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Schmitz Cargobull: Ohne Telematik geht es nicht

Global agierende Kunden fordern von ihren Logistikern ein 
Telematiksystem. Da die Zugfahrzeuge bisweilen von Subunternehmern 
stammen, kommt die Technik im Hänger zum Einsatz. Welche Vorteile das hat, 
zeigt Trailerhersteller Schmitz Cargobull auf einem Symposium.

Telematik stand im Münsterland kürzlich wieder im Vordergrund: Beim zweiten Telematik-Symposium des Trailerherstellers Schmitz Cargobull beziehunsgsweise  dessen 100-prozentige Tochter Cargobull Telematics. "Trailer Connect im Großeinsatz" lautete das Motto der Veranstaltung. Dementsprechend waren sowohl auf Referenten- als auch auf Zuhörerseite Vertreter von größeren Unternehmen und Konzernen. "Die Global Player setzen die Telematik für ihre Prozesse ein", sagte Karl-Heinz Neu, Geschäftsführer von Cargobull Telematics. Dabei sei es keine Seltenheit, dass gleich zwei oder mehr Systeme im Einsatz seien. "Wir leben in Zeiten harter Veränderungen. Die Verlader bestehen daher mehr und mehr auf den Einsatz von Telematik", so Neu. Das sei bisweilen sogar schon Teil von Ausschreibungen.

Steigende Nachfrage nach Trailern mit Telematik

So ist es für ihn nicht weiter verwunderlich, dass die Nachfrage nach Trailern mit Telematik steigt. Insbesondere Vermieter aber auch Großlogistiker, die Just-in-time beziehungsweise Just-in-sequence arbeiten, hätten Trailer Connect immer häufiger auf der Zubehörliste.

Insgesamt ist der Markt allerdings noch relativ überschaubar. Neu schätzt, dass in Westeuropa bislang lediglich zwischen sieben und 15 Prozent der Auflieger mit einer eigenen Telematik ausgerüstet sind: "Eine verlässliche Zahl gibt es nicht." Die wiederum gibt es aber bei den Trailer-Produktionszahlen: Schmitz Cargobull produziert pro Jahr etwa 45.000 Auflieger. Die Marktdurchdringung ist bei Kofferfahrzeugen wegen des temperaturgeführten Transports mit rund 82 Prozent höher als bei Planenfahrzeugen mit derzeit 45 Prozent. Da Trailer Connect aber nachrüstbar ist – und zwar auch in Aufliegern anderer Hersteller –, sieht Neu auch dort durchaus noch Potenzial.

Das Potenzial der Telematik erkannt hat wiederum Rudolph Logistik. Laut IT-Projektleiter Detlef Nienhaus hat das Unternehmen je nach Fahrzeugeinheit bis zu drei Telematikeinheiten im Einsatz. Da wäre zum einen Fleetboard von Daimler, das aber auch bei anderen Marken zum Einsatz kommt. Des Weiteren haben manche Lkw-Fahrer ein Gerät von Tom Tom Business Solution mit an Bord. Und zu guter Letzt sendet eine Eigenentwicklung namens VW OTC ihre Daten. "Wohlgemerkt kommen aber nicht alle drei gleichzeitig zum Einsatz", sagt Nienhaus.

Eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht

Allerdings hätten die Systeme jeweils ihre Stärken in Teilbereichen. Die eierlegende Wollmilchsau gebe es bisher aber nicht, erklärt er. Rudolph Logistik nutze Fleetboard beispielsweise zum Erfassen und Auswerten von technischen Messdaten im Sinne der Telemetrie. Liegt der Fokus hingegen eher auf der Disposition und Transportsteuerung, dann komme Tom Tom zum Einsatz.

Dabei geht es  unter anderem um das Bestimmen von Fahrzeugstandorten und Transportfortschritt, aber auch um die Kommunikation zwischen Fahrer und Disponent. Zum Überwachen der Transporte hat der Logistikdienstleister VW OTC am Start.

Eines haben alle Systeme gemein: Sie beziehen sich auf die ziehende Einheit. Nun hat Rudolph zwar rund 100 Zugmaschinen sowie etwa 350 Trailer im Einsatz, kann aber dennoch gerade einmal rund 20 Prozent der Transporte selbst  ausführen. Damit entziehen sich aber die verbleibenden 80 Prozent dem Monitoring des Unternehmens. Hier soll nun der Einsatz einer Trailertelematik Abhilfe schaffen.

Rudolph setzt auf Schmitz Cargobull

In diesem Monat hat Rudolph Logistik daher damit begonnen, vorerst einmal 200 Trailer mit Trailer Connect aus dem Hause Cargobull Telematics ausrüsten zu lassen. Denn der weitere Weg ist für Nienhaus klar vorgezeichnet: Die Anforderungen der Automobilkunden an die Transparenz der Supply Chain wachsen ständig. Dabei seien die Materialtransporte aus Sicht der Hersteller oft wie ein Schwarzes Loch. Folgerichtig werde die Forderung nach Transparenz in der sogenannten 2nd-Tier-Ebene, also bei der Beschaffungslogistik der Zulieferer, immer lauter.

Vor einer anderen Herausforderung stand Peter Baumann, Geschäftsführer bei der Stückgutkooperation 24 plus. Er sieht sich zum einen mit heterogenen IT-Strukturen konfrontiert, die aufgrund der steigenden Zahl an internationalen Partnern sogar weiter zunimmt. Auf der anderen Seite werden es auch immer mehr Kunden, die aber sehr unterschiedliche Anforderungen an einen Logistikdienstleister haben. Daraus folgt eine rasant wachsende Datenmenge.

Webportal hält Infos bereit

Derzeit hat 24 plus 66 Partner aus 16 europäischen Ländern mit insgesamt 5.000 Mitarbeitern. Etwa 2.400 nutzen davon täglich das Integrationsportal der Kooperation. Des Weiteren sind mehr als 250 Großkunden direkt an dieses Portal angebunden. Daten zum Status einer Sendung liefern rund 2.000 Handscanner. Die dabei erfassten Informationen stehen im Webportal zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es eine iPhone-App, über die Kunden anhand der Sendungsnummer ein Paket verfolgen können. Sogar eine Fehlverladung im Hub kann man dort einsehen.

Nun wäre ein reiner Status über die Scannung allerdings ein stark punktueller Ansatz – nämlich beim Abholen beziehungsweise Zustellen. Mit Trailer Connect steuert 24 plus daher den Zulauf zum Zentralhub in Hauneck und überwacht dabei auch gleich die Auflieger auf der Strecke.

System meldet Ausreißer

Wobei überwachen eher passiv gemeint ist. Denn das System meldet lediglich die Ausreißer. "Wir brauchen nur dann eine Info, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Dann können wir entsprechend gegensteuern", erklärt Baumann.

Entsprechende Zeitfenster gibt es sowohl im Hub als auch bei großen Märkten oder Distributionszentren mithilfe der Ortungsfunktion sowie dem sogenannten Geofencing. Dabei legt man einen Radius rund um einen wichtigen Punkt fest. Kommt ein Lkw nicht innerhalb eines bestimmten Zeitfensters in diesen Radius, ist eine Verspätung vorprogrammiert. Bei 24 plus wurde diese Vorgehensweise sogar noch verfeinert. So hat man hier gleich drei Kreise gezogen: eine Zone, die den Zulauf dokumentiert, eine zweite, die die Wahrscheinlichkeit einer pünktlichen Ankunft nahelegt sowie einen Ankunftsradius. Doch bei allen drei gilt: Eine Meldung des Systems gibt es nur dann, wenn etwas außerhalb der Toleranz ist.

Lkw haben nur ein Zeitfenster von 15 Minuten

Der Grund für diese Aufwand wird beim Blick auf die Arbeitsabläufe bei 24 plus schnell  ersichtlich. Denn am Zentralhub in Hauneck haben die Lkw gerade mal ein Zeitfenster von 15 Minuten, so eng getaktet sind die Fahrtlinien. "Wer sich verspätet, stellt sich hinten an", erklärt Baumann. Wird darüber hinaus klar, dass der Fahrer einfach nur zu spät losgefahren ist, wird sogar eine Strafzahlung fällig.

Zusammen führen, was zusammen gehört, das ist das Ziel von Telematic One, einem Webportal der Telekom-Tochter T-Systems. Anders als etwa bei dem Telematikportal Nic Base steht dort allerdings nicht das Zusammenführen von Fahrzeug-Telemetriedaten im Fokus. Vielmehr gilt es, die gesamte Prozesskette abzubilden – und das möglichst weltweit.

Telematic One erfasst in Echtzeit den Transportweg

Die Spediteure können auftragsbezogene Positionsdaten von Lkw und Aufliegern kontrollieren oder können die Kühltemperatur der Waren dokumentieren. Daneben erfasst Telematic One in Echtzeit den Transportweg von Fahrzeug und Ladung. Die Logistikdienstleister können so nachvollziehen, wann welche Ware ausgeliefert wird und gegebenenfalls Kunden über Verzögerungen informieren. Die Nutzer greifen dabei über das Internet auf die Lösung zu. Ein Installieren von Telematic One ist somit nicht nötig.

Den Vertrieb der Lösung, die auf der IAA Nutzfahrzeuge einem breiteren Publikum vorgestellt wird, übernimmt zunächst Cargobull Telematics. Kein Wunder, betreibt T-Systems doch bereits seit 2004 für die Schmitz Cargobull-Tochter die gemeinsam entwickelte Telematiklösung zur lückenlosen Überwachung der gesamten Lieferkette. Wobei nicht allein die Informationen der Schlüssel zum Erfolg sind. "Es sind die Menschen, die etwas daraus machen", resümiert Cargobull Telematics-Chef neu.

Die Lösung

Mehr als 15.000 Trailer-Telematik-Systeme hat Cargobull Telematics seit dem Start 2004 verkauft. Zunächst hatte ein Team im Rahmen eines Projekts eine autarke Telematik für gezogene Einheiten entwickelt. Das fertige Produkt präsentierte Schmitz Cargobull zur IAA 2004 und gründete kurz darauf das Tochterunternehmen Cargobull Telematics. Zusammen mit den Partnern T-Systems und Bosch wurde das System anschließend permanent weiterentwickelt. Heute haben nach Firmenangaben mehr als 250 Kunden Trailer Connect im Einsatz.

Portraits

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Cargobull Telematics

Datum

11. April 2012
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