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ZDF-Reportage über die Transportbranche: Mit dem Zweiten sieht man Fahrer

An den nächsten drei Sonntagabenden im Januar läuft um 18 Uhr in drei Folgen die zweite Staffel der erfolgreichen ZDF-Reportage "Die Trucker". Wieder zeichnen die Berufskraftfahrer Erich, Hardy und Kai ein sehr realistisches aber auch menschliches Bild einer Branche im harten Wettbewerb.

Es war selbst für TV-Experten eine Überraschung: mit einer durchschnittlichen Quote aller drei Filme von 10,2 Prozent wurde im Januar 2015 ein eigentliches Außenseiterthema über drei Lkw-Fahrer ein regelrechter Publikumserfolg. Kurz danach stand fest: Regisseur Broka Herrmann (siehe sein Portrait am Ende des Artikels) und sein Kameramann Marc Nordbruch durften wieder wochenlang mit drei echten Kerlen auf Tour gehen und in drei neue Folgen mit denselben Helden des harten deutschen Fahreralltags drehen. Das sind: Erich, der Komplettladungsfahrer, der nun in Rente ist und jede Chance nutzt, sich doch wieder hinters Steuer zu setzen; Hardy, der immer nachts die ganz schweren Lasten wie Baukräne, Bagger und Teile von Windkraftanlagen transportiert; und schließlich Kai, der mit fabrikneuen Autos unterwegs ist und keine innere Ruhe findet, weil er daheim eine kranke Tochter hat. 

Drei Typen, drei Geschichten

Alle drei Episoden erzählen die Geschichten der rollenden Helden parallel: Hardy etwa fährt stets gegen den Biorhythmus, wie er sagt, einsam und immer im Dunkeln. Viel Zeit zum Grübeln bleibt ihm diese Nacht nicht: Mitten auf der Autobahn bei Bayreuth brennt ein Transporter, Hardy ist einer der ersten an der Unfallstelle. Er vermutet einen Kabelbrand oder einen überhitzten Motor – immer wieder gibt es kleine Explosionen. Der Fahrer konnte sich rechtzeitig aus dem Transporter retten. Hardy ist erleichtert: "Solange der Fahrer raus ist, ist die Welt für mich heute wieder in Ordnung".

Kai ist seit 20 Jahren Fahrer. Er transportiert Autos in die ganze Republik. Immer gegen die Uhr, unter der Woche getrennt von Frau und Kindern. Dabei ist er erst seit kurzem wieder verheiratet. Kai hat Stress, weil seine 14-jährige Tochter im Krankenhaus liegt und eine schwere Operation vor sich hat. Doch während sie in den OP geschoben wird, steht er noch im Stau eines schweren LKW-Unfalls: "Das sind die Momente, wo du den Job am liebsten hinschmeißen willst".

Und Erich ist eigentlich seit einem halben Jahr in Rente. Zuhause kocht er mittlerweile gern  – doch der Termintrucker aus der Pfalz kann einfach nicht aufhören. Erich hält es zu Hause nicht aus: "Das ist nichts für mich, das geregelte Leben". Denn Erich liebt seinen Job über alles, er braucht den Nervenkitzel, hat "Diesel im Blut", wie er selbst sagt. Und so nutzt er jede Möglichkeit, die sich ihm bietet, als Aushilfe auf Tour zu gehen. 

Kölner Demo im Fernsehen

Dass Erich, laut Regisseur der Publikumsliebling der Zuschauer, wieder mitspielt, hat einen besonderen Charme. Er ist nämlich einer der Teilnehmer der Demo deutscher Lkw-Fahrer, die sich im April 2015 vor der Zentrale des Bundesamtes für Güterverkehr in Köln getroffen haben, um auf die Missstände in der Branche und die nicht wirklich effektiven Kontrollen der Behörde hinzuweisen. Später, auf dem Vorplatz des Kölner Hauptbahnhofs, vermitteln sie dem vorbeieilenden Publikum in teils feurigen Reden die Probleme der deutschen Fahrer im internationalen Wettbewerb. 

In den sozialen Medien, in denen auch Erich mit seinen besonnenen Kommentaren oft unterwegs ist, ist es seither immer wieder zu unnötigen Auseinandersetzungen darüber gekommen, wer denn die Demo organisiert hatte und ob sie erfolgreich war. Mein Rat – auch hier an dieser Stelle: Hört bitte auf, darüber zu streiten, schon gar nicht in offenen Foren. Freut Euch lieber, dass sich immerhin ein fast dreiminütiger Teil der Staffel auch diesem Thema widmet – und zwar zur besten Sendezeit und, wie man in der Logistik sagt, politisch "just in time". Denn in Berlin und Brüssel kocht das Thema gerade wieder hoch.

Rückblick auf die gute alte Zeit

Und weil ich gerade beim Film bin: Immer wieder werde ich bei meinen Terminen von Fahrern darauf angesprochen, dass ich vor nunmehr 25 Jahren selber in einer Kult-Serie mitgespielt habe: in einer Folge von "Auf Achse", an der Seite von Manfred Krug und Rüdiger Kirschstein in der Folge "In der Höhle der Löwen". Oder besser gesagt als privater Chauffeur an der Seite eines schmierigen Privatdetektivs aus Österreich, der mit einem grünen Scania, dem ersten mit der neuen CAG-Automatik, dem MAN der beiden Superhelden durch die türkischen Berge folgt. Die Story ist, zugegeben, ziemlich arg an den Haaren herbeigezogen, wenn Franz Meersdonk und Günter Willers mal eben, ohne Rücksicht auf die Besonderheiten von Zeit und Raum, übers Wochenende in die Türkei fahren – aber egal, die Landschaftsaufnahmen in Anatolien sind einfach wunderbar, und als deutlich sichtbarer FERNFAHRER "Paul" darf ich auch ein paar Sätze sagen. Wer es noch nicht gesehen hat, hier gibt's das Video.

Und damit viel Spaß bei der wesentlich realistischeren Reportage über drei gestandene deutsche Berufskraftfahrer im ZDF. 

Hintergrund zu Broka Herrmann

Der heute 61-jährige Filmemacher kommt gebürtig von der Schwäbischen Alb und schlägt sich seither mit einem Ungetüm an Vornamen herum: Karl Ernst Wilhelm Herrmann, wobei Herrmann natürlich der Nachname ist. Dort, wo er aufwuchs, hieß praktisch jeder Junge Karl, und deswegen war der Sohn einer Bäckerfamilie schnell der "Brotkarl", kurz Broka. Diese Abkürzung wurde schnell sein Künstlername. Sein Onkel war Kraftfahrer, Kieskutscher, wie Herrmann erzählt. "Als ich sechs Jahre alt war, hat er mich mit seinem MAN immer wieder mitgenommen. Das hat mich damals sehr beeindruckt."

Herrmann ging nach Berlin, war nach eigenen Angaben Mitbegründer der linksalternativen Tageszeitung TAZ, wechselte vor rund 21 Jahren zum Hessischen Rundfunk nach Frankfurt und machte sich dort schließlich im Jahr 2000 als TV-Produzent selbständig. Im Januar 2015 Jahres erregte er auch unter den Lesern des FERNFAHRER mit seiner dreiteiligen Reportage "Die Trucker" im ZDF Aufsehen und heimste höchste Anerkennung dafür ein, dass seine filmische Schilderung über das Leben von drei Fernfahrern realistisch aber nie reißerisch ist. 

Doch warum haben überhaupt so erstaunlich viele Menschen Interesse am Einblick in das Arbeitsleben von Lkw-Fahren? Dafür hat Herrmann eine recht einfache Erklärung: "Es speist sich aus der Angst der Zuschauer, selbst im Lkw-Verkehr auf der Autobahn unterwegs sein zu müssen, aus dem ständigen Ärger über die vielen Staus im Berufsverkehr und nicht zuletzt aus dem großen Kindheitstraum vor allem der Männer. Bei den Frauen ist es wiederum die Erkenntnis, dass auch die harten Jungs hinterm Steuer plötzlich ganz weich sein können, wenn etwa Kai, der Fahrer des blauen Autotransporters, die ganze Woche lang bangen muss, ob er rechtzeitig wieder nach Hause kommt."

Autor

Foto

Jan Bergrath

Datum

13. Januar 2016
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Jan Bergrath, Experte für Fahrerthemen Jan Bergrath Journalist
Jan Bergrath beobachtet und beschreibt seit über 25 Jahren als freier Fachjournalist die… Profil anzeigen Frage stellen
Monique Müller, Anwältin in den Bereichen Zivilrecht und Familienrecht Monique Müller Anwältin Zivilrecht und Familienrecht
Mein Schwerpunkt liegt im Bereich des allgemeinen Zivilrecht, Familien- und Erbrecht. Profil anzeigen Frage stellen
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