MAN Lion´s Coach 11 Bilder Zoom

MAN: Lions' Coach als Team Edition

Ein gekonnter Mix aus Motor, Getriebe und Achse, ein frisches Cockpit und ein appetitliches Ausstattungspaket - fertig ist der MAN Lion's Coach als Team Edition, nicht nur für Fußballer.

Meister und Pokalsieger sind mit ihm unterwegs, er vereint als Teambus der Bundesliga selbst die Erzgegner Borussia Dortmund und Schalke 04, also Feuer und Wasser. Als Mannschaftswagen der Stars auf dem grünen Rasen rückt MAN den Lion’s Coach in den Blickpunkt.Im reifen Alter von neun Jahren erfährt er eine Aufmerksamkeit, die ihm zuvor nie gegönnt war. Gilt MAN doch traditionell als Hersteller von Linienbussen, der zur Abrundung Reisebusse baut. Die Eintrittskarte in den Klub der Edlen und Feinen hat MAN nie gelöst. Obwohl designorientiert gestaltet, gilt der Lion’s Coach als Aschenputtel: Bei genauerem Hinsehen verbirgt sich hinter diesem MAN eine wahre Perle.

Sondermodell namens Team Edition

Etwa als Sondermodell namens Team Edition, als Mannschaftsbus mit sorgfältiger Ausstattung. Außen leichte Aluminiumräder und etwas Chromzierrat. Innen große 19-Zoll-Monitore, im Heck eine Maschine mit 324  kW (440 PS), gekoppelt mit der ZF AS-Tronic, die bei MAN immer Tipmatic heißt. Das alles gibt’s zum fairen Preis.

Trotzdem ist und bleibt der Lion’s Coach ein Senior, man merkt es an der überlebten Länge von exakt zwölf Metern mit engem Einstieg vorn. Doch in Nutzfahrzeugkreisen ist Alter kein Makel, sondern ein Zeichen von Reife. Auch profitiert der Hochdecker heute davon, dass er bei seiner Geburt als geradezu avantgardistisch galt – neun Jahre später ist das rundgelutschte Design immer noch ansehnlich. Man sieht der angedeuteten Tropfenform die gute Aerodynamik an, seit Kurzem unterstützt durch einen Heckspoiler. Allein er soll den Verbrauch um 0,3 Liter senken.

Innen ist der MAN nach wie vor der einzige Bus mit einem formvollendeten Abschluss der Gepäckablagen über der letzten Reihe. Und einer der wenigen, die mit einer eleganten Abdeckung der Umluftansaugung glänzen. Riesig sind die Gepäckablagen und knapp ist die Innenhöhe – sie ist auf den ebenen, podestlosen, hochgesetzten Boden zurückzuführen. Ebenfalls typisch MAN und damit sachlich-grau und ein wenig freudlos wirkt das Interieur. Man will niemandem wehtun und bereitet deshalb auch niemandem Vergnügen.

MAN spendiert  eine Effizienzanzeige

Freude kommt im unlängst aufgefrischten Cockpit auf. Perfekt ablesbare Rundinstrumente, aufgeräumte Schalterreihen, fein integrierter Navi-Bildschirm und der Tachograf in Sicht- und Reichweite, das mögen Fahrer. Mittendrin spendiert MAN eine "Effizienzanzeige", landläufig nennt man so etwas Verbrauchsanzeige. Die Außenspiegel gefallen mit Weitwinkelgläsern und gutem Blick auf die vorderen Ecken. Ein Plus verdient sich auch das große Sonnenrollo mit Sichtfeld aufs rechte Spiegelglas. Überdies können sich auf dem Fahrersitz selbst Riesen strecken. Jetzt noch eine Ablage für den Kupplungsfuß, ein Halter für große Getränkeflaschen und etwas geschicktere Ablagen, dazu vielleicht ein handlicheres als das riesige Lederlenkrad, alles wäre perfekt.

Auch der Beifahrer kann sich dehnen, trotzdem behandelt MAN diesen Platz stiefmütterlich. Die Sitzfläche ist knapp, das Gestühl knallt bei unbedachtem Aufstehen lautstark zusammen. Rechter Hand gibt es einen merkwürdig unnützen Ablageschrank, er entpuppt sich als Überbleibsel eines ehemaligen Feuerlöschfachs. Bitte aufräumen und bei dieser Gelegenheit auch die etwas zerklüftete Kühlbox renovieren und die Schmuckleiste davor sorgfältiger befestigen.

Erfolgreich Hand angelegt hat MAN bereits am Antrieb. Optional gibt es den Hochdecker nun mit superlanger Achse (3,08 : 1). Sie senkt die Drehzahl auf nur 1.200 Touren bei Tempo 100. Dazu empfiehlt sich der Griff zum kräftigen D 26 mit 12,4 Liter Hubraum, 324 kW (440 PS) und 2.100 Nm Drehmoment. Was im ersten Moment für einen Zweiachser fast überzogen erscheint, entpuppt sich in Verbindung mit dem automatisierten Zwölfganggetriebe als perfekte Kombination.

Entspannt und flüsterleise gleitet der Lion’s Coach auf Fernstraßen

Kraftvoll, aber nicht übertrieben heißblütig tritt der MAN mit seinem typischen leichten Ruck beim Lösen der Anfahrhilfe an. Hangelt sich beim Beschleunigen in Zweiersprüngen nach oben, schaltet dabei watteweich und nahezu fehlerlos. Nutzt je nach Sachlage genau passend mal das Drehvermögen und mal die Durchzugskraft des Triebwerks. 90  Prozent der Nennleistung liegen bereits bei 1.400 Umdrehungen an, das gibt einen bulligen Auftritt.


MAN wertet den bereits von Haus aus weich laufenden Reihensechszylinder auf Wunsch mit einem Zweimassen-Schwungrad auf. Diese Zutat nimmt dem laufruhigen Motor auch die letzten andeutungsweisen Unarten, lässt ihn sahnig auch bei Niedrigdrehzahlen laufen. Dank seiner Charakteristik beweist der Diesel trotz langer Achsübersetzung Spannkraft, verzichtet auf unterstützende Schaltungen an gewöhnlichen Autobahnsteigungen. Und so gleitet der Lion’s Coach auf Fernstraßen entspannt und flüsterleise dahin, wiegt seine Fahrgäste sanft, hüllt sie zusammen mit der komfortbetonten Fahrwerksabstimmung in einen Kokon aus Wohlbefinden und Behaglichkeit. Und weil es so leise zugeht, fällt prompt nahe des Mitteleinstiegs das Abrollgeräusch der Reifen auf. Und vorn knacken die Konvektoren der Warmwasserheizung lästig.

In der Ebene schaltet das Getriebe konsequent bei 75 Sachen in den elften Gang und ist bei Tempo 90 in der höchsten Schaltstufe angelangt. Die Belohnung folgt an der Tankstelle: Mit einem Wert von 26,4 Litern erzielte der Testwagen einen exzellenten Verbrauch. Rekord für Zweiachser dieser Leistungsklasse. Respekt, wahrhaft meisterlich. Und ohne Adblue-Zuschlag, versteht sich.

Vor steilen Bergab-Passagen muss dem Fahrer nicht bange sein

Abseits der Schnellstraßen zeigt die streichzarte Abstimmung des Fahrwerks indes Schattenseiten. Auf langen Bodenwellen pumpt die Vorderachse heftig, die Vertikalbewegungen sind kein Fall für empfindliche Mägen. Auf der Landstraße wird auch deutlich, dass es der Lenkung in Mittellage an Präzision fehlt. Kurs halten verlangt beim Lion’s Coach etwas Weitblick. Die Fahrsicherheit leidet nicht darunter, der MAN verträgt eine Überdosis Kurventempo. Steuert der Fahrer mit ruhiger Hand, dann dauert es lange, bis das ESP sanft zupft und zur Räson mahnt.

Auch vor steilen Bergab-Passagen muss dem Fahrer nicht bange sein, der Retarder schnappt kräftig zu und hält den Bus entweder manuell betätigt oder per Bremsomat-Funktion im Gefälle zuverlässig an der Leine. Die Fußbremse verlangt markentypisch einen festen Tritt. Sie ist aber präzise dosierbar und passt in ihrer sanften Charakteristik bestens zum Lion’s Coach. Neuzeitliche Assistenzsysteme wie Abstands- oder Spurregler sind nicht lieferbar – das Alter …

Eine gewisse Vorsicht sollte der Fahrer des Hochdeckers bei Rangiermanövern zeigen. Zwar dreht der MAN sehr gelenkig, doch vorn greift die Bugmaske unten um, schützende Kufen fehlen. Deshalb drohen Schürfwunden beim Schwenken über hohe Bordsteine oder Böschungen.

MAN richtet zurzeit eine KTL-Anlage zur Rostvorsorge ein

Wachsamkeit ist ebenso angesichts von Waagen geboten. Mit einer angemessenen Reisebus-Ausstattung wie im Testwagen neigt der rundliche MAN zu Übergewicht. Trotz Aluminiumrädern und knappem Tankvolumen ist eine Drei-Sterne-Ausführung für den Zweiachser heikel. Zumal im Unterdeck ein ansehnlicher Gepäckraum viele Koffer und Taschen schluckt. Der Fahrer wird außerdem die großen Zusatzstaufächer über den Achsen gern mit Getränkepaletten und weiteren Vorräten füllen. Handicap: Sie sind nur mühsam von innen zugänglich, Stauklappen fehlen. Eine Verbeugung vor dem Design, heißt es bei MAN.

Mit ihm wird man noch einige Jahre leben, wie zu vernehmen ist. Im Unterschied zu anderen Omnibussen seiner Generation soll der Lion’s Coach auch das Zeitalter von Euro 6 erreichen. Der passende Motor steht schon bereit, doch MAN wird nichts überstürzen. Auf andere Art wird der Lion’s Coach in seinem türkischen Buswerk schon jetzt fit für die Zukunft gemacht: MAN richtet zurzeit eine KTL-Anlage zur Rostvorsorge ein. Im Lion’s Coach werden also noch einige Meistermannschaften zum Spiel fahren. Er fügt sich bestens in Zeiten mit steigendem Rentenalter ein, lässt sich von Nachwuchsspielern auf dem Busparkplatz der Stadien nicht viel vormachen.

Und die Chancen für die nächste Meisterschale an Bord stehen gut: Nicht nur Borussia Dortmund und Schalke 04 fahren im MAN vor, auch der aktuelle Titelfavorit Bayern München fährt Lion’s Coach.

Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

16. Februar 2012
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