten. Während des automatischen Steuerns berechne die Software die optimale Ausweichbahnkurve laufend neu und passt den Lenkwinkel entsprechend an. Die integrierte Überrollschutz-Funktion des EMA wurde laut ZF für derart extreme Fahrsituationen angepasst.

Immer Linientreu

Doch nicht nur Stauenden oder unübersichtliche Verkehrssituationen bergen ein hohes Unfallpotenzial, auch Unachtsamkeit, Ablenkung oder Sekundenschlaf sind immer wieder Auslöser schwerer Unfälle. Der Highway Driving Pilot (HDA) soll laut ZF dies verhindern. Das System warne den Fahrer nicht nur vor einem unbeabsichtigten Verlassen der Spur, sondern halte den Sattelzug auch selbständig auf Kurs. Zeitgleich überwache der HDA über alle Tempobereiche hinweg automatisch den Sicherheitsabstand zum Vorausfahrenden inklusive Anhalten und Wiederanfahren.

Kernelement des Systems sei dabei die Einbeziehung der Daten von der Frontscheibenkamera, um die Straßenmarkierungen zu erfassen. Ein Radarsensor misst den Abstand. Zusätzlich ist der HDA laut ZF mit dem hauseigenen Getriebe inklusive der vorausschauenden Schaltstrategie und der Servolenkung gekoppelt.  Dadurch lassen sich auch - in Verbindung mit einer eigens dafür entwickelten Steuerungselektronik - fehlende Fahrbahnmarkierungen ausgleichen. „Fehlen die Markierungen auf einer Seite, rechnet das System diese virtuell hinzu, führt Mitja Schulz aus und ergänzt: "Wir können den HDA schon in circa zwei Jahren in Serie bringen. Bis dahin ist es außerdem realistisch, dass er alle Voraussetzungen fürs Lkw-Platooning mitbringt."

Autor

Foto

Dominik Gigler

Datum

29. Juni 2016
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