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Psychologie: So ärgert man sich weniger

Ärger ist ein Grundgefühl, das der Mensch nur schlecht unterdrücken kann. Doch wer spontan seinem Ärger Luft macht schwört oft weiteren herauf. Forscher empfehlen deshalb erst einmal tief durchzuatmen.

„Mensch, ärgere Dich nicht, jetzt reg‘ Dich doch nicht so auf“  – das alles ist oft leichter gesagt, als getan.  Erst vor wenigen Tagen berichtete die Welt online über einen Fall, bei dem ein Fernfahrer die Nerven verlor, weil ein anderer Lkw-Fahrer ihn während eines Überholvorgangs ausbremste.  Aus Zorn bewarf dieser seinen Kollegen mit einer Kaffeetasse  - ein Vorfall, der bei voller Fahrt böse enden kann.


Besonders im Straßenverkehr fällt es manchen Fahrern schwer sich zu beherrschen. Das kommt nicht von ungefähr, denn Ärger gehört zu unseren Basis-Emotionen wie Angst, Ekel, Trauer und Freude. Nach Angaben der Apotheken-Umschau müssen wir uns bis zu zweimal in der Woche kräftig ärgern. Zudem kämpfen wir fast jeden Tag mit kleinen, alltäglichen Aufregern. Die Intensität der Gefühle reicht dabei von flüchtiger Irritation bis zum bebenden Zorn. Doch woher kommen dieses negative Gefühl, durch das wir uns zu den unmöglichsten Reaktionen hinreißen lassen?

 
Hormone – ein Cocktail der direkt ins Blut geht


Zorn, Wut und Ärger sind Gefühle, die tief in unserem Selbsterhaltungstrieb verankert sind. Die Entscheidung zu kämpfen oder fliehen musste zu Beginn der menschlichen Entwicklung oft sehr schnell getroffen werden. Dabei ist der Drang sich zu wehren oder zu flüchten dem Gefühl des Ärgers sehr ähnlich, denn der Körper schüttet dabei den gleichen Hormon-Cocktail aus. Der besteht größtenteils aus Adrenalin und Noradrenalin. Die Wirkung: Die Atmung wird flacher, Blutdruck und Puls steigen an, um die Muskulatur besser zu durchbluten. Wir sind zum Sprung bereit.  
Wenn wir uns ärgern, sieht man uns das deutlich an. Die Augenbrauen ziehen sich zusammen, die Pupillen weiten sich und der Blick wird stechend. Biologen nennen diese Mimik Drohstarre – ein Verhalten, das auf unsere evolutionäre Entwicklung zurückzuführen ist. Doch was uns damals das Überleben sicherte macht und heute oft krank.

Ärger kann krank machen


Ärger tut selten gut: Er schlägt auf den Magen, löst nachweislich Kopfschmerzen aus und verkürzt das Leben. Laut Apotheken-Umschau ist permanenter Ärger für das Herz genauso gefährlich wie Rauchen oder Bluthochdruck. Forscher der Universität North Carolina haben festgestellt, das bei Menschen die sich im Alltag häufig ärgern, das Herzinfarktrisiko bis zu drei Mal höher ist, als bei Menschen die cool bleiben.  Dies zeige sich auch bei Menschen, die bereits einen Infarkt hinter sich haben. Ihr Risiko einen zweiten Infarkt zu erleiden ist doppelt so hoch.
Besonders anfällig für Ärger sind dabei Menschen mit einem sogenannten Feindseligkeitssysndrom. Diese sind meist chronisch zum Ärger bereit, leicht erregbar und tendenziell aggressiv.  Das trifft auf bis zu 20 Prozent der Bevölkerung zu. Diese Menschen kommen von ihrem Ärger kaum herunter. Weitere 20 Prozent sind dagegen besonders gelassen – der Rest liegt irgendwo dazwischen.


Mit Ärger richtig umgehen


Deshalb ist es wichtig, mit dem Ärger gut umzugehen. Ihn einfach zu unterdrücken, ist dabei genauso ungesund, wie das ungehemmte Sich-Luft-machen. Denn wer laut losbrüllt, baut seinen Zorn nicht ab, sondern bleibt auf einem hohen Ärger-Niveau stehen. Gleiches gilt auch für diejenigen, die ihrem Ärger ständig nachgrübeln.  „Sinnvoller ist es, seinen Groll erste einmal auszuhalten, um somit einen inneren Aufschub zu erreichen“, sagt der Hamburger Psychologe und Unternehmensberater Reinhard Ahrens.
Für Stressforscher gilt deshalb eine alte Methode immer noch als die beste Lösung, seinen Ärger unter Kontrolle zu halten: dreimal tief durchatmen und bis zehn zählen. Diese Methode, im Fachjargon Verzögerung genannt, verschafft Hitzköpfen in der Regel genügend Zeit, sich genau zu überlegen, was genau Sie so wütend macht. Denn manchmal hat der rasende Zorn ganz andere Ursachen. Das können Gefühle wie Einsamkeit, Sehnsucht, Trauer sein, aber auch eine nicht erfahrene Wertschätzung.


Eine andere Möglichkeit ist gedanklich einfach auf die andere Seite zu wechseln. Der Lkw, der zum Überholen ansetzt, ist dann vielleicht kein Ärgernis mehr, wenn man sich fragt, unter welchem Termindruck dieser wohl stehen muss. Anders herum  kann man sich doch einfach seinen Teil denken, wenn der Kollege da vorne die Straße dicht macht. So kann man wenigstens einmal einen Gang zurück schalten und sich seinen Kaffee schmecken lassen - und die Tasse bleibt da wo sie hingehört.

Knut Zimmer

Autor

Foto

Fotolia, Montage Grobosch

Datum

24. Juli 2012
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