Klassiker im Alltagseinsatz, Opel Blitz 11 Bilder Zoom

Scania L 81 111/Opel Blitz: Alte Liebe rostet nicht

Schrotthändler Paul Lücke aus Dorsten schwört auf seine beiden nostalgischen Trucks: einen Scania L 81 111 von 1976 und einen Opel Blitz aus dem Jahr 1942.

Die Nutzfahrzeugwelt ist immer für eine Überraschung gut. Doch ­diese Story hat auch uns glatt ­umgehauen. Denn da gibt es im Ruhrgebiet doch tatsächlich einen Schrotthändler, der tagtäglich mit einem Opel Blitz, Baujahr 1942, unterwegs ist. Und dann hat der Mann auch noch einen 37 Jahre alten Scania L 81, der schon 3,2 Millionen Kilometer "auf dem Buckel" hat. Wo andere ihre Lkw ausrangieren, gibt Paul Lücke Gas. Für ihn sind die beiden Trucks "wunderbare Arbeitstiere".

Opel Blitz fährt 110 km/h

"Mein Opel Blitz fährt 110 und ich habe keine Probleme damit, ihn auf der Autobahn auszufahren. Was glauben Sie, wie die Lkw-Fahrer staunen, wenn ich links an ihnen ­vorbeidüse", berichtet der 65-Jährige. "Die kriegen solche langen Hälse und trauen ihren Augen nicht. Aber genau das macht Spaß." Schon als Lücke mit dem 71 Jahre alten Kleinlaster auf dem Firmengelände vorfährt, staubt es gewaltig. Kaum zu glauben, aber er schont den Opel Blitz in keinster Weise und hat auch nicht einmal ansatzweise ein schlechtes Gewissen. "Natürlich ist das ein ­Oldtimer. Aber mit uns beiden klappt es auch nur so gut, weil wir perfekt aufeinander ­eingestellt sind." Wie viele Kilometer der
blau lackierte 1,5-Tonnen-Laster mit 55 PS, 2,5-Liter-Hubraum und Sechszylinder-Reihenmotor nun schon tatsächlich auf der Uhr hat, weiß der sympathische Schrotthändler nicht. Das tut für ihn auch überhaupt nichts zur Sache. Wo ist das Problem? Er verdient mit dem raren Opel sein Geld: Tag für Tag – seit zwölf Jahren nun schon.

Bei seinem zweiten Lkw, einem Scania L 81 von 1976, ist es nicht viel anders. Der 16-Tonner mit der markanten Nase sieht ein wenig wie ein ausrangierter Kirmes-Lkw aus, der bei Lücke sein Gnadenbrot bekommt. Aber selbst die Lackierung in verschossenem Aubergine ist original. Allerdings kann Lücke hier genau sagen, was die Uhr geschlagen hat. Es sind 3,2 Millionen Kilometer, die der Scania aus den 70er-Jahren inzwischen gelaufen ist: "Es ist noch immer der erste Motor und der schafft bestimmt noch 800.000 Kilometer. Da möchte ich wetten. Der läuft wie ein Uhrwerk und hat mich auch noch nie im Stich gelassen." Paul Lücke ist ein Mensch, dessen Herz für alte Autos und historische Nutzfahrzeuge schlägt. Allerdings ist er kein Freund davon, diese Arbeitstiere aufwendig zu restaurieren. "Zur Faszination gehört für mich, der Welt zu zeigen, dass das Maschinen sind, in denen Leben steckt. Und dass man wunderbar mit ihnen arbeiten kann", sagt er. Ganz abgesehen davon: "Wie sieht das denn aus, wenn ein Schrotthändler mit einem neuen Lkw vorgefahren kommt?"

Paul Lücke: Schrotthändler und Ruhrpottoriginal

Paul Lücke ist eine typische Ruhrgebietspflanze. Ein Original von Schrotthändler, der das Herz am rechten Fleck hat. Aber wenn es um seine Arbeit geht, dann kennt er kein Pardon. Das gilt auch für den Opel Blitz. ­"Sicher gibt es schönere Exemplare, die wie Speckschwarten glänzen. Nur im Gegensatz zu anderen Autos sorgt mein Blitz dafür, dass bei uns etwas auf den Tisch kommt." Mit dem blauen Lieferwagen, den er für "kleines Geld" bei einem Sammler gekauft hat, fährt er treu und brav seine Kundschaft ab. Er holt bei Autohäusern und Werkstätten Metallteile ab, um sie dann später mit dem 265 PS starken Scania bei einem Großhändler ab­zuliefern, und immer wieder ist es ausgerechnet der für seine sagenhafte Ausdauer bekannte Opel Blitz, der für Gesprächsstoff sorgt. Paul Lücke ist der Typ von Mensch, der sich ebenso gerne wie regelmäßig festquatscht: "Jeder interessiert sich für meinen alten Blitz und die Leute lachen, wenn ich mit ihm vorfahre. Viele greifen sogar zum Fotoapparat, weil sie es einfach nicht glauben können, was sie da sehen. Manchmal denke ich mir selbst: Wir beide gehören eigentlich längst ins Museum."

Doch museumsreif ist Paul Lücke noch lange nicht. Das gilt auch für seinen Scania mit der Typenbezeichnung 111 Super, den er vor 24 Jahren in den Niederlanden von einem Kollegen gekauft hat. Dass der Turbomotor mit 8,1 Liter Hubraum bis heute noch nicht schlappgemacht hat, führt Lücke auf die regelmäßigen Ölwechsel und die stets gründliche Reinigung der Motorzentrifuge zurück: "Wenn du darauf achtest, gehen die nie kaputt. Ein Freund von mir ist Schausteller und sein Scania hat schon fünf Millionen auf
der Uhr." Jede Woche ist der Schrotthändler ­allein mit dem L  81 rund tausend Kilometer unterwegs – und noch nie liegen geblieben. So ist es auch mit seinem Opel Blitz. "Der läuft tatsächlich wie der Blitz", lacht Lücke, der noch lange nicht ans Aufhören denkt und bei seinen humorigen Erzählungen noch einen draufsetzt: "Ich bin in meinem ganzen Leben noch nie geblitzt worden, aber mit dem Blitz habe ich es tatsächlich geschafft – und nicht mal gemerkt."

Reden ist für Paul Lücke Gold

Es ist wirklich so. Wenn Lücke von seinen beiden Exoten erzählt, dann ist es,
als hätte er Quasselwasser getrunken. Kein Wunder, dass seine Arbeitstage lang sind, weil er vermutlich bei jedem seiner Kunden vom Höckschen aufs Stöckchen kommt. Immer nach der Devise: Reden ist für einen Schrotthändler Gold, Schweigen eher schlecht fürs Geschäft. Lücke ist eben ein Mann, der seine ganze Lebenseinstellung spazieren fährt und kein Geheimnis daraus macht, dass ihn die Arbeit jung hält. Aber es ist nicht so, dass seine Klassiker bis zum Umfallen schuften müssen. Zumindest der 1942er-Opel darf auf bessere Zeiten hoffen. "Ich habe mir schon vorgenommen, ihn eines Tages gründlich zu restaurieren. Nur muss die Zeit dafür erst noch kommen. Aber ich habe vorgesorgt und das komplette Auto noch einmal in meinem Ersatzteillager.

Autor

Foto

Norbert Böwing

Datum

15. Juli 2014
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