Dekra-Straßenreinigung Feinstaub Zoom

Testprojekt Straßenreinigung: Putzaktion in Stuttgart gegen Feinstaub

Die intensive Reinigung der Straßen rund um das Stuttgarter Neckartor soll zur Senkung der Feinstaubwerte beitragen. Dekra koordiniert das Projekt, die Stadt Stuttgart und drei Reinigungsfirmen machen mit.

Kaum ein Thema beschäftigt die Stadt Stuttgart und ihre Bürger in diesen Tagen mehr als das Feinstaub-Problem. Der Feinstaubgrenzwert liegt bei 50 Mikrogramm, doch er wird viel zu oft überschritten. Seit dem 27. Oktober 2016 rief die Stadt daher an 68 Tagen Feinstaubalarm aus – Tendenz steigend. Daraus resultieren Maßnahmen wie das heftig diskutierte Fahrverbot für viele Diesel ab 2018 und eine drei Meter hohe Mooswand am Neckartor, die den Staub binden soll.

Nun kommt ein weiteres Projekt hinzu, das auf Initiative der Prüforganisiation Dekra mit Sitz in Stuttgart entstand. "Untersuchungen belegen, dass nur sechs Prozent des Feinstaubs durch Abgas-Emissionen vor Ort entstehen", erklärte Clemens Klinke, Dekra-Automotive-Vorstand anlässlich des Projektstarts am 1. März. "Allerdings entstehen 31 Prozent durch den Abrieb von Reifen und Bremsen sowie durch Aufwirbelung." Daher will Dekra laut Klinke herausfinden, ob es möglich ist, diese größeren Partikel zu beseitigen, bevor sie zu Feinstaub "zermahlen" werden.

Im Dezember beschlossen, im März umgesetzt

Ende Dezember 2016 beschloss er daher gemeinsam mit Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Bündnis 90/Die Grünen), ein vierwöchiges Testprojekt im März 2017. Dabei reinigen Fahrzeuge der Unternehmen Kärcher, Faun und Reuther die Straßen rund um das Stuttgarter Neckartor, wo sich eine Messstation für Feinstaubwerte befindet. Der städtische Eigenbetrieb Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) stellt zusätzliches Personal, logistische Maßnahmen und ein Begleitfahrzeug bereit.

Die während der Testphase ermittelten Werte vergleichen Experten der Dekra und der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) mit den Werten der Messstation am Marienplatz und der neu eingerichteten Station am Schlossplatz.

Die Experten messen die kontinuierliche Feinstaubkonzentration, aber auch die Tageswerte. "Zudem untersuchen wir die Inhaltsstoffe", erklärt Jürgen Bachmann, Abteilungsleiter Luftreinhaltung bei Dekra Automobil. "So gewinnen wir Erkenntnisse darüber, welcher Anteil der Partikel aus welchen Quellen stammt." Der Test soll laut Dekra zeigen, ob sich durch die regelmäßige Straßenreinigung in der Zusammensetzung des Feinstaubs Veränderungen ergeben.

Vor allem die Tage mit knappen Überschreitungen im Blick

"Wir kämpfen um jedes Mikrogramm Feinstaub", erklärte Fritz Kuhn. Er habe mithilfe des Projekts vor allem die Tage mit knappen Überschreitungen der Grenzwerte im Blick. Das seien im vergangenen Jahr 15 Tage gewesen. Da die Putzaktion auch in Zeiten ohne Feinstaubalarm stattfindet, spricht er von einer präventiven Maßnahme.

Die Idee ist nicht neu: Bereits vor zehn Jahren fand eine ähnliche Putzaktion statt. Nun liegt laut Clemens Klinke der Fokus aber auf der Reinigung mit Wasser und dem Absaugen der Schmutzpartikel und nicht auf dem Kehren der Straße, das den Schmutz nur aufwirbelt.

Drei Reinigungsfahrzeuge im Einsatz

Zum Einsatz kommen drei Reinigungsfahrzeuge von drei verschiedenen Firmen – jedes mit einem eigenen Reinigungsverfahren. Sie putzen vier Wochen lang von Sonntag bis Freitag immer nachts von 22 Uhr bis 5 Uhr Teilabschnitte rund um das Neckartor.
Das Fahrzeug der Firma Reuther aus Pleidelsheim bei Stuttgart reinigt den Straßenbelag nach eigenen Angaben porentief.

"Das eingesetzte Wasser sowie die Schmutzpartikel werden mit einer Gebläseeinheit direkt abgesaugt und in einem Schmutzbehälter gesammelt", erklärte Geschäftsführer Ulrich Reuther. Denn Feinstaub entsteht laut Reuther auch durch Partikel, die sich in den Poren des Straßenbelags abgelagert haben. "Unser Ziel ist es, diesen Prozess zu verhindern, indem wir die Partikel aus den Poren holen, bevor sie aufgewirbelt werden können."

Faun-Kehrmaschine nimmt Schmutzpartikel auf

Auch die Kehrmaschine der Faun-Gruppe nimmt die Schmutzpartikel auf. Das Fahrzeug führt 3.000 Liter Wasser mit, Feinstaubdüsen und eine Sauganlage am Heck. Über das Umluftsystem gelangen nur 30 Prozent Abluft in die Umgebung.

Neben den beiden großen Fahrzeugen ist auch die Kommunalkehrmaschine MC 50 von Kärcher mit von der Partie. Über das sogenannte Schrubbdeck landet Wasser auf der Straße, drei Bürsten schrubben den Belag, anschließend wird der Schmutz abgesaugt.
Die entstehenden Kosten tragen alle beteiligten Firmen selbst – ob sich ihr Einsatz auszahlt, erfahren sie im Frühsommer. Dann sollen die endgültigen Ergebnisse vorliegen.

Franziska Niess

Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

1. März 2017
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