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Truck Jobs: Faszination Baustoffe

Robert Rentschler ist mehr als nur ein Kieskutscher. Er sorgt dafür, dass die schwäbischen Häuslebauer auch die richtigen Baustoffe verwenden.

Es gibt Orte, da ist die Welt noch in Ordnung: Da kennt man sich, da ticken die Uhren noch ein bisschen anders und da gibt es auch interessante Fahrerberufe abseits vom klassischen Fernverkehr. Breitenberg ist so ein Ort. Hier gibt es eigentlich nicht viel: eine Kirche mit Kriegerdenkmal, zwei Wirtshäuser, einige Bauernhöfe, eine Biogasanlage – und einen Baustoffhandel, der Leben in das beschauliche Dorf im Nordschwarzwald bringt.

Seit mehr als 60 Jahren sind die blauen Kipper und Kranzüge von Greule Baustoffe nun schon auf den Straßen im Kreis Calw anzutreffen, beladen mit Schüttgut aller Art, mit Erdaushub, mit Sackware und mit den verschiedensten Steinen. Derzeit umfasst der Fuhrpark einen Kipperzug, einen – ausnahmsweise rot lackierten – Kranzug, zwei Gabelstapler und einen Radlader.

Wer bei Greule als Fahrer anheuern will, muss mit allem vertraut sein, ob mit Kipper, Ladekran oder Stapler. Die Ziffer 95 und der Flurförderschein sind Pflicht. Das ist aber längst nicht alles. "Hier geht’s nicht nur ums Fahren", sagt Robert Rentschler. Der Breitenberger ist Lkw-Fahrer und Kundenberater in einem. "Ich bin praktisch Mädchen für alles", sagt er mit breitem Grinsen. Gut die Hälfte der Arbeitszeit verbringt er nicht am Steuer, sondern auf dem Hof inmitten der Baustoffe, im kleinen Baumarkt von Greule oder in seinem Fliesen-Studio, dem Schauraum für all diejenigen, die ihre Sanitärräume neu gestalten wollen.  

"Viele Kunden kennen mich und wissen, dass ich gelernter Maurer bin. Sie bekommen von mir also eine Beratung, wie sie bei großen Baumärkten nicht Standard ist", erzählt Robert. "Ich empfehle grundsätzlich nur Baustoffe, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe. Das kostet dann zwar ein bisschen mehr, hält dafür aber auch."

Aus dem Büro in die Baustoff-Branche

Dass Robert einmal ganz der Faszination Baustoffe erliegen würde, hätte er früher wohl selbst nicht gedacht. Bis er seinen gut bezahlten Posten in der Qualitätssicherung bei Daimler in Sindelfingen, wo er jahrelang gearbeitet hatte, aufgab. "Ich bin halt kein Mensch fürs Büro. Als ich dann nur noch vorm PC saß, wurde mir klar, dass ich nach etwas anderem suchen muss." Und so heuerte er 1991 bei Fritz Greule, dem Senior­chef, an. Zunächst als Aushilfe, vier Jahre später folgte die Festanstellung.  

Die Erfahrung aus der Maurerlehre kann Robert hier bestens einbringen. Auch sein Kollege Friedemann Bertsch, der gerade den roten Kranzug für seine nächste Tour belädt, kann als gelernter Zimmermann bei der Kundenberatung punkten. "Es ist echt ein Vorteil, wenn die Mitarbeiter aus dem Handwerk kommen", lobt Rolf Greule seine Männer. "Einen reinen Lkw-Fahrer brauche ich eigentlich nicht, eher halb Fahrer und halb Kundenberater", argumentiert der Chef. 

Derweil fährt ein örtlicher Großbauer auf den Hof. Er will für den Milchautomaten vor seinem Hofladen einen Zugang schaffen und fragt, wie tief er die Randsteine einbetonieren soll. "Ein Drittel, das ist die Faustregel, wenn er begehbar sein soll", antwortet Robert sofort. Zufrieden verabschiedet sich der Bauer, während ein Gipser einen Anhänger voll leerer Europaletten zurückbringt. Kaum hat er die Klappe geöffnet, steht auch schon Robert mit dem Gabelstapler parat und bringt den Stapel in die Lagerhalle. Als er wieder herausfährt, hat er eine Palette mit Mörtelsäcken auf der Gabel. Gemeinsam mit dem Gipser wuchtet er einige davon in den Anhänger.  

Kaum ist der Handwerker vom Hof, kämpft sich ein Sattelzug von Rothermel um die enge Kurve im Dorf. Er bringt Nachschub. Genauer gesagt: mehrere Paletten mit Dachziegeln. Der Fahrer kennt sich aus und lädt direkt mit seinem Mitnahmestapler ab, noch bevor er "Hallo!" sagt und die Unterschrift auf dem Lieferschein abholt. "Wenn die Lieferanten in der Nähe liegen, holen wir die Baustoffe selbst ab", erklärt Robert. "Wenn sie weiter weg liegen, ist es wirtschaftlicher, sie bringen zu lassen – entweder hierher ins Lager oder direkt zur Baustelle."

Lkw-Fahren ja, aber kein Fernverkehr

Zur Mittagszeit schwingt sich Robert auf sein Mountainbike und radelt nach Hause. "Ich fahre gerne Lkw, aber der Fernverkehr reizt mich nicht. So kann ich zu Hause zu Mittag essen, bin abends daheim, habe abwechslungsreiche Touren und Ladung, mal kleine, mal große Mengen. Wir fahren auch wenig auf der Autobahn – das ist schöner und man steht nicht so viel im Stau."

Nach der Mittagspause klettert er in den blauen Actros und setzt rückwärts an den großen Sandhaufen hinter dem Gebäude. Dann wechselt er in den kleinen Zettelmeyer-Radlader und schüttet einige Schaufeln Sand in die Mulde. Für die Fuhre, die ein privater Kunde bestellt hat, reicht der Kipper solo ohne Anhänger. "Mit dem Kipper bleibt man meist im Umkreis von 50 Kilometern", erzählt Robert. Oft geht es von den Schotterwerken der Umgebung direkt zu den Baustellen. Bauunternehmen und Handwerker machen knapp die Hälfte der Auftraggeber aus, der Rest sind Privatkunden. 

"Es ist auch mal schön, tagelang Aushub zu fahren", schwärmt Robert, während er durch die malerische Landschaft fährt. "Die Zahl der Fuhren hängt von der Entfernung von Baustelle zu Erddeponie ab", rechnet er vor. "Mal schaffst du nur vier, mal 30 am Tag." Jetzt wo es Winter ist, werden die Baustellen-Touren weniger. Diese Zeit nutzen wir, um das Lager und den Verkaufsraum auf Vordermann zu bringen. An den Fahrzeugen gibt es wenig zu tun. "Früher standen wir noch da und haben selbst neue Reifen aufgezogen", erinnert sich Robert. Heute gibt es entsprechende Service-Verträge mit den nächstgelegenen Niederlassungen von Mercedes-Benz und MAN. 

Im Sommer ist Hochsaison, da sind die Arbeitstage deutlich länger und die Aufträge kommen in rascher Folge. Dann zieht Robert mit dem starken 4x4-Actros auch mal Baukräne von Bauunternehmen, die nur kleine Lkw oder Transporter besitzen. "Also wir machen im Grunde genommen alles. Mehr Abwechslung geht kaum." Wer das von seiner Arbeit behaupten kann, hat definitiv die richtige Wahl getroffen.

Job-Check

Arbeitgeber
Greule Baustoffe, Sportplatzweg 6, 75389 Neuweiler/Breitenberg

Einstiegsqualifikation
C/CE-Führerschein, Ziffer 95, Staplerschein, handwerkliche Ausbildung oder Kenntnisse

Aufstiegsmöglichkeiten
Spezialisierung zum Kundenberater für bestimmte Baustoffe

Fuhrpark
1 Kipperzug, 1 Kranzug, 2 Gabelstapler, 1 Radlader

Fahrzeug
Mercedes-Benz Actros 1841 4x4 mit Meiller-Kipper und Tandemachs-Kippanhänger

Arbeitsbedingungen
Geregelte Arbeitszeiten: Montag bis Freitag, Samstagvormittag; Hochsaison im Sommer

Bezahlung
Festgehalt bei Angestellten, Stundenlohn bei Fahrern

Positiv
Viel Abwechslung, täglich wechselnde Touren, Kunden und Ladung

Negativ
Hochsaison im Sommer, vergleichsweise geringe Kilometerleistung

Johannes Roller, Redakteur FERNFAHRER

Autor

Foto

Fritz Feuerbacher

Datum

12. Januar 2016
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