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Varianten des neuen Iveco Daily: Großer Wurf mit starkem Herzen

Mit dem neuen Daily ist Iveco ein großer Wurf gelungen. Der aufbaufreundliche Transporter mit dem starken Herzen besetzt die Gewichtsklasse von 3,3 bis 7,2 Tonnen.

Iveco war mit einer Armada an neuen Daily zu ersten Fahrtests angetreten. Alle Branchenrichtungen des nutzlaststarken Italieners locken zum Rendezvous hinter dem Steuer. Hier der Pritschen-Daily als waschechter Dreiseiten-Kipper oder in der Variante mit Laubgitterbordwänden. Da der klassische Kasten als Supervolumenmodell mit fast 20 Kubikmeter Frachtraum, Sortimo-bewehrtem Ladungssicherungskasten, Frischdienstkoffer oder der Tiefkühler sowie die Varianten mit Allradantrieb, mit einem Abroll-Behälter, stattlichem Wohnmobilaufbau oder als Tourys-Minibus. Kurz: Noch nie war die Angebotsbreite im Programm des Iveco Daily so groß wie heute. Der geneigte Kunde kann sich heute zwischen insgesamt mehr als 8.000 Varianten des neuen Daily entscheiden. Allen voran interessiert die Fahrt in der neuen Königsklasse des Dauerbrenners. Der extralange und -hohe Kastenwagen auf 4,1 Meter Radstand schluckt bei Bedarf gigantische 19,6 Kubikmeter Fracht und schultert fast vier Tonnen – Werte, bei denen jeder Leicht-Lkw der 7,5-Tonnen-Klasse passen muss.

Die neue Hi-Matic: Ein wesentlicher Faktor für das flinke Vorankommen

Unter der neu gestalteten Stummelhaube verrichtet der legendäre Drei-Liter-Vierzylinder seine Arbeit, der als echter Weltmotor auch bei anderen Herstellern einen würdigen Platz im Antriebsstrang gefunden hat. 170 PS und maximal 400 Nm Drehmoment mobilisiert das drehfreudige Common-Rail-Triebwerk in seiner stärksten aktuellen Heavy-Duty-Euro-6-Variante mit AGR, SCR-Kat und Partikelfilter. Mehr als ausreichend, um auch mit dem stattlichen 7,5-Meter-Transporter zügig in den Verkehr einzufädeln. Ein wesentlicher Faktor für das flinke Vorankommen mit dem antrittsstarken Triebstrang stellt die neue Hi-Matic dar. Das achtstufige Wandler-Automatgetriebe, das ZF beisteuert, bricht mit den gängigen Vorurteilen gegenüber Auto­maten. Abhängig von Last und Fahrstil sortiert das bereits in der automobilen Oberklasse erfolgreich eingesetzte Achtstufengetriebe die Gänge so passend und exakt, dass mit minimaler Zugkraftunterbrechung kaum noch Schaltpausen entstehen. Das Resultat der sanften, aber blitzschnellen Schaltvorgänge ist eine deutlich flinkere Gangart als in einem Daily-Pendant mit dem etwas trocken zu schaltenden serienmäßigen Sechsgang-Getriebe.

Je nach gewünschter Gangart kann der Daily-Fahrer vom verbrauchsoptimierten Eco-Modus in einen Power-Betrieb umschalten, der mit späteren Schaltpunkten bei höheren Drehzahlen besonders leistungsorientiert zur Sache geht. Sogar Motorbremsen durch gezieltes Ganghalten hat die Hi-Matic in seinem Softwareprogramm, wenn bei Talfahrt der Fuß vom Gaspedal genommen wird. Entgegen landläufiger Meinung verspricht Iveco neben dem deutlich verbesserten Fahrkomfort und geringeren Wartungskosten sogar eine Kraftstoffersparnis mit dem Hi-Matic-Getriebe. Laut Liste sind für die intelligente Schaltbox 4.000 Euro Aufpreis fällig, die freilich stark rabattierfähig sind. Kurz: Das Automatikgetriebe ist uneingeschränkt empfehlenswert und kann als Benchmark in dieser Transporterklasse gewertet werden.

Neu gestaltetes Cockpit sorgt für Fahrkomfort

Weitere Punkte auf der Habenseite im Vergleich zu der knappen Zahl an Mitbewerbern im Segment über 3,5 Tonnen erntet der Fahrerplatz. War das Vorgängermodell ob seines eher schlicht-rustikalen Arbeitsplatzes nicht frei von Kritik, so hat der neue damit endgültig aufgeräumt. Das neu gestaltete Cockpit mit nun höhenverstellbarer Lenksäule, modernen Anzeigen und einer Menge von Ablagefächern braucht den direkten Vergleich zum Hauptwettbewerber, dem Mercedes Sprinter, nicht zu scheuen. Durch das Absenken der Sitze um 15 Millimeter und die um 40 Millimeter höhere Windschutzscheibe sitzt man im Daily nun mehr hinter dem Lenkrad als oben auf dem Bock. Auch die Materialanmutung schafft den Spagat zwischen reinigungsfreundlichem Nutzwert und Wohlfühlambiente. Praktische Details wie das voluminöse Staufach unter dem Beifahrersitz erfreuen das Verteilerfahrerherz ebenso wie den Bautrupp im Kipper.

Das neue abgestimmte Fahrwerk mit grundsätzlich längeren Radständen bei gleichen Außenmaßen, einer neuen Stoßdämpferanlenkung an der Hinterachse und der drehstabgefederten Heavy-Duty-Vorderachse tragen ihren Teil zum rundum guten Fahreindruck bei. Die leichte Übersteuertendenz ist auch bei unbeladenem Fahrzeug verschwunden, sogar mit dem monströsen 20-Kubik-Kastenwagen lässt sich recht passabel über die Landstraßen räubern. Hier haben die Modifikationen am Fahrwerk spürbar Früchte getragen. Im Vergleich zum klassischen 7,5-Tonner-Lkw fährt sich der schwerste Daily mit seiner fast doppelten Nutzlast problemlos und wesentlich angenehmer.

Kipper-Daily als kongenialer Kollege am Bau

Noch eine Spur feinfühliger kann es der Daily 3,5-Tonner, der an der Vorderhand von einer Doppeldreieckslenker-Achse mit Querblattfeder präzise über die Straßen geführt wird. Natürlich trägt auch hier ein Leiterrahmen Fahrwerk und Aufbau, was dem Daily neben seiner Robustheit auch die vereinfachte Möglichkeit zum Fremdaufbau bietet. Sowohl als Komplettfahrzeug ab Werk als auch als Konsignationsmodell mit einem Aufbauer bietet Iveco hier eine rundum abdeckende Variantenvielfalt in der Pkw-Führerscheinklasse B. Die Euro-5 OBD-Zulassungsvorschriften sind auch der Grund dafür, dass die 205 PS starke Spitzenmotorisierung des Drei-Liter-Triebwerks bislang nur dem sogenannten Light Duty­Daily vorbehalten bleibt. In diesem Segment kann der große Motor auch mit 170 oder 146 PS geordert werden. In allen drei Leistungsstufen zeigt sich der Antrieb auch hier von der Schokoladen­seite. In puncto Zuladung ist der Daily in dieser Klasse aufgrund seines Rahmenkonzepts gegenüber den Schwertransporter-Ausführungen im Nachteil. Grundsätzlich bleibt die Zuladung aber in Sichtweite mit dem rahmenlosen Wettbewerb. Dafür kann auch der leichte Daily relativ problemfrei spezielle Aufbauten wie einen Ladekran vor der Pritsche oder sogar einen Abrollbehälter schultern. Als kongenialer Kollege am Bau wird sich der Kipper-Daily sicher Freunde verdienen. In der Version mit Doppelkabine bleibt für Polier und Co. genug Lebensraum. Der wertige Kippaufbau von Meiller hinterlässt hier einen ausreichend robusten Eindruck, der die Lebensdauer des Rahmenchassis mit begleiten sollte. Beladen kommt man mit dem Heckantrieb abseits der Straße erstaunlich weit.

Wer es nachhaltig gröber angehen lassen will, greift zum Daily mit Allradantrieb. Hier will Iveco von niedrigem Einstieg oder Komfortzone Fahrerhaus nichts mehr wissen. Im Cockpit des hochbeinigen Kletterkünstlers wollen allein 24 Vorwärtsgänge und drei Achssperren einsatzabhängig geschaltet werden. Womit es mit dem geschmeidigen Fahrkomfort seiner Straßenbrüder schon wieder vorbei wäre. Der martialisch anmutende Konkurrent des Unimogs kommt dafür über Stock und Stein an den Gipfel von fast jeder Steigung. Mit der kompletten Daily-Familie der jüngsten Generation ist Iveco ein großer Wurf gelungen. Tatsächlich war der italienische Transporter noch nie so gut wie heute.

Die Neuauflage des kompakten Kleinreisebusses namens Tourys kann in vielen Einsatzgebieten punkten.

Je nach Version mit langem oder kurzem Überhang finden 19 oder 22 Passagiere ihren Platz auf vollwertigem Velours-Fahrgastgestühl. Zwischen der Innengalerie mit den integrierten Luftdüsen der Zwölf-Kilowatt­-Klimaanlage bleiben gute zwei Meter Stehhöhe, außen baut die Karosserie mit Klimaanlage auf 3,09 Meter Höhe. Mit der Maximalbestuhlung muss das Fahrgastgepäck in die Ablagegalerie. Alternativ als Kofferraum oder für den Behindertentransport lassen sich die beiden letzten Sitzreihen über die Sitzschienen ausbauen.

Komfortabel zeigt sich der Arbeitsplatz rund um das Tourys-Volant. Basierend auf dem neuen Daily-Cockpit liegen Schalter und Instrumente ergonomisch, der Fahrer sitzt auf hydraulisch gefedertem Komfortgestühl. Verbesserungsbedürftig: Der Bedienhebel für die optionale Telma-Wirbelstrombremse sitzt zwar lenkradnah, ist aber zu kurz und zwingt zum Loslassen des Volants. Der Einbau der Zusatzbremse bedingt momentan auch die Ausstattung mit dem manuellen Sechsganggetriebe. Die Abstimmungsarbeit zwischen der neuen Automatik und der Telma-Wirbelstrombremse ist noch im Gange.

Mit der 170-PS-Variante des Drei-Liter-Triebwerks kommt der Tourys schnell und schaltarm auf Touren. Für bergige Ausflugsfahrten bei voller Besetzung oder Ausladung würde man sich den 205-PS-Motor wünschen. Dieser steht in einer Euro-6-Version aber noch nicht zur Verfügung. Der 318 Millimeter hohe Einstieg durch die doppelt abgedichtete Schwenktür fällt komfortabel aus, der Innenraum mit Holzboden und lichtgrauem Innenausbau wirkt einladend. Über mangelnden Fahrkomfort kann man sich an Bord des rund 72.000 Euro teuren Minibusses nicht beklagen. Die gut abgestimmte Vorderachskonstruktion gibt sich im Verbund mit der luftgefederten Hinterachse als ebenso richtungsstabil wie federungsfreundlich.

Die neuen Motoren im Daily

2,3 l Hubraum, Euro 5+ EGR
78 kW (106 PS), max. 270 Nm
93 kW (126 PS), max. 320 Nm
107 kW (146 PS) max. 350 Nm

3,0 l Hubraum, Euro 5+ EGR
107 kW (146 PS) max. 350 Nm
125 kW (170 PS) max. 430 Nm
150 kW (205 PS) max. 470 Nm

3,0 l Hubraum, Euro 6 EGR/DPF
107 kW (146 PS) max. 350 Nm
125 kW (170 PS) max. 430 Nm

3,0 l Hubraum, CNG Euro 6
100 kW (136 PS) max. 350 Nm

Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 10/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Owimedia

Datum

18. Oktober 2015
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