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Unfallprävention: Ladungssicherung von Papierrollen

Die Redaktionen von FERNFAHRER und eurotransport.de geben Tipps, wie man große Papierrollen richtig sichert. Wichtig dabei ist die VDI-Richtlinie 2700.

Die Wucht des Aufpralls fegte den Reisebus auf der Staatsstraße 4 in der Nähe des finnischen Konginkangas gut 25 Meter zurück. In den winterlichen Morgenstunden des - 19. März 2004 hatte ein mit 17 Papierrollen beladener Lkw auf Blitzeis das Fahrzeug einer 36-köpfigen Jugendgruppe gerammt. Die festgezurrten tonnenschweren Rollen lösten sich zum Teil und schlugen ins Innere des Busses ein. 23 Menschen starben. Es war eines der schwersten Unglücke in der Geschichte Finnlands.

Diese Katastrophe wirft krasses Schlaglicht auf das Thema Ladungssicherung. Dabei sind besonders hart gewickelte Papierrollen im Fokus, weil sie heikel sind: hoher Schwerpunkt, viel Gewicht und empfindliche Kanten. Gerade in Deutschland werden täglich tausende Papierrollen per Curtainsider-Lkw transportiert. Ihre Sicherung wurde daher eigens in einem Arbeitskreis des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) erarbeitet und in der VDI-Richtlinie 2700 Blatt 9 geregelt. Der Verband Deutscher Papierfabriken e. V. (VDP) hat dabei entscheidend mitgewirkt, sodass die Richtlinie - im April 2006 veröffentlicht - als „anerkannte Regel der Technik“ gemäß des Paragrafen 22 StVO gilt: Betrachtet werden Lkw mit und ohne Anhänger sowie Sattelkraft- und Spezialfahrzeuge, die für den Transport von Papierrollen eingesetzt werden. Alle sollten dem jeweiligen Stand der Technik entsprechen. Der Aufbau muss bestimmte Kriterien erfüllen, etwa dass der Boden möglichst eben und die Beläge sauber und trocken sind. Eventuelle Lochleisten oder Schienen sollten fest mit dem Fahrzeug verbunden sein und die Stirnwände zumindest die geltenden Standards erfüllen. Zurrpunkte müssen den gültigen Vorschriften entsprechen, ihre Abstände sind festgelegt.

Deutscher Alleingang bei Sicherung von Papierrollen

Klingt so weit logisch, zumal die Werte, mit denen etwa die Zurrgurte angezogen werden, in Fahrversuchen ermittelt wurden. Trotzdem stellt das Regelwerk ein brisantes Politikum auf europäischer Ebene dar. Denn es steht für einen deutschen Alleingang, den  in dieser Form nur noch die Schweizer und Polen unterstützten.

Vorausgegangen war der Versuch, innerhalb der EU einheitliche Normen festzulegen. Die DIN EN 132195 Teil 1 für die Berechnung von Ladungssicherungsmaßnahmen auf Straßenfahrzeugen sollte für eine Harmonisierung sorgen. Doch in 18 endlosen Sitzungen favorisierten die Experten aus deutscher Sicht schließlich zu lasche Werte. Argumentiert wurde mit der Wirtschaftlichkeit, fasst Dr. Werner Andres vom Bundesverband Güterverkehr, Logistik und Entsorgung e. V. zusammen: „Weil schließlich auch Zurrgurte Geld kosten.“

VDI-Richtlinie 2700

Deshalb orientieren sich sowohl das BAG als auch die Polizei bei ihren Kontrollen zurzeit noch an der VDI-Richtlinie 2700 Blatt 9 als „anerkannte Regel der Technik“. Auch die Gerichte nutzen diese Richtlinie als Grundlage ihrer Urteile. Diese Routine könnte aber kippen, wenn sich die unabhängigen Juristen einmal am EU-Regelwerk orientieren sollten.

Unabhängig von dieser nicht befriedigenden rechtlichen Situation besteht beim Transport immer noch Optimierungsbedarf, besonders bei den Ladungssicherungs-Hilfsmitteln wie Kantenschonern und Antirutschmatten. Der Spezialist Span-Set entwickelte deshalb die Version „Plus“ als Verbesserung des Kantenschutzwinkels Kasi. Die empfindliche Papierrollenkante wird hier durch eine Hohlkehle geschützt. Für eine zusätzliche Entlastung sorgt eine nach innen verschobene Kantenumlenkung.

Komplettpaket von Span-Set

Für die Sicherung von Papierrollentransporten bietet Span-Set ein komplettes Paket, zu dem neben dem neuen Papierwinkel unter anderem die Antirutschmatte Span-Set Grip sowie die Ergo ABS-Zugratschen mit serienmäßiger Vorspannkraftanzeige TFI gehören.

Und dass die Praxis hält, was die Theorie verspricht, demonstrierte Span-Set Ende September in Zusammenarbeit mit der Dekra und dem Berufsbildungszentrum BBZ in der Nähe des Firmensitzes, auf einem großen Parkplatz des Fußballstadions Tivoli in Aachen. Dekra-Pilot Matthias Stenau griff beherzt ins Steuer, bis beim Spurwechsel die Reifen qualmten und Auflieger beziehungsweise Lkw die Beine hoben. Ohne Stützräder wäre jede der Fuhren wohl gekippt und die Fahrt hätte ihr abruptes Ende im Straßengraben gefunden. So waren lediglich die geladenen Zuschauer beeindruckt von den Gewalten, die da ihr Werk verrichteten.

Ob eine optimal gesicherte Ladung nach dem neuesten Stand dem Horrorunfall von Konginkangas in Finnland etwas von seiner Härte genommen hätte, bleibt allerdings eine akademische Frage. Denn die Kräfte, die dort beim Einschlag des Lkw in den Bus gewirkt haben, lassen sich bestenfalls ahnen

Hammermeister

Autor

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Span-Set

Datum

9. November 2011
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